Verona in Love

„Se ami qualcuno portalo a Verona“

Wenn Du jemanden liebst, dann bring´ ihn nach Verona

Italien ist das Land der Feste, Italien ist das Land der Freude und Italien ist das Land der Liebe. Das wußte schon Shakespeare und wählte für die Tragödie von Romeo und Julia Verona aus.

Und in Verona findet auch ein ganz besonderes Fest statt, das italienischer nicht sein könnte; es ist am Wochenende nach dem 14. Februar, dem Valentinstag.

Es wird geküßt, geliebt, verlobt und geheiratet in dieser Zeit, in der Verona in Love ist. Während im nördlichen Raum der Valentinstag ein eher stiefmütterliches Dasein fristet, so erlebt er in Italien eine wahre Renaissance und das jedes Jahr. Jeder, der frisch verliebt ist oder auch nur seinem Partner zeigen möchte, wie er ihn liebt, sollte einmal an diesem Fest teilnehmen. Es gibt viele Angebote zu nutzen, die oftmals zu zweit billiger sind. Es ist die ganze Stadt darauf ausgelegt, daß man sie an diesem Wochenende zu zweit besucht und selbst wenn man allein die Stadt der Liebe besucht, sollte man unter Umständen auch in den Genuß der Zweisamkeit kommen. Denn an diesem Wochenende ist niemand gerne allein.

Eines vorweg: Am Besten reist man mit dem Zug nach Verona, die ÖBB und DB waren unter Anderen Sponsor von Verona in Love und hatten täglich 5 Abfahrten ab München zum Sonderpreis parat. Und nochetwas ist zu beachten: Die Unterkunft sollte man rechtzeitig buchen, wenn man nicht gerade die Möglichkeit hat bei Freunden unterzukommen. Sehr viele buchen die Unterkunft schon weit im Voraus, weil dieses Treffen der Liebenden gerne regelmäßig besucht wird. Man darf sich also nicht wundern, wenn  man einige bekannte Gesichter im nächsten Jahr wiedersieht.

Wenn man die Zeit aufbringen kann, sollte man bereits am Anfang der Woche anreisen, denn man braucht durchaus seine Zeit, bis man sich seine Aktivitäten vor Ort aussucht. Außerdem ist es schön mitzuerleben, wie eine Stadt in eine Art Ausnahmezustand gerät.

Im Smartphone Zeitalter stellt Verona hierfür eine eigene App zur Verfügung, die eine social media function beeinhaltet und somit eine Kommunikation unter Verona in Love Teilnehmern ermöglicht. Übrigens ist dabei italienisch nicht die einzige Sprache, die geschrieben wird. Ein nette Variante das Fest noch kommunikativer zu veranstalten. Generell wird man schnell Anschluß finden, wenn man es denn will.

Langeweile kommt aber sicher nicht an diesen Tagen auf, wenn man sich von der Stimmung mitreisen läßt. Spezielle Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen und italienisches Treiben – und egal wohin man blickt fröhliche und scheinbar frisch verliebte Menschen.

Das Zentrum bildet das Cuore da Scoprire: Ein Herz inmitten der Stadt auf der Piazza dei Signori: Ein Markt in Herzform, mit rotem Teppich in der Mitte, voller regionaler Spezialitäten und Handwerkskunst. Es bildet eine Art zentralen Treffpunkt, von dem man irgendwie immer ausgeht und wieder hinkommt.

Bedanken muß man sich bei dem Veranstalter für die schöne Dekoration, die ganz romantisch ausgelegt, mit roten Herzen an allen Ecken, eine verliebte Grundstimmung schaffen. Aber auch die Geschäfte wurden für diese vier Tage neu dekoriert.

Am Donnerstag Abend geht dann das verschmuste Wochenende offiziell los mit einer Eröffnungsfeier um 17.00 Uhr, oder anders ausgedrückt, bei Einbruch der Dunkelheit. Passend, nachdem man vorher die Möglichkeit der Walking Tour in Love genossen hat. Für jemanden, der das erste Mal in Verona ist, eine gute Gelegenheit die romantischen Plätze Veronas von einem Profi gezeigt zu bekommen. Nebenbei ist im Preis der Führung auch der Eintritt der Torre dei Lamberti, die Türme von denen man das rote Herz aus Marktständen aus der besten Perspektive sieht, nämlich von oben.

Wenn man die Unterkunft nur mit Frühstück gebucht hat, hat an diesen Tagen seine Vorteile: Denn in Verona gibt es die Möglichkeit ein spezielles Liebesmenü (due cuori a tavola) zu bestellen und zwar in den teilnehmenden Ristoranti in Love. Ich ziehe es allerdings immer vor, mich an den Ständen der Piazza dei Signori durchzukosten und zwischendurch muß ich dann ohnehin den sinkenden Zuckerspiegel an der Piazza Bra bekämpfen, denn hier sind die Dolcemente in Love: Hausgemachte Patisserie, die jede Naschkatze (-kater) schnurren läßt – mit einem oder zwei Espressi als Abrundung, ein Pflichtprogramm zwischen den anderen Vergnügungen.

Am ersten Tag (vormittags) sollte man sich auch unbedingt das Sigillo d’Amore holen: eine Besiegelung der Liebe zu seinem Partner in Form einer Papierrolle. Die Namen werden geschrieben in gotischer Schrift und die Rolle wird mit einem Wachssiegel versehen. Die Kosten von €3.- kommen einem guten Zweck zu Gute, heuer war es das Projekt Roberto. Ein Geschenk, daß nicht nur dem geliebten Partner eine Freude bereitet, sondern eben auch Sinn macht.

Der Höhepunkt ist natürlich der Valentinstag selbst. Während man tagsüber zwischen Artisten und Konzerten hin und hergerissen ist, kann man auch bei freiem Eintritt das Haus Julias besichtigen und unbedingt sollte man dabei die rechte Brust der Bronzestatue in Gestalt Julias anfassen – das Glück in der Liebe sei einem dann sicher (die Gebrauchsspuren lassen auf eine bessere Welt hoffen).

Bei Einbruch der Dunkelheit sollte man sich wieder an der Piazza dei Signori einfinden, denn jetzt beginnt das Dauerküssen. Um Punkt 18.00 Uhr wird für (mind) eine Minute geküßt, inmitten des Cuore da Scoprire. Einige scheinen dabei 10 Minuten für eine Minute zu halten. Es herrscht dabei tatsächlich eine Atmosphäre, die einem die Gänsehaut aufsteigen und schlechte Energie, Alltagsprobleme und sonstige Streitigkeiten daneben wertlos erscheinen läßt.

Unterbrochen wird das Dauerküssen im Cuore di Baci (Herz der Küsse) nur durch die Soffi d’Amore: lauter rote Herzen fallen vom Himmel, ein Begeisterungssturm wird dabei ausgelöst, man möchte meinen, das es ein weltbewegendes Ereignis ist. Aber das ist Italien: Ein Land der Liebe, ein Land der Emotionen.

Am Samstag Abend gab es dann noch ein Gustostückerl für Liebhaber der Klassik: Opera in Love mit Romeo e Giulietta.

Verona in Love ist ein empfehlenswertes Wochenende für Verliebte und für Alle, die ein Stück Kulturgeschichte mitgestalten wollen. Denn es soll ein aktives Fest sein, bei dem die Besucher die Darsteller sind.

Habe ich Euch einen Appetit auf dieses Fest gemacht? Fahrt hin – erlebt es – Ihr werdet sehen

Cari saluti, Giovanni

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Il Bicerin

Eine Kaffeespezialität aus Turin

Dieser Beitrag ist einem Aufruf vom Knusperstübchen gewidmet, uns um die Welt zu bloggen. Natürlich übernehme ich dabei gerne mit meinem Beitrag einen italienischen Teil. Und als Espressoliebhaber kommt natürlich eine Kreation auf Basis der geliebten, gerösteten Bohnen.

Wir befinden uns heute in Turin, der Hauptstadt des Piemont und einer Stadt mit vielen Köstlichkeiten, vor Allem schokoladigen Köstlichkeiten. Manche haben es schon gehört, Italienliebhabern ist es ohnehin bekannt: Italien ist nicht nur das Land des Kaffees, sondern auch der Schokolade; und ein Zentrum der Schokolade ist Turin. Großartige Schokoladekreationen haben hier ihren Ursprung, viele bedeutende Schokoladenhersteller haben hier ihren Sitz: Caffarel, Guido Gobino, Peyrano und auch Stratta1836 um ein paar zu nennen. Bei ihnen kann man auch die  Giandujotti bestellen, die in Turin eigentlich zu einem gepflegten Espresso gehören. Giandujotti sind kleine Nougatpralinen (Gianduia=Nougat), die in den Mund genommen, zwischen Gaumen und Zunge erwärmt, zart schmelzen und danach mit einem Schluck Ristretto (15ml Espresso) nachgespült werden. Wer das einmal probiert hat, weiß warum im Piemont so viele Haselnußbäume stehen.

Übertroffen kann diese Köstlichkeit mit einer anderen Variante werden, die ebenso aus dem Paradies der Schokolade entstammt-mit dem Bicerin.

Eine Kaffeevariante, die ich vorzugsweise im Winter gerne bereite und vor Allem dann, wenn der weibliche Part Giovannis ein unstillbares Schokoladenbedürfnis hat.

Es handelt sich um eine anerkannte piemontesische Spezialität (verzeichnet im Bollettino Ufficiale della Regione Piemonte) und setzt sich im Wesentlichen aus nur drei Zutaten zusammen: Espresso, Schokolade, Sahne.

BicerinErstmals erwähnt wurde der Bicerin im Text von Alberto Viriglio, Torino e i Torinesi und wurde erfunden vom Caffè al Bicerin gelegen an der Piazza della Consolata. Etwas abseits von den „Trampelpfaden“, dennoch leicht zu finden, sollte man sich nicht wundern, wenn man zu gewissen Stunden nicht leicht einen Platz findet um den Bicerin zu genießen. Ein Besuch dieses Lokals ist jedenfalls zu empfehlen; einen Eindruck von diesem Lokal bekommt man im Video am Anfang dieses Artikels. Übrigens sind die Hüter des Rezeptes ausschließlich weiblich, währenddessen die Kunden auch oft männlich sind.

Das Wort „Bicerin“ kommt von Bavareisa-hierbei wurden die Zutaten separat in Bicchieri (größeren Gefäßen) gebracht und dann erst zusammengemischt: Also Kaffee, flüssige Schokolade, Milch und gesüßt mit Sirup.

Später wurde aus den Bichieri der Bicchierino (daraus enstand „Bicerin“), ein kleineres Glas, in dem die Zutaten bereits gemischt waren.

Nachdem das Originalrezept bestens von den Damen des Caffè Bicerin gehütet wird, kann ich Euch nur meine Variante präsentieren, die aber dem Original schon sehr nahe kommt.

Das Wesentliche an dieser Köstlichkeit ist, daß alle drei Zutaten separat ins Bicerin (Glas) gegossen werden und getrennt bleiben, also keinesfalls umrühren!

Diese Rezept ist für eine Portion gedacht und muß dann dementsprechend angepaßt werden.

Als Erstes wird Sahne halbsteif geschlagen, ca 100 ml fülle ich dann in ein separates Gefäß, den Rest aus einer kleinen Packung schlage ich dann steif-der wird meist noch separat gebraucht oder hält sich gut zugedeckt im Kühlschrank.

Als nächsten Schritt sollte man sich der Flüssigschokolade widmen. Jeder hat eine eigene Kreation diese zuzubereiten und ich will gar nicht sagen, daß irgendeine Version die optimale ist. Ich bin ein Fan der dunklen Schokolade guter Qualität. Je besser die Qualität der verarbeiteten Kakaobohnen, desto besser wird der Bicerin, desto fröhlicher sind dann die Gäste, desto mehr Arbeit hat dann der Barista in Folge-vielleicht sollte man bei Schleckermäulchen also schon vorher die dementsprechende Menge der Zutaten einplanen.

Für die Flüssigschokolade nehme ich ca 100ml Vollmilch und ca 30g Schokolade. Die Milch wird erwärmt und die Schokolade aufgelöst. Nachdem die Konsistenz der Flüssigschokolade stark von der Schokolade und deren Kakaoanteil abhängig ist, muß man es immer ein wenig anpassen: Sie sollte eine trinkbare Cremigkeit haben und sich natürlich vollkommen auflösen. Ich bevorzuge auch eine etwas dickere, festere Konsistenz, dann geht die Schokolade nicht so leicht eine Verbindung mit dem Espresso ein.

Jetzt bereite ich einen doppelten Espresso, am Besten aus einer Siebträgermaschine, weil die Crema, die dabei entsteht, sehr gut als Trennboden zur Flüssigschokolade geeignet ist. Wenn Ihr stattdessen eine Bialetti verwendet, dann funktioniert es genauso. Ich verwende beide Zubereitungsmethoden.

Den Espresso (ca 50ml) lasse ich bereits ins Bicerin fließen, die flüssige Schokolade, ungefähr die gleiche Menge, langsam draufrinnen lassen, sodaß die Crema nicht durchstoßen wird. Am Schluß die halbsteife Sahne langsam drüberstreichen. Jetzt sollte man es geschafft haben, daß drei getrennte Schichten entstanden sind. Als Dekoration gebe ich dann noch einen oder zwei Löffel steifgeschlagene Sahne drauf. Obwohl es normalerweise so nicht serviert wird, wird es immerwieder so gewünscht.

Natürlich stellt sich die Frage, ob man einen Bicerin süßen sollte. Ich bin ein absoluter Gegner einen hochwertigen Espresso und erst recht eine hochwertige Schokolade zu süßen, denn Zucker wirkt immer geschmacksverändernd und die einzelnen Komponenten können nicht mehr als solche erkannt werden. Wenn dennoch eine süßere Variante gewünscht ist, dann kann man überlegen, die Sahne zu süßen.

Nachdem die Sahne kalt ist, sollte der Bicerin sofort serviert und getrunken werden.

Jetzt offenbart sich für den Genießer, warum dieses Getränk in drei Schichten serviert werden sollte:  Das Erlebnis beginnt mit der Sahne, die durch die Schokolade eine Betonung erfährt und der Espresso kommt als Abschluß, sozusagen als Krönung nach dem Dessert.

Wenn man die separaten Schichten nicht hinbekommt, dann ist es auch nicht schlimm, eine Köstlichkeit der besonderen Art bleibt es immer; für die Strebsamen unter uns, habe ich in diesem Video eine andere Möglichkeit die drei Schichten zu erzeugen, gefunden.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen!

Tanti cari saluti, Giovanni

Gran Teatro La Fenice di Venezia

Concerto di Capodanno 2014 und die Krönung eines der aufwendigsten Restaurationen

Ich will das Neujahrskonzert in einem der wichtigsten Opernhäuser in Europa zum Anlaß nehmen und mich ein wenig mit dieser akustischen Meisterleistung in Gestalt eines Hauses beschäftigen.

Jeder Fan der klassischen Musik kommt sofort ins Schwärmen, wenn er den klangvollen Namen „La Fenice“ hört, doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet, was der tiefere Sinn dieses Namens ist.

Denn das Teatro La Fenice entstand ursprünglich aus einem Schicksalschlag heraus, der sich in der Geschichte wiederholen sollte und es immer wieder neu entstehen ließ – wie Phönix aus der Asche.

Im 16. Jhd war Venedig schon ein Zentrum der Musik und nahm eine bedeutende Stellung ein, wenn es um Innovationen in der klassischen Musik ging.

Im 17 Jhd wurde die Oper in Venedig modern und viele Opernhäuser wurden errichtet, deren Bedeutung durch zahlreicher Uraufführungen weiter zunahm. Zeitweise gab es in Venedig an die 20 Opernhäuser, die zu einem Hauptanziehungspunkt für Sänger und Komponisten wurden.

Venedig war auch die Stadt, in der es das erste öffentliche Opernhaus überhaupt gab und somit einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichte die Musik zu genießen.

Das schönste und größte Theater war das Teatro San Benedetto, das neben anderen Opernhäusern auch der angesehenen Familie Grimani gehörte. Insgesamt steht in Venedig die Familie Grimani für Kunst und Kultur, bedeutende Sammlungen sind dieser Familie zu verdanken.

Aber das Teatro San Benedetto, das 1755 erbaut wurde, brannte im Jahre 1774 vollkommen nieder und löste einen Streit zwischen der Familie Grimani und der Betreibergesellschaft aus, weil man sich nicht über den Wiederaufbau einigen konnte.

Und wie so oft in der Geschichte löst der Schicksalsschlag auf der einen Seite eine positive Wendung auf der anderen Seite aus und das Gran Teatro La Fenice entstand – größer und schöner als das San Benedetto, ausgestattet mit einem bekannten Namen aus der griechischen Mythologie: Phönix (La Fenice), der verbrennt und aus der Asche wieder neu entsteht und in neuem Glanz erstrahlt.

Der Bau wurde vom Architekten Gian Antonio Selva, einem Vertreter des venezianischen Klassizismus, geplant und in den Jahren 1790-1792 fertiggestellt und zählt sicher zu seinen Meisterstücken.

Die grandiose Akustik führte schnell dazu, daß es zum bedeutendsten Zentrum der Musik wurde und Uraufführungen zuerst im La Fenice stattfanden. Giuseppe Verdi liebte diese Bühne und führte gleich mehrere Opern urauf. Obwohl das Gran Teatro La Fenice in Konkurrenz zur Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel stand, konnte es seine Stellung als außergewöhnliches Haus festigen.

Aber Phönix kam nicht zur Ruhe und ein neuerlicher Brand 1836 zerstörte das Haus nochmals, aber schon nach einem Jahr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es schien so, als ob Phönix immer wieder aus der Asche hervorkam und sich neu präsentierte, nichts konnte diesem Theater anhaben. Auch litt der Ruf nicht darunter, obwohl es während der Sanierung geschlossen war. Weiterhin war es das Zentrum musikalischen Schaffens und wurde weiter gefestigt durch die italienische Uraufführung der Tetralogie der Ring der Nibelungen von Richard Wagner.

Auch die grundlegende Sanierung 1937 durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi, der als Vertreter des italienischen Rationalismus die Rückendeckung Mussolinis genoß, konnte dieser Ausstrahlung nicht schaden.

Auch nicht die Zeit der beiden Weltkriege, in der das Teatro geschlossen blieb, konnte verhindern, daß es nach Ende des Krieges wiederrum ein Lieblingshaus für Komponisten wurde. Es blieb dabei: La Fenice ist am Besten geeignet für die Uraufführung und so wählten auch Prokofiew, Strawinski, Bussotti und viele andere diese Akkustik um ihre Werke bestens in Szene zu setzen.

Doch nochmals schlug die Katastrophe zu: am Montag dem 29. Jänner 1996

Brandstiftung schien das Ende zu sein. Eine Verzweiflungstat des Elektroingenieurs Enrico Carella, der eine Konventionalstrafe fürchten mußte, wegen Verzugs der gerade laufenden Sanierungsarbeiten, führte zum totalen Untergang.

Lange Zeit war fraglich, ob man dieses Haus wiederherstellen und diese einzigartige Akustik wieder erreichen könne.

Aldo Rossi legte einen Vorschlag vor und gewann 1997 die Ausschreibung. Er hielt sich an alte Baupläne, suchte Fotos und Filmdokumente und bemühte sich originalgetreu dieses Meisterstück zu rekonstruieren ohne aber auf moderne Möglichkeiten zu vergessen um alte Überlegungen zusätzlich einfließen zu lassen.

Aldo Rossi, der 1997 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war es leider nicht vergönnt bei den Bauarbeiten dabei zu sein. Die Fertigstellung erfolgte durch Mitarbeiter seines Büros.

Am 14. Dezember 2003 konnte die erste Aufführung stattfinden, vorerst durch ein Konzert dirigiert durch Riccardo Muti. Ein 10 jähriges Jubiläum der Wiedereröffnung wurde letzten Jahres gefeiert.

Erst circa ein Jahr später am 12. Novemer 2004 konnte die erste Oper seit Langem wieder auf der Bühne gespielt werden und zwar mit der besten Bühnentechnik der Welt und der schönsten Oper von Verdi: „La Traviata“.

Ein unschätzbares Kulturgut schien für immer verloren.

Jedoch wurden keine Mühen und Kosten gescheut um dieses Haus wiederaufzubauen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ganz so, als ob nie etwas passiert wäre, ganz im Gegenteil: Altes konnte wiederhergestellt werden und Modernes konnte unauffällig verbessern.

Die Akustik ist vollkommen wiederhergestellt, die Atmosphäre ist geblieben.

Ganz so wie Phönix, der aus der Asche emporstieg und heute noch das Wappen des Hauses bildet.

Ich kann nur jedem Venedigreisenden empfehlen dieses Meisterwerk an Architektur zu besuchen und diese einzigartige Akustik zu genießen: Ein Stück Geschichte mit einem Stück Klassik zu verbinden und nebenbei diese wunderbare Stimmung Venedigs zu spüren. Ein wunderbares Haus, das zu jeder Jahreszeit einlädt einen ganz besonderen Aufenthalt in einer der reizvollsten Städte zu verbringen.

Tantissimi auguri di buon capodanno, Giovanni

Am Schluß möchte ich Euch einladen einen Ausschnitt vom Neujahrskonzert 2014 zu genießen aus Pietro Mascagni´s Intermezzo da Cavalleria Rusticana

Dirigent Diego Matheuz: eine unglaubliche Persönlichkeit, die seit 2011 Chefdirigent am Teatro La Fenice ist.

Die Hexe Befana

Weihnachten in Italien

Dieser Artikel ist dem Adventkalender der lieben und gar nicht giftigen Blonden gewidmet und ich möchte ihn als wissenswerte Weinachtsgeschichte schreiben, vielleicht ist sie ja auch einmal als Gute Nacht-Geschichte für Kinder geeignet, um Weihnachten einmal anders zu erzählen.

Die Geschichte ist einzigartig und könnte nicht besser erfunden werden und deswegen versuche ich sie so gut wie möglich zu erzählen, denn die Befana war einmal wichtiger als das Christkind.

Einst bekamen nämlich die Kinder erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner die Geschenke und zwar von der alten Hexe Befana (der Name kommt von Epiphanie) – heute bekommen sie zweimal Geschenke: Einmal vom Christkind und einmal von der Befana, der freundlichen Hexe und das ist die Geschichte dazu:

Es war einmal eine alte Dame, die hatte ein nettes Häuschen, das sie immer hegte und fegte.

Tag ein, Tag aus kehrte sie mit ihrem Besen das Haus und fegte und fegte. Es war ein tägliches Ritual, das sie keinesfalls aufgeben wollte, zu wichtig war die Pflege ihres kleinen Häuschens.

Sie stand in der Früh auf und putzte und putzte, akribisch ging sie dieser Arbeit nach, jeder Tag begann gleich und sie ließ kein Eckerl ungefegt, kein Eckerl unbegutachtet.

Sie fegte und fegte bis sie Abends totmüde ins Bett fiel.

Jeder Tag begann gleich und endete mit einem gut gefegten Häuschen in einem kleinen Ort, der auf dem Weg nach Bethlehem lag und so kam es, daß

eines Tages drei Männer an ihre Tür klopften:

Die alte Dame, wiederrum mit der Pflege ihres kleinen Häuschen beschäftigt, richtete ihre Haare zurecht, band ihre Schürze neu, legte den Besen weg und öffnete die Tür und schaute vollkommen entnervt raus, denn sie mußte die Arbeit unterbrechen, die ihr alles bedeutete.

Vor der Tür standen Männer mit edlen Gewändern, Stoffen aus Gold-  und Silberfäden, die Mäntel waren von solcher Schönheit, daß man sofort erkannte, daß sie nicht aus der Gegend entstammten, sondern von weit her gereist waren. Sie mußten aus einem Land kommen, in dem es Gold, Silber und Edelsteine gab.

In der Hand hielten sie ihre wertvollen Geschenke, die für ein Kind bestimmt waren.

Die alte Dame allerdings ließ sich von diesem Schein nicht beeindrucken und fragte sich nur: Was ist so wichtig, daß mich jemand bei meiner Arbeit stört.

Die drei Edelmänner erzählten die frohe Botschaft, daß der Stern von Bethlehem sie zur Krippe führe, in der Jesus Christus geboren worden ist und sie müßten unbedingt dorthin gelangen, denn sie hätten Geschenke für dieses Kind mitgebracht.

Die alte Dame, die sich in ihrer Lieblingsbeschäftigung gestört fühlte, hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf und dachte sich dabei, wie man sich bloß mit solchen Dingen beschäftigen könne.

Die drei Männer fragten sie, ob sie denn mitkommen wolle, und sie verneinte, schloß die Tür und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Doch nach einiger Zeit bereute sie es, daß sie nicht mitging um sich dieses Spektakel anzusehen. Sie beendete ihre Arbeit mit der gewohnten Gründlichkeit, packte ein paar Süßigkeiten als Geschenke ein und marschierte los.

Sie mußte ja nur diesem Stern folgen, um zu dieser Stelle zu kommen.

Aber es war schon viel zu spät und der Stern erloschen und so irrte sie herum und verteilte die Geschenke an alle Kinder, die sie traf, in der Hoffnung dem Jesuskind zu begegnen.

Und so kommt es, daß die Hexe Befana heute noch sucht und von Schornstein zu Schornstein fliegt um die Socken und Stiefel der Kinder mit Süßigkeiten und Geschenken zu füllen, denn sie könnte ja einmal das Christkind finden.

Die weniger braven Kinder allerdings bekommen keine Süßigkeiten, sondern Kohle!

Aber die „schlimmen“ Kinder wissen, daß diese Kohle (carbone dolce) genausogut ist, denn sie ist heute aus einer schwarze Zuckermasse, die zwar aussieht wie Kohle, aber herrlich schmeckt.

Aus der ursprünglichen Hexe, die alt und hässlich ist und sogar als Schimpfwort in der italienische Sprache einen Platz gefunden hat (una befana=hässliche Alte), entwickelte sich eine gute Hexe, die den Kindern immer die Geschenke bringt und heute noch immer die Grundlage für ein Fest für Kinder und Familie bildet.

Auch in der Politik fand die Befana ihren Platz: So wurde im Faschismus die Befana fascista erfunden, die Geschenke an arme Kinder verteilte und so den gutmütigen Charakter weiter unterstrich.

Ein schöner Brauch, der einen krönenden Abschluß der Weihnachtsfeiertage bildet und das Christkind lange Zeit in den Schatten stellte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch

Buon natale, Giovanni

Fieracavalli 2013

Eine außergewöhnliche Messe für Pferdeliebhaber

Liebhaber des Reitsports oder einfach nur Pferdeliebhaber hatten vorige Woche wieder einen guten Grund ein paar Tage Urlaub zu nehmen: die Fieracavalli 2013 fand wieder in Verona statt und für sehr viele Fans waren vom 7.-10. November die Messehallen ihr zuhause.

Was für Pferdeliebhaber bekannt sein dürfte und gerne besucht wird, möchte ich auch anderen Interessierten nahe legen, denn die Fieracavalli ist nicht nur eine Messe, sondern vielmehr ein großes Treffen, das Spaß macht und Pferde zum „anfassen“ bietet.

Was ursprünglich im Jahre 1898 als einfache Pferdemesse begann, hat nach 115 Jahren eine gewaltige Dimension angenommen. Die Leidenschaft für Pferde ist an jeder Ecke zu spüren und läßt einen vergessen auf einer Messe zu sein, stattdessen kommt  das Gefühl auf, man befinde sich im Reitstall eines Freundes und man feiere eben ein wenig mit anderen Freunden. Das kulinarische Angebot zeugt dann vom guten Geschmack des Gastgebers.

Hunderttausende Besucher zieht dieses Fest der Pferde jedes Jahr an und bewundern ca 2500 Pferde und können sich bei mehr als 600 Ausstellern über Neuigkeiten informieren. Langeweile ist also sicher nicht das Problem dieser Tage, stattdessen verfliegt die Zeit.

Bei all dem Interesse, daß jeder mitbringt, sollte man aber dem Genuß den Vortritt lassen, denn erst mit der nötigen Ruhe kann man diese wunderbare Welt so erleben wie es angemessen ist.

In den Hallen werden nach Themen geordnet, Pferderassen, Pflege und Kleidung gezeigt und dabei bleibt keine Frage unbeantwortet und kein Wunsch unerfüllt.

Die Fieracavalli ist aber vor Allem durch ihre Veranstaltungen interessant: So findet der Worldcup im Springreiten statt und unterstreicht den sportlichen Character der Messe.

Am Abend gibt es den eleganten Teil mit der Gala d‘ Oro Opera, die unter der bewährten Regie von Antonio Giarola jedesmal für Begeisterung und Gänsehaut sorgt. Licht, Musik und Choreografie bildet eine großartige Oper, in der Phantasie und Wirklichkeit verschwimmt und eine großartige Traumwelt vor den Augen des Besuchers erscheinen läßt. Gala d‘ Oro Opera stand heuer ganz im Zeichen des 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi und Richard Wagner und ein weiteres Jubiläum wurde gleich mitgefeiert: Das 100 jährige Jubiläum der Arena di Verona, die seit 1913 wieder regelmäßig für Opern zur Verfügung steht und durch ihre ausgezeichente Akkustik jeden Musikliebhaber den Puls höher schlagen läßt. Bezeichnenderweise wurde diese Arena, die etwa im Jahre 30 nChr errichtet wurde, 1913 mit Aida von Giuseppe Verdi wiedereröffnet. Geschichtsträchtiger Hintergrund, der mit dieser Gala sehr gut dargestellt wurde.

Für die Anhänger des Westernreitens bieten die Westernshows eine geeignete Möglichkeit ihren Interessen nachzugehen und sind auch für die ganze Familie ein Spaß.  Darbietungen der Country-Western Tanzschulen und der Saloon mit der Countrymusik läßt das nötige Flair aufkommen.

Das Kinderdorf (villagio del bambino) sorgt dann endgültig für die Unterhaltung der Kleinen und wurde heuer um einige Attraktionen erweitert.

Eine ganz besondere Messe, die zum Eintrittspreis von €23.- sehr viel zu bieten hat. Die Galavorstellungen und die Turniere kosten zwar extra, sorgen aber dafür auch für eine Extragänsehaut.

Cari Saluti, Giovanni

Die Barcolana – Regatta oder gesellschaftliches Ereignis

Das größte Ereignis für Segelfreunde in der Adria

Nachdem uns jetzt bald der Winter im Griff hat und ich mit Freunden in letzter Zeit über das eine oder andere Erlebnis gesprochen habe, möchte ich eines aus dem Herbst herausnehmen, um das sommerliche Gefühl kurz wieder aufkommen zu lassen.

Immer am 2. Sonntag im Oktober findet ein Event für Segelfreunde statt, das eigentlich nicht versäumt werden sollte. Jeder Skipper, jeder Freund der Winde und der Wellen oder auch nur maritim Interessierte kann ich dieses Zusammentreffen Gleichgesinnter empfehlen: Die Barcolana

Eine Woche vor dem großen Sonntag steht ganz Triest im Zeichen der Coppa d’Autunno (Herbstpokals). Segelbegeisterung überall wohin man sehen kann. Dabei hat man das Gefühl, daß alle plötzlich segeln oder zumindest so tun als ob. Falls man mit der eigenen Yacht kommt, sollte man schon rechtzeitig anlegen, denn sonst werden Liegeplätze rar, nein sie existieren einfach nicht.

Der ganze Golf von Triest wird zu einem Inselmeer, bestehend aus hunderten Yachten, deren Mannschaften vor lauter Begeisterung tagelang nicht schlafen können und nur ein Thema haben: Segeln.

Fragen wie man auf gewisse Situationen am Besten reagieren könnte und wie die Manöver besser gestaltet werden können, sind nicht nur an der Tagesordnung, sondern bestimmen auch die Nachtordnung.

Man hat das Gefühl, als bestünde das Meer aus schwimmenden Lokalen, die als Dekoration einen Mast mit der gesamten Takelage aufgestellt haben. Es ist ein Fest zu Land und zu Wasser.

Und diese Begeisterung kann man natürlich nirgendwo besser ausleben als in Italien und erst recht in Triest. Schon am Ortsanfang steht: Trieste, città della Barcolana. Viele haben sich bis jetzt vielleicht gefragt, was denn das bedeuten solle und kommen jetzt in den Genuß, das größte Segelevent zu erleben, das die Adria zu bieten hat und schon längst identitätsbestimmend für diese wunderbare Stadt ist.

Die Route lauft wie jedes Jahr zwischen Barcola und dem Schloß Miramar. Keine besonders lange Fahrtstrecke, die für Zuseher sehr gut gewählt ist, denn sie ist entlang des Küstenstreifens sehr gut einsehbar und stimmungsgeladen, allerdings für die Skipper ein echtes Problem.

Denn an dieser Regatta nehmen Profis und Amateure gleichermaßen teil und dann ist schnell Schluß mit der Freiheit am Meer. Wenn so wie in den letzten Jahren ca 2000 Schiffe teilnehmen und plötzlich an der Wendemarke die Richtung wechseln (wollen), dann sieht man leider auch oft unverblümt, wer in den letzten Tagen nur vom Segeln redete oder es auch kann.

„Ich bin kein Freund einer Regatta“ sagte ich damals „mir tun die Schiffe immer leid“, daraufhin, wie bestellt, kam sofort das Kontra mit schallendem Gelächter: „Das ist ja keine Regatta, das ist ja nur eine Spazierfahrt!“ Aber leider nicht minder gefährlich: Wenn Anfänger plötzlich 36 Fuß wenden wollen und ein anderer in voller Fahrt daherkommt, sind Konflikte vorprogrammiert und die Yacht sollte einem nicht schade sein – mit kleinen Remplern sollte man locker umgehen können, große muß man geschickt selbst verhindern.

Jeder ist sich selbst der Nächste und man kann nicht erwarten, daß die gegnerische Yacht über einen Skipper verfügt, der die nötigen Seemeilen an Erfahrung hat, daß er der Regatta gewachsen ist. Es ist wie im Straßenverkehr: Rechne mit den Fehlern des Anderen.

Nichtsdestotrotz kann ich jedem Segler dieses Erlebnis ans Herz legen: Die Erfahrenen werden sie schon gesegelt sein und für die Anderen, die gerne einmal an einer Regatta teilnehmen wollen, ist es eine gute Möglichkeit etwas zu schnuppern und Teil einer Begeisterung zu sein, die einem nicht mehr losläßt.

Allerdings muß ich gleichzeitig betonen, daß man am Ufer wahrscheinlich noch viel mehr Spaß hat. Menschenschlangen, lautstarkes gestikulieren, mitfiebern mit Freunden, dazwischen einen gepflegten Espresso – Lebensqualität, die keine Wünsche offen läßt.

Ob man die Barcolana selbst erfährt oder nur ein Teil des Festes am Land ist, ist in diesem Fall jedem selbst überlassen und vollkommen gleichwertig. Den großen Vorteil den aber Segler genießen, sind die nächtelangen Feste auf der Yacht, die durch die Wettkampfstimmung schon einige Tage vorher viel Diskussionsstoff bieten.

An Land locken viele Hotels mit speziellen Angeboten in dieser Woche, die ein Übernachten interessant machen. Viele Feste, Konzerte, Ausstellungen und vor Allem die Segelmesse, die über Neuigkeiten des Segelsports informieren, bieten ein ausgezeichnetes Rahmenprogramm. Eigens aufgestellte Pavillons lassen auch den erwarteten kulinarschen Hochgenuß nicht vermissen.

Ein echtes Highlight, vor Allem für Oldtimerliebhaber, ist die Barcolana Classic: Historische Schiffe, oftmals von beträchtlichem Wert, messen sich in einer Regatta, die den Zuseher schnell in eine andere Zeit versetzen. Klassisches Segeln, wie es unsere Vorfahren noch perfekt beherrschten, läßt auch meinen Puls immerwieder höher schlagen.

Wie auch immer man an diesem Treffen der Yachten teilnehmen möchte, man sollte sich Zeit nehmen. Ich kann jedem nur empfehlen rechtzeitig zu buchen und die gesamte Woche vor der Barcolana zu genießen – es gehört einfach dazu.

Cari Saluti, Giovanni

Ferragosto! Ferragosto?!

Eine wichtige Institution gerät in die Krise

Ferragosto – Ein Begriff, den Viele lange Zeit gar nicht verstanden haben, was er bedeutet.

Es fiel nur auf, daß im August am Strand sehr viel los war und vor Allem sehr viele Italiener zeigten, wie man es sich am Strand mit seiner Familie gemütlich macht und am Besten sich lautstark und mit viel musica italiana unterhielt.

Es war ein Fest, ein Treffen, eine ungezwungene Spielerei – heute würde man dazu sagen: Es war DAS Event: Ferragosto.

Das ganze Jahr über freute man sich, daß um den 15. August der Urlaub war und nicht selten wurde es ganz besonders zelebriert. Verwandtschaft aus dem Süden kam und traf sich in der Mitte des Stiefels mit seinen Liebsten aus dem Norden; oder Freunde, die sich aus vergangenen Jahren kannten, machten sich Treffpunkte aus, um gemeinsam den Urlaub zu verbringen.

Ferragosto, die Ferien im August, war ein Pflilchttermin und zwar für Alle.

Eine Institution, die sich fest etablierte und schon auf das restliche Europa überzugreifen begann; Eine feste Gegebenheit, die vielerlei Vorteile, aber natürlich auch ihre Nachteile hat.

Während sich Gesamtitalien organisierte und den Urlaub um den heißesten Tag des Jahres plante, konnte in Fabriken alles vorbereitet werden, um Maschinen in den leerstehenden Hallen zu servieren.

Ferragosto wurde gerne genutzt, um Dinge zu erledigen, die sonst das Personal blockieren würde.

Außerdem war ein großer Vorteil, daß Urlaube nicht abgesprochen werden mußten, um eventuell Produktionsabläufe aufrechtzuerhalten. Auch schwach besetzte Büros in den Sommermonaten waren unbekannt.

Es wurde einfach die heißeste Zeit im Jahr dafür genutzt, um Urlaub zu machen. Büros, Ämter, Fabriken, … wurden komplett geschlossen und die durch die Hitze und Fehlen des Personals bedingte schwache Produktivität wurde somit umgangen. Ferragosto, eine Erfindung, die auf Kaiser Augustus 29 v Chr zurückgeht, der seinen Sieg über Marcus Antonius und Kleopatra über 3 Tage feierte; und wenn man Ferragosto früher miterleben durfte, schien es, als ob sie seit damals nie aufgehört hätten zu feiern.

Die Ferien im August verbrachte man am Meer, Nächte wurden zum Tag, Tage blieben Tage – es wurde einfach durchgefeiert mit allem was dazugehört: Feste, Feuerwerk, Musik

Urlaub in Italien, wie er nicht schöner sein könnte.

Die Kehrseite war natürlich, daß Geschäfte, Tankstellen, Werkstätten, Ämter etc geschlossen waren und quasi nur ein Notbetrieb aufrecht war und den wollte niemand gerne in Anspruch nehmen. Man kann sich vorstellen, daß die Wenigsten genau in dieser Zeit gerne arbeiteten.

Doch was ist jetzt los?

Seit Jahren bemerke ich schon, daß immer mehr Geschäfte nicht mehr schließen, um den „geschichtlich angeordneten“ Urlaub anzutreten – die neue Devise lautet: Aperto ad Agosto

Urlaub ist nicht drinnen, stattdessen wird bewußt geöffnet um Kunden zu bedienen. Telefonate und mails mit Freunden enden oft mit: Leider muß ich im August arbeiten.

Italien, das Land der Freude und der Ausgelassenheit, hat momentan andere Sorgen, als einen Uralub zu organisieren.

Die Krise zwingt die Menschen in den Städten zu bleiben.

Nanni Moretti beschreibt in seinem Film „Caro Diario“ (Liebes Tagebuch) im 1. Teil „auf der Vespa“, wie menschenleer Rom im August ist, wenn er mit seiner Vespa fahrend auf Entdeckungstour geht. Er ärgert sich, daß Kinos geschlossen sind und ganze Stadtviertel einfach ausgestorben sind.

Ein Stück Kulturgeschichte verschwindet zunehmend.

Städte sind nicht mehr menschenleer, stattdessen erfreuen sich öffentliche Schwimmbäder neuer Beliebtheit, weil sich nur mehr die Wenigsten überhaupt die Fahrt zum Meer leisten können oder überhaupt über die Feiertage öffen haben um die Touristen zu bedienen. Aber wer sind die Touristen, wer kann sich den teuersten Urlaub um den 15. August noch leisten? Während Italiener früher oft den gesamten August den Strand bewohnten, so sind es heute Menschen aus dem asiatischen Raum, die mit dem Begriff des „dolce far niente“ (dem süßen Nichtstun) nicht viel anfangen können, sondern in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erledigen wollen.

Viel mehr sehe ich Listen in den Bars, wann welche Schiffe anlegen und wieder ablegen, oder welche Reisegruppen angemeldet sind. Eine Tourismusmaschine, die ich so nicht bevorzuge und ich deshalb sehr schnell das Weite ins Hinterland suche. Gestreßte Bedienung ohne Gespräche, und nicht, so wie ich es gewohnt war, einen gemütlichen Espresso genießend ein Gespräch oder Diskussion mit den Einheimischen.

Weder Italiener noch andere Europäer verbringen ihre Zeit am Strand und fröhnen dem Badespaß, der uns doch soviel bedeutet hat.

Eine langandauernde Traditon scheint zunehmend zu verschwinden für eine höhere Produktivität auf Kosten der Menschlichkeit.  Italiens Unternehmer warnen bereits vor sozialen Revolten, wenn es keine Zukunftsaussichten gibt.

Die Herkunft der Touristen zeigt aber, daß die Probleme nicht auf Italien beschränkt sind, sondern eben ein Gesamteuropäisches ist.

Viele Unternehmer kämpfen in Italien ums Überleben und niemand hat richtig Freude daran, sich einen Urlaub am Meer zu gönnen, abgesehen von den mangelnden finanziellen Möglichkeiten Vieler.

Die Regierung Letta versucht vom Sparkurs abzuweichen und möchte Investitionen locker machen, um Arbeitsplätze zu schaffen, doch bis das Geld in der Volkswirtschaft im Umlauf ist, wird es noch einige Gezeiten benötigen.

Bis dahin werden alle froh sein, daß diejenigen den Strand besichtigen und die Kaffees fotografieren, die noch Geld haben; Europäer sind es jedenfalls großteils nicht und Nanni Moretti hätte heute die größte Freude, wenn er mit seiner Vespa durch Rom fahrt und wenigstens Menschen sehen könnte – denn seine Kinos haben schon längst für immer geschlossen.

Ferragosto wird hoffentlich nicht vollkommen in die Phantasie verschwinden, so wie es Cammariere am Anfang singt.

Cari Saluti, Giovanni