Gran Teatro La Fenice di Venezia

Concerto di Capodanno 2014 und die Krönung eines der aufwendigsten Restaurationen

Ich will das Neujahrskonzert in einem der wichtigsten Opernhäuser in Europa zum Anlaß nehmen und mich ein wenig mit dieser akustischen Meisterleistung in Gestalt eines Hauses beschäftigen.

Jeder Fan der klassischen Musik kommt sofort ins Schwärmen, wenn er den klangvollen Namen „La Fenice“ hört, doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet, was der tiefere Sinn dieses Namens ist.

Denn das Teatro La Fenice entstand ursprünglich aus einem Schicksalschlag heraus, der sich in der Geschichte wiederholen sollte und es immer wieder neu entstehen ließ – wie Phönix aus der Asche.

Im 16. Jhd war Venedig schon ein Zentrum der Musik und nahm eine bedeutende Stellung ein, wenn es um Innovationen in der klassischen Musik ging.

Im 17 Jhd wurde die Oper in Venedig modern und viele Opernhäuser wurden errichtet, deren Bedeutung durch zahlreicher Uraufführungen weiter zunahm. Zeitweise gab es in Venedig an die 20 Opernhäuser, die zu einem Hauptanziehungspunkt für Sänger und Komponisten wurden.

Venedig war auch die Stadt, in der es das erste öffentliche Opernhaus überhaupt gab und somit einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichte die Musik zu genießen.

Das schönste und größte Theater war das Teatro San Benedetto, das neben anderen Opernhäusern auch der angesehenen Familie Grimani gehörte. Insgesamt steht in Venedig die Familie Grimani für Kunst und Kultur, bedeutende Sammlungen sind dieser Familie zu verdanken.

Aber das Teatro San Benedetto, das 1755 erbaut wurde, brannte im Jahre 1774 vollkommen nieder und löste einen Streit zwischen der Familie Grimani und der Betreibergesellschaft aus, weil man sich nicht über den Wiederaufbau einigen konnte.

Und wie so oft in der Geschichte löst der Schicksalsschlag auf der einen Seite eine positive Wendung auf der anderen Seite aus und das Gran Teatro La Fenice entstand – größer und schöner als das San Benedetto, ausgestattet mit einem bekannten Namen aus der griechischen Mythologie: Phönix (La Fenice), der verbrennt und aus der Asche wieder neu entsteht und in neuem Glanz erstrahlt.

Der Bau wurde vom Architekten Gian Antonio Selva, einem Vertreter des venezianischen Klassizismus, geplant und in den Jahren 1790-1792 fertiggestellt und zählt sicher zu seinen Meisterstücken.

Die grandiose Akustik führte schnell dazu, daß es zum bedeutendsten Zentrum der Musik wurde und Uraufführungen zuerst im La Fenice stattfanden. Giuseppe Verdi liebte diese Bühne und führte gleich mehrere Opern urauf. Obwohl das Gran Teatro La Fenice in Konkurrenz zur Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel stand, konnte es seine Stellung als außergewöhnliches Haus festigen.

Aber Phönix kam nicht zur Ruhe und ein neuerlicher Brand 1836 zerstörte das Haus nochmals, aber schon nach einem Jahr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es schien so, als ob Phönix immer wieder aus der Asche hervorkam und sich neu präsentierte, nichts konnte diesem Theater anhaben. Auch litt der Ruf nicht darunter, obwohl es während der Sanierung geschlossen war. Weiterhin war es das Zentrum musikalischen Schaffens und wurde weiter gefestigt durch die italienische Uraufführung der Tetralogie der Ring der Nibelungen von Richard Wagner.

Auch die grundlegende Sanierung 1937 durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi, der als Vertreter des italienischen Rationalismus die Rückendeckung Mussolinis genoß, konnte dieser Ausstrahlung nicht schaden.

Auch nicht die Zeit der beiden Weltkriege, in der das Teatro geschlossen blieb, konnte verhindern, daß es nach Ende des Krieges wiederrum ein Lieblingshaus für Komponisten wurde. Es blieb dabei: La Fenice ist am Besten geeignet für die Uraufführung und so wählten auch Prokofiew, Strawinski, Bussotti und viele andere diese Akkustik um ihre Werke bestens in Szene zu setzen.

Doch nochmals schlug die Katastrophe zu: am Montag dem 29. Jänner 1996

Brandstiftung schien das Ende zu sein. Eine Verzweiflungstat des Elektroingenieurs Enrico Carella, der eine Konventionalstrafe fürchten mußte, wegen Verzugs der gerade laufenden Sanierungsarbeiten, führte zum totalen Untergang.

Lange Zeit war fraglich, ob man dieses Haus wiederherstellen und diese einzigartige Akustik wieder erreichen könne.

Aldo Rossi legte einen Vorschlag vor und gewann 1997 die Ausschreibung. Er hielt sich an alte Baupläne, suchte Fotos und Filmdokumente und bemühte sich originalgetreu dieses Meisterstück zu rekonstruieren ohne aber auf moderne Möglichkeiten zu vergessen um alte Überlegungen zusätzlich einfließen zu lassen.

Aldo Rossi, der 1997 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war es leider nicht vergönnt bei den Bauarbeiten dabei zu sein. Die Fertigstellung erfolgte durch Mitarbeiter seines Büros.

Am 14. Dezember 2003 konnte die erste Aufführung stattfinden, vorerst durch ein Konzert dirigiert durch Riccardo Muti. Ein 10 jähriges Jubiläum der Wiedereröffnung wurde letzten Jahres gefeiert.

Erst circa ein Jahr später am 12. Novemer 2004 konnte die erste Oper seit Langem wieder auf der Bühne gespielt werden und zwar mit der besten Bühnentechnik der Welt und der schönsten Oper von Verdi: „La Traviata“.

Ein unschätzbares Kulturgut schien für immer verloren.

Jedoch wurden keine Mühen und Kosten gescheut um dieses Haus wiederaufzubauen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ganz so, als ob nie etwas passiert wäre, ganz im Gegenteil: Altes konnte wiederhergestellt werden und Modernes konnte unauffällig verbessern.

Die Akustik ist vollkommen wiederhergestellt, die Atmosphäre ist geblieben.

Ganz so wie Phönix, der aus der Asche emporstieg und heute noch das Wappen des Hauses bildet.

Ich kann nur jedem Venedigreisenden empfehlen dieses Meisterwerk an Architektur zu besuchen und diese einzigartige Akustik zu genießen: Ein Stück Geschichte mit einem Stück Klassik zu verbinden und nebenbei diese wunderbare Stimmung Venedigs zu spüren. Ein wunderbares Haus, das zu jeder Jahreszeit einlädt einen ganz besonderen Aufenthalt in einer der reizvollsten Städte zu verbringen.

Tantissimi auguri di buon capodanno, Giovanni

Am Schluß möchte ich Euch einladen einen Ausschnitt vom Neujahrskonzert 2014 zu genießen aus Pietro Mascagni´s Intermezzo da Cavalleria Rusticana

Dirigent Diego Matheuz: eine unglaubliche Persönlichkeit, die seit 2011 Chefdirigent am Teatro La Fenice ist.