Auguri di Buon Compleanno Terence Hill!

Mario Girotti wird heute 75 und kein bißchen leise. Terence Hill ein Garant für coole Sprüche und sportliche Einlagen

 

Terence Hill, oder wie er bürgerlich heißt, Mario Girotti, läßt die Herzen der Fans höher schlagen, wenn er Teil eines Films ist und sofort werden auch Erinnerungen an das Duo Terence Hill und Bud Spencer wach.

Wer kennt sie nicht, die Italowestern mit ihren legendären Sprüchen, die wahre Fans schon im voraus zitieren können, wenn sie diese Filme sehen. Ich selbst erwische mich immer wieder, daß ich den Text schon im voraus kenne oder, daß wir mit Freunden um die Wette diese Sprüche klopfen.

Man kann mit Recht sagen, daß Terence Hill einen festen Platz im Gedächtnis unserer Generation eingenommen hat. Filme wie „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Verflucht, verdammt und Halleluja“,  „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, “ Zwei wie Pech und Schwefel“,  „Zwei Missionare“, „Zwei außer Rand und Band“ oder allein in den Filmen „Mein Name ist Nobody“, „Nobody ist der Größte“, „Renegade“, „Lucky Luke“, „Der Supercop“, „Keiner haut wie Don Camillo“,  stellen nur einen ganz groben Überblick dar, die uns an diese großartige Zeit erinnern sollen, die uns eine Menge Spaß im Kinosaal oder vor dem Fernseher bereiteten.

Ich kann gar nicht die Frage beantworten, welcher Film mir am Besten gefallen hat, obwohl die Italoklassiker natürlich ganz oben stehen. Ich kann auch nicht sagen, ob sie mit 4 Fäusten oder jeweils allein mit 2 Fäusten und lustigen Szenen besser zur Geltung kommen. Tatsache ist, daß sie nach 30 oder 40 Jahren (ja so lange sind diese Filme schon her) noch immer faszinieren und vergleichbare Darsteller schwer zu finden sind.

Prügelszenen ohne irgendwelche Verletzungen(!), Drehorte, Figuren und Geschichten machen sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gleichermaßen interessant. Sie sind noch immer spannend und strapazieren die Lachmuskeln, erst Recht, wenn man sie im Freundeskreis unter Gleichgesinnten ansieht.

Die „Schlägerein“ machen es im Grunde immer wieder aus, daß der Spaß nicht zu kurz kommt, aber nie floß ein Tropfen Blut – für heutige Filme beinahe unvorstellbar, in denen die Körperteile sich in Szenen aufzulösen scheinen. Mir sind jedenfalls Geschichten lieber, die zwar die dunkle Seite der handelnden Figuren darstellen, aber sie gleichzeitig auch wieder abschwächen. Das Leben ist hart genug, man muß sich nicht auch noch in der Phantasiewelt damit beschäftigen. Angeblich soll es einmal aus Unachtsamkeit passiert sein, daß ein Treffer nicht vorbeizog – also quasi ein „Arbeitsunfall“.

Während die Filme wohl hinlänglich bekannt sein dürften, so wenig weiß man eigentlich von der Person Mario Girotti, aber die hat noch viel mehr zu bieten.

Geboren am 29. März 1939 in Venedig verbindet er zwei Welten in einer Person: Einerseits die blauen Augen und das blonde Haar der Germanen und andererseits das Temperament und die Feinfühligkeit der Italiener. Während die deutsche Gründlichkeit wahrscheinlich dafür sorgte, daß er erfolgreich war, so war die italienische Seite in ihm dafür verantwortlich, daß der Spaß in der Schauspielerei Ausdruck fand. Obwohl sein Vater Girolamo Girotti einen naturwissenschaftlichen Beruf als Chemiker ausübte und als Yoga Papst Italiens galt und seine Mutter Hildegard Thieme die deutsche Seite einbrachte, war für ihn schon bald klar, daß das Schauspiel seine Erfüllung darstellte.

Terence Hill lebte im Grundschulalter in Deutschland, wo auch sein Vater beschäftigt war, und übersiedelte nach dem 2. Weltkrieg nach Italien, genauer nach Amelia in Umbrien. Hier machte er die Schule fertig und studierte sogar ein paar Semester.

Mit 12 Jahren (!) hatte er aber schon sein erstes Filmengagement im Film „Vacanze col gangster“. Das war ein offensichtlich so prägendes Ereignis, daß er danach mit der Schauspielschule begann. Er schlug also einen vollkommen anderen Weg ein, als er familiär vielleicht vorgegeben schien.

Terence Hill spricht natürlich, bedingt durch seine verschiedenen Wurzeln, Deutsch und Italienisch muttersprachlich und wurde in beiden Sprachen auch als Schauspieler bekannt und sogar berühmt.

Weniger bekannt sein dürfte, daß er in Karl May Verfilmungen in „Old Surehand“ und „Winnetou 2“ dabei war und noch weniger dürften wissen, daß er auch im deutschen Heimatfilm „Ruf der Wälder“ neben Paul Hörbiger und Rudolf Prack mitwirkte.

Es kann also sein, daß Mario Girotti diesen Blogbeitrag in deutsch liest, eine Ehre an die ich als großer Fan seiner schauspielerischen Leistungen, aber auch als Bewunderer seiner Person gar nicht denken mag.

Aber als Weltenbummler gelang es ihm auch in englischer Sprache zu überzeugen und so wundert es nicht, daß ihm auch auf dem amerikanischen Filmmarkt der Durchbruch gelang.

Lustig ist auch die Geschichte wie aus Mario Girotti „Terence Hill“ wurde:

International sah man Schwierigkeiten einen italienischen Namen zu vermarkten und so schlug man ihm ein paar Namen vor und „Terence Hill“ war dann gleich seine Wahl – smart und schnell wie er eben ist.

Terence Hill, der ein Liebhaber von Kunst und Kultur ist, lebt seit mehr als 40 Jahren auf einer Ranch in Massachusetts. Seine Frau Lori Zwicklbauer, die zwar Amerikanerin ist, aber deren Wurzeln auch in Bayern zu finden sind, unterstützt ihn an seiner Seite. Sein Sohn Jess Hill und sein Adoptivsohn Ross Hill begannen sogar noch früher die Schauspielkarriere als ihr Vater.

Jess Hill wurde von uns schon öfter in den Filmen gesehen, als es uns wahrscheinlich bewußt ist: Schon als Baby begann seine Karriere im Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“. Weiters wirkte er in  „Lucky Luke“ und auch in „Troublemaker“ mit.

Im Film „Keiner haut wie Don Camillo“ spielt Ross Hill den kleinen Magrino, der als Aussenseiter von Don Camillo eine besondere Chance bekommt und im Fußballteam als gerissenes Bürschchen mitspielen darf. Eine Rolle, die man sich mit diesem Hintergrundwissen vielleicht noch einmal genauer ansehen sollte, hat diese Situation doch eine besondere Raffinesse und bringt auch einen zusätzlichen Spaßfaktor.

In „Renegade“ spielt Ross Hill den gerissenen Matt, der mit seiner Art genauso wie sein Vater den Cleveren Part übernimmt. Überhaupt schien in diesem Film eine autobiografische Ader dabei zu sein. Schließlich schrieb Terence Hill auch das Drehbuch. So spielte nicht nur sein Sohn den quasi Adoptivsohn, sondern auch die besondere Beziehung zu den Pferden kommt in diesem Film sehr gut zur Geltung – falls es einen Pferdeflüsterer gibt, Terence Hill ist sicher einer von ihnen. Geradezu unglaublich die Schmuseszene mit dem Pferd, hier kommt die menschliche Qualität Terence Hills besonders heraus.

Er liebt den Umgang mit den Pferden, ist ein ausgezeichneter Reiter, wie wir alle wissen, und ein ganz besonderer Naturliebhaber. Diese Eigenschaft macht es wahrscheinlich aus, daß seine Filme immer authentisch wirken.

Doch Ross Hill verunglückte 1990 tödlich bei einem Autounfall.

Auch heute ist Terence Hill noch immer aktiv: Momentan startet in Italien die 9. Staffel von Don Matteo, die er eingangs im Video auch vorstellt. Er spielt darin einen Pfarrer, der der Polizei bei der Lösung von Kriminalfällen behilflich ist.

Weiters  drehte er die Fernsehserie „Un passo dal cielo“ in 2 Staffeln, die erst letztes Jahr auch als Film zu sehen war.

 

 

Eine unglaubliche Persönlichkeit hat heute Geburtstag und wir wünschen ihm

 

Alles Gute, viel Glück und Gesundheit – Terence Hill

 

und wenn einmal ein Problem ansteht, denke an Deinen Satz:

„Laß mal, dem beiße ich eine Beule in den Bart, daß ihm die Hose wegfliegt“

 

Cari saluti, Giovanni

 

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Am Schluß habe ich noch diverse Zitate aus den Filmen – ich wünsche Euch viel Spaß:

 

Terence Hill

Bumse macht und unten ist er, da sieht man mal wie leicht man abstürzen kann.

Wenn Du mich noch einmal duzt, dann hau ich Dir eine Delle in die Gewürzgurke.

So und nun hol ihn raus, den Zahn meine ich, denn wer weiß was Du sonst noch herausholst, ist so schon so eine schlechte Luft hier.

Dann gibt es eine vor die Sapperrinne…

Komm raus, Dir hau ich die Raupen aus der Nuß.

Türen sind zum Aufmachen da, sind ja keine Windmühlenflügel.

Ja, schmeckt gar nicht mal so gut

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Polizei: Du hast die 70 überschritten!

Terence Hill: Dafür sehe ich doch noch gut aus

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Terence Hill: Was hat er, zieht er Nebenluft, hat er offene Socken?

Nein er hat kürzlich eine vor die Birne bekommen, das hat ihm nicht bekommen

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bei der Geisterbeschwörung: Schnarsonier, Schnarsoniiiier, Schnarrrrsoniiiiiierrrrr

Terence Hill: Schnaps und ein Biiieeerrrr,        … das könnte ich jetzt auch vertragen.

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Terence Hill: die gehen nach Ontario in Canada, weiß Du wo das ist?

Bud Spencer: Hinter Jason´s Hütte und dann links.

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Bud Spencer: Habe ich das doch glatt vergessen

Terence Hill: Nicht verwunderlich bei der geringen Anzahl Deiner grauen Zellen.

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Terence Hill: Die haben unsere Mutter beleidigt.

Bud Spencer: was haben sie denn gesagt?

Terence Hill: Sie sei eine alte Hure

Bud Spencer: aber das stimmt doch

Terence Hill: na so alt ist sie nun auch wieder nicht

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Terence Hill: Kennst Du die Malediven?

Bud Spencer: Flüchtig, hab mal mit ihnen gegessen

Terence Hill: Dann kannst Du sie mir ja mal vorstellen

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Türsteher: Ich darf sie nur hereinlassen, wenn sie Mitglied sind:

Terence Hill: Wir sind Mitglied, ohne hätten wir eine zu hohe Stimme.

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Il Maestro Ennio Morricone

Ennio Morricone dirigiert Ennio Morricone

Maestro Ennio Morricone gibt ein einziges Konzert in Wien und dieser wunderbare Ausschnitt eines Konzerts aus Venedig soll Euch den nötigen Vorgeschmack bieten ein großes Konzert zu besuchen

Anläßlich des Konzerts in der Wiener Stadthalle am 16.2 2014 und der Tour durch Europa und USA möchte ich einen Beitrag dem großen Meister der Filmmusik und der Klassik widmen.

Kein Orchester der Welt ist zu groß für ihn, keine Melodie unbekannt: Mit 85 Jahren zeigt Maestro Ennio Morricone was Sache ist. Ein 160 Köpfiges Orchester in der Wiener Stadthalle wird zeigen, was diese Musik zu bieten hat und welche Emotionen in der Klassik stecken können.

Ein Künstler, der es verstand Emotionen und Gedanken der Filmfiguren Ausdruck zu verleihen und mich, seit dem ich das erste Mal die legendäre Musik zum Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ hörte, nicht mehr losläßt.

Obwohl ich in einer familiären Umgebung aufgewachsen bin, in der die Oper groß geschrieben war, möchte ich doch behaupten, daß der erste ECHTE Einstieg in die Klassik Ennio Morricone war.

Nie werde ich vergessen, als ich mir als eine der ersten Platten, Ennio Morricone gekauft habe. Ich mußte durch mehrere Plattenläden wandern, bis ich auf einen kompetenten Verkäufer stieß, der mir die Frage beantworten konnte, wer das Lied „Spiel mir das Lied vom Tod“ geschrieben hat und ob er den dazupassenden Tonträger habe. Zeitgleich fing ich auch an, mich für Filme zu interessieren und zwar nicht nur für die Inhalte, sondern auch etwas tiefer vorzudringen, wer die Darsteller waren, wer der Regisseur und wer die Filmmusik geschrieben hat.

Immer wieder mußte ich dabei feststellen, daß genau die Filme für mich interessant waren, deren Musik Ennio Morricone geschrieben hat. Er war eine Garantie für einen guten Film und ich denke dabei gar nicht so sehr an die Italowestern, sondern an Kunstwerke wie das Trio infernal (mit Michel Piccoli), der Clan der Sizilianer (Alain Delon, Jean Gabin, Lino Ventura), das Netz der tausend Augen (Jean-Louis Trintignant), Angst über der Stadt (Jean Paul Belmondo), der Profi (einer meiner Lieblingsfilme mit Jean Paul Belmondo), der Außenseiter (Jean Paul Belmondo), Es war einmal Amerika (Robert de Niro), Cinema Paradiso ( mit Philippe Noiret , eingangs im Konzert zu hören) und viele andere mehr. Aber ich denke auch an Filme wie Nobody (mit Terence Hill), ein Käfig voller Narren (Ugo Tognazzi) und vor Allem an: „La Piovra“ (Allein gegen Mafia mit Michele Placido)

Die Wenigsten hätten ein besseres Konzert als Begleitung zu einer aufwendig inszenierten Spannung schreiben können. Gefühle, Gedanken, Tod, Schmerz, aber auch Spaß, Frechheit, Verrückheit, Lockerheit, Spannung und Entspannung wurden durch die Violinen Morricones bestens hervorgehoben. Jeder Film, der vom Maestro mit Musik vertont wurde, hatte bereits beim Vorspann eine besondere Ausstrahlung.

Ohne Übertreibung wage ich zu behaupten, daß diese Musik den Filmen erst die nötige Schärfe vermittelte. So schuf er für über 500 Filme die Musik – eine Kreativität, die ihresgleichen sucht und von mir schon schwer nachvollziehbar ist.

Wobei der Ausdruck „Filmmusik“ der Klasse, dem Niveau seiner Musik nicht gerecht wird. Es sind vollwertige Konzerte, die es wert sind auch ohne Bilder zu genießen.

Aber auch sonst ist es interessant diese Persönlichkeit einmal live zu erleben, denn er ist jemand, den man in Gedanken mehr mit Filmausschnitten und Schauspielern verbindet, als mit seinem Gesicht. Die Wenigsten kennen ihn vom Aussehen und noch viel weniger haben ihn bei der Arbeit als Dirigent gesehen. Selbst in Rom, in seiner Heimatstadt lebt er unauffällig und wird wenig beachtet, doch das stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Es reicht ihm, wenn man seine Musik kennt und seine Konzerte gut besucht sind.

Aber ich möchte Ennio Morricone auch als Botschafter für eine manchmal in Vergessenheit geratene Musikrichtung sehen.

Als großer Fan der klassischen Musik versuche ich immer wieder Menschen zu dieser Stilrichtung zu bringen und stoße oft auf Verwunderung und höre dann:  „Klassik – geh bitte!“

Dabei hören die meisten Menschen mehr Klassik, als es ihnen bewußt ist. Ennio Morricone sagt, daß man den Leuten etwas anbieten muß, das sie verstehen – Musik ist Kommunikation. Vielleicht sollte man mehr auf diese Kommunikation achten, um diese Stilrichtung wieder populärer zu machen.  Das klassische Konzert sollte auch anderem Publikum zugänglich gemacht werden, in dem die Musik auch dem zeitgemäßen Geschmack angepaßt wird, ohne auf die alten Meister zu vergessen.

Die drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras  brachen auch alte Konventionen auf und brachten die Klassik anderen Musikinteressierten näher und plötzlich wurde diese Musik interessant, so interessant, daß sie ganze Stadien füllten. Vorher vielleicht unvorstellbar.

Ein Schritt, den die Klassik weitergehen sollte, wenn sie weiter ein Auditorium haben will. Der Hörer tastet sich dann weiter an diese Musik heran, gespielt von Violinen, Bratschen, Cello, Kontrabass, Querflöten, Trompete, Orgel, etc genauso wie bei mir in ganz jungen Jahren. Auch wenn dann zwischendurch diese Stilrichtung wieder in Vergessenheit gerät, der Geist erinnert sich später daran und wird diese Qualität erneut aufgreifen.

Ennio Morricone ist ein großartiger Komponist, der ursprünglich nie daran gedacht hat für den Film zu arbeiten, sondern sich aus Geldmangel dafür entschied, Auftragsarbeiten anzunehmen. Eine Entscheidung, die anfangs in Italien wahrscheinlich auf Unverständnis stieß, denn ein ernstzunehmender Komponist arbeitet nicht für den Film. Ennio Morricone fühlte sich am Anfang auch ausgegrenzt, doch das legte sich angesichts seiner Qualität und fand in einem Ehrenoskar für sein Lebenswerk 2007 seine endgültige Bestätigung. Clint Eastwood überreichte ihm die Auszeichnung.

Doch noch etwas ist für mich bemerkenswert: Ennio Morricone komponiert nicht am Klavier oder es fällt ihm plötzlich eine Melodie ein, sondern er kann sich ganz sachlich am Schreibtisch mit einem Thema (Film) auseinandersetzen und die Musik dazu produzieren, quasi auf Bestellung. Es reicht ihm, wenn er den Regisseur kennt und er weiß, wo er hinwill. Eine Begabung, die wohl viele von uns gerne hätten.

12 000 Stücke hat Ennio Morricone der Welt geschenkt, ein Paar davon können wir nun erleben, vor Ort.

Nehmt also die Gelegenheit wahr diesen großartigen und zeitgemäßen Künstler live zu hören, so oft gibt es diese Möglichkeit nicht.

Buon divertimento, Giovanni

Reihenfolge Serie Commissario Montalbano

 

Commissario Salvo Montalbano dargestellt von Luca Zingaretti, ist eine der erfolgreichsten Krimiserien in Italien.

Sein Einsatzgebiet erstreckt sich auf ganz Sizilien, wobei sein Kommissariat in Vigàta ist.

Vigàta eine fiktive Stadt auf Sizilien, die sich aus mehreren Drehorten an verschiedenen interessanten Plätzen (vor Allem in der Provinz Ragusa, sein fiktives Wohnhaus ist in Punta Secca) Siziliens zusammensetzt, ist sein Heimatort, den er nur ungern verläßt, um zum Beispiel mit seiner Freundin und Lebenspartnerin Livia Burlando (Katharina Böhm) auf Urlaub zu fahren.

Montalbano versucht immer seine Freundin Livia davon zu überzeugen, daß alles Interessante hier in Vigàta oder auf Sizilien ist und er nicht erst irgendwohin fahren muß, um etwas Schönes zu erleben.

Da seine Vorliebe nicht den Vorlieben seiner Lebensgefährtin entsprechen, erzeugt diese natürlich eine gewisse Spannung zwischen den Beiden und führt unweigerlich auch zu einer (fast?) Trennung und provoziert das Bild, daß Salvo Montalbano lieber Junggeselle bleibt, als sich zu binden und zu heiraten, so wie es sich Livia das immer vorstellt, wobei natürlich die Fernbeziehung (Livia wohnt und arbeitet in Genua) auch eine Rolle spielt.

Die Abneigung ein Schiff zu betreten, verstärkt auch die fehlende Reisebereitschaft, die als Liebeserklärung gegenüber Sizilien zu verstehen ist und wahrscheinlich auch so zu sehr viele Sympathien auf dieser Insel geführt hat.

Sizilien ohne Commissario Salvo Montalbano ist in Italien nicht mehr vorstellbar und Luca Zingaretti stellt diese Figur sehr überzeugend dar.

Die schüchterne und doch sehr durchsetzungsfähige, manchesmal auch launische Figur wird von ihm in einer so realitätsnahen Art gezeigt, daß man sich wünschte, ihn jetzt anrufen zu können um schnell mit ihm auf einen Kaffee zu gehen.

Andrea Camilleri, selbst Sizilianer, hat erst im Alter von 70 Jahren diese gigantische Figur geschaffen, die wahrscheinlich nur alle paar Jahre gelingt und mit der sich viele Menschen indentifizieren.

Salvo Montalbano ist eine Persönlichkeit und ein geborener Gerechtigkeitsfanatiker, den er als Polizist teilweise gut und teilweise schlecht ausleben kann; teilweise gut, weil er einen natürlichen Instinkt entwickelt zu haben scheint, kriminelle Machenschaften aufzuspüren und sich nicht fürchtet sie aufzudecken egal welche Authoritäten dahinter ihre Fäden ziehen und teilweise kann er seinen Gerechtigkeitsfanatismus schlecht ausleben, wenn er der Gerechtigkeit auf die Sprünge helfen will, mit Mitteln, die ein Polizist in dieser Form vielleicht nicht wählen sollte. Generell ist Montalbano eine gebildete und belesene Persönlichkeit, die keine Obrigkeitshörigkeit hat, ja ihr sogar immer sehr skeptisch begegnet.

Also ein durch und durch sympathischer Mensch, vor dem sogar die „alte Mafia“ Ehrfurcht hat und immer wieder durch Formulierungen bestätigt: „…, weil Sie ein Mann von Ehre sind…“

Obwohl bei Camillieris Commissario Montalbano alle Teile in sich abgeschlossene Handlungen sind, so unterliegen sie doch einer Reihenfolge, denn Commissario Montalbano und sein Umfeld durchleben eine Entwicklung, die jeweils auf der vorhergehenden Folge aufbaut.

Als Beispiele dienen unter Anderem die Probleme des Adoptivkindes (Francois), das von der Tunesierin stammt, die in einer früheren Folge ermordet und von einer Schwester Mimis aufgenommen wurde.

In diesem Zusammenhang taucht in einer viel späteren Folge in „Der Kavalier der späten Stunde“ auch die Frage nach dem verschwundenen Sparbuch der tunesischen Mutter auf, das sie versteckt hatte, aber plötzlich verschwunden zu sein scheint. Doch dieses hatte Commissario Montalbano bei einem Notar hinterlegt, um die spätere Ausbildung des Jungen zu sichern.

Genauso die Entwicklung mit seiner Freundin Livia. Sein Seitensprung bei der Folge „Die Spur des Fuchses“ würde nicht passen, wenn man nicht von den vorhergehenden Folgen wüßte, daß er momentan von seiner Freundin Livia getrennt lebt und Livia auch den Verdacht erweckt hat, daß sie sich in einen anderen Mann verliebt hat.

Ebenso spielt die Schwedin Ingrid eine wichtige Rolle, die gleich am Anfang vorgestellt wird und ihn in einigen Folgen begleitet als charmante Abwechslung seines Alltags, jedoch entwickelt sich  zum Leidwesen von Ingrid nie eine Beziehung.

Desweiteren die Entwicklung seines Freundes und Kollegen Mimi, der vom Frauenheld zum Familienvater mutiert und versucht immer treu zu bleiben, es ihm allerdings selten gelingt.

Eines der wichtigsten Details ist die Vorliebe Salvo Montalbanos zu sizilianischen Köstlichkeiten. Bei (beinahe) jedem Essen versäumt er nicht zu betonen, wie wichtig es ihm ist, sich voll und ganz auf den Genuß zu konzentrieren und er jede Unterbrechung vermeiden möchte.

So trifft es ihn hart, als plötzlich Calogero, der Besitzer seiner Lieblingstrattoria, in dem er immer zu Mittag ißt, aus gesundheitlichen Gründen schließt und stattdessen Enzo in Erscheinung tritt.

All das würde nicht zusammenpassen, wenn die Reihenfolge nicht genau eingehalten wird.

Um Anderen eine stundenlange Suche der genauen Reihenfolge zu ersparen (ich kämpfte mich tagelang durch, bis sie paßte) schreibe ich hier einmal die Reihenfolge, wie sie meiner Meinung nach im Abgleich des Erscheinungsdatums der Bücher von Camillieri entstanden sind.

Schwierig ist besonders die Reihenfolge der Kurzgeschichten, die aus den Bänden  „Gli Arancini di Montalbano“ und „Un mese con Montalbano“ stammen , woraus einige Erzählungen verfilmt wurden.

Die Reihenfolge von Commissario Montalbano:

1: Die Form des Wassers (La forma dell´aqua)

2: Der Hund aus Terracotta (Il cane di terracotta)

3: Der Dieb der süßen Dinge (Il ladro di merendine)

4: Die Stimme der Violine (La voce del violine)

5: Von der Hand des Künstlers (Tocco d´artista)

6: Das Spiel des Patriarchen (La gita a tindari)

7: Liebe und Brüderlichkeit (Il senso del tatto)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

8: Montalbanos Arancini (Gli arancini di Montalbano)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

9: Der Kavalier der späten Stunde (L´odore della notte)

10: Der Kater und der Distelfink (Gatto e cardellino)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

11: Das kalte Lächeln des Meeres (Il giro di boa)

12: Gleichstand (par condicio)   Verfilmung einer Geschichte aus „Un mese con Montalbano“ (Das Paradies der kleinen Sünder)

13: Kümmelblättchen (Il gioco delle tre carte)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“

14: Die Passion des stillen Rächers (La pazienza del ragno)

15: Die dunkle Wahrheit des Mondes (La luna di carta)

16: Die schwarze Seele des Sommers (La vampa d´agosto)

17: Die Flügel der Sphinx (Le ali della sfinge)

18: Die Spur des Fuchses (La pista di sabbia)

19: Das Ritual der Rache (Il campo del vasaio)

20: Die Tage des Zweifels (L´età del dubbio)

21: Der Tanz der Möwe (La danza del gabbiano)

22: Die Jagd nach dem Schatz (La caccia al tesoro)

in Klammer steht immer der Originaltitel

In diesem Sinne wünsche ich allen Liebhabern des liebenswerten Commissario Salvo Montalbano

Buon Divertimento, Giovanni

Heute: Romanzo Criminale 2. Staffel

Wieder eine Filmempfehlung der besonderen Art

Ein besonderes Schmankerl habe ich heute für Euch – Romanzo Criminale II

Heute 3.7. 23.15  ServusTV

Entstanden unter der Regie des großartigen Michele Placido, vielen bekannt aus der Serie „Allein gegen die Mafia“ („La Piovra“).

Er, Michele Placido, ist nicht nur groß geworden mit dem Thema Mafia, sondern es hat ihn auch nie losgelassen und so kehrte er in dieser Serie wieder zurück zu seinem Lebensthema.

Für diejenigen unter Euch, die die erste Staffel auf deutsch gesehen haben, ist jetzt die Gelegenheit die 2. Staffel in dieser Sprache zu sehen.

Für Alle, die den Film schon auf italienisch gesehen haben, sollten sich auch die deutsche Synchronisation ansehen, denn ich finde sie einerseits sehr gelungen und andererseits ist es wahrscheinlich eine der wenigen Chancen diesen Film je auf deutsch zu sehen.

Romanzo Criminale beschreibt in einer teils sehr harten, dafür aber realitätsnahen Art und Weise den Aufstieg einer anfangs kleinen Bande, einer Gruppe von Freunden, die sich geschworen haben, Rom zu unterwerfen.

Sie sind gemeinsam aufgewachsen und nutzen ihre mafiosen Beziehungen um ihren Einfluß zu vergrößern. Doch die Macht hat wie immer auch eine Kehrseite.

So schnell wie sie aufgestiegen sind und so schnell, wie die Macht über Rom groß geworden ist, so stark belastet es die Freundschaft innerhalb der Gruppe.

Der Libanese (Francesco Montanari), der selbsternannte Anführer der anfänglichen Bande und später DER Verbrecherorganissation in Rom versucht immer wieder die Freundschaft zu erhalten und auch zu stärken, stößt allerdings auch auf seine Grenzen, Einfluß auf die freundschaftliche Beziehung unter den Mitgliedern zu nehmen.

So spielen genau diese Querelen unter ihnen Commissario  Scialoja in die Hände.

In der 2. Staffel werden wir sehen, ob es Commissario  Scialoja gelingen wird, die Macht und die Größe, die sie erreicht haben, aufzubrechen.

Ich kann jedem diesen Film empfehlen, der so wie ich italophil angehaucht ist, oder sich mit italienischen, gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt. Michele Placido ist es gelungen ein außergewöhnliches Werk zu schaffen, das nichts beschönigt und die Mafia sicher nicht verherrlicht, ganz im Gegenteil:

Der Film ist nichts für schwache Nerven. Ohne irgendwelcher Gewaltverherrlichungen gelingt es Michele Placido eine reale Härte darzustellen, die notwendig ist, um ein authentisches Bild zu schaffen.

Obwohl der Film im Jahre 2005 entstanden ist, aber in der Zeit zwischen den 60-80ern spielt, ist es eine wahre Meisterleistung ein zeitgemäßes Abbild zu schaffen. So ist der Film auch allen Old- und Youngtimerliebhabern ans Herz gelegt. Denn die große Anzahl der automobilen Schätzchen wird man in einem modernen Film sonst nicht so leicht zu sehen bekommen.

Buon Divertimento, Giovanni

Heute: Pier Paolo Pasolini „Accattone“

Heute habe ich wieder eine Empfehlung für alle Filmfans, die Italien auch kulturell erleben wollen.

Das Debüt von Pier Paolo Pasolini:

                     Accatone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß

Es ist Pier Paolo Pasolonis erster Film als Regisseur

Es geht um Accattone, der seine Familie verläßt um sich von einer Prostituierten aushalten zu lassen.

Accattone, gespielt vom legendären Franco Citti, der eigentlich Vittorio heißt und nur von seinen Freunden Accatone genannt wird, lebt in den damaligen typischen Vororten Roms und ist Teil der sogenannten „Bulli“, das sind die Halbstarken, Diebe und Zuhälter.

Doch „seine“ Maddalena wird von der Polizei verhaftet und Accattone fiel in finanzielle Nöte.

Vom Hunger getrieben suchte er eine neue „Einnahmequelle“, die Stella hieß.

Stella ein junges Mädchen, das von Accattone entdeckt wird, soll ab jetzt für ihn auf den Strich gehen und für das nötige Kleingeld sorgen.

Doch Stella kann sich nicht überwinden und Accattone hatte sich bereits in sie verliebt.

Gezwungen von der Not beschließt er nun sein Leben zu ändern und geht einer ehrlichen Arbeit nach. Doch die Hilfsarbeitertätigkeiten sind nicht nach dem Geschmack unseres Helden.

Er versucht sein Glück als Dieb.

Und genau jetzt beginnt der Lauf des Schicksals: Maddalena verrät, durch Eifersucht gequält, ihren Accattone.

Die Flucht vom Tatort auf dem Motorrad, wird nun eine Wende bringen.

Es ist ein Sozialdrama, das nicht deutlicher zeigen kann, wie damals das Leben in diesen Teilen Roms stattfand und kein Anderer als Pier Paolo Pasolini hätte es auch so drastisch darstellen können.

Denn er selbst war immer angezogen von diesem Milieu, es hatte fast eine archaische Anziehungskraft auf ihn, das vielleicht auch seinen Ermordung am 2.11.75 begründete.

Sein Tod war genauso skurill, wie sein Leben und obwohl der Strichjunge Pino Pelosi, der die Ermordung gestand, verurteilt wurde, ist dieses Verbrechen nie restlos aufgeklärt worden.

P.P.P. wurde mehrfach von seinem eigenen Alfa Romeo 2000 GTV überfahren.

P.P.P. selbst, der bereits in den 50ern intensiven Kontakt mit dem Proletariat hatte, weil er als Volksschullehrer im Ponte Mammolo arbeitete und so die Kultur studieren konnte, suchte immer die Begegnung mit der Subkultur, die ihm auch oft genug Ärger mit den Behörden eingebracht hat.

Pasolini einer der größten Künstler, der bereits zum Zeitpunkt dieses Films einen beachtlichen Namen als Romancier hatte, war ein Mensch, der das Leben in vollen Zügen inhalierte und sowohl die Positiven Seiten des Lebens, aber vor Allem auch die Abgründe kennengelernt und allzu oft schätzen gelernt hat.

Nur dadurch war es ihm möglich einen solchen Film zu produzieren und in weiterer Folge ein Experte des italienischen Dialektes zu werden.

Wer ein Liebhaber des alten Italiens ist und über Kulturgeschichte etwas erfahren möchte, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen.

Heute 26.5.13  um 23.15 – 1.05 Uhr   im BR

„Der Italiener“ mit Michele Placido von Nanni Moretti

An Alle Freunde des italienischen Films:

„Der Italiener“ (Il Caimano) mit dem großen Michele Placido und vor Allem von dem großen Nanni Moretti

Ein Film, ein Muß, eine Wissenslücke, der ihn als italophiler Mensch nicht ansieht.

Ein wirklich empfehlenswerter Film, in dem es darum geht, daß ein Filmproduzent einen Film machen wollte, der allerdings zu scheitern droht und so kommt ihm ein Drehbuch in Erinnerung, das ihm zugespielt wurde und zu dem er jetzt gezwungen wird, es zu produzieren.

Doch der Inhalt hat es in sich und er kommt erst am Ende auf den tieferen Sinn, der ihn vor andere Probleme stellt.

Wieder ein genialer Film von Nanni Moretti aus dem Jahre 2006

Morgen, am 22.5.2013 um 0.25-2.10 Uhr im BR

Buon Divertimento, Giovanni