Il Maestro Ennio Morricone

Ennio Morricone dirigiert Ennio Morricone

Maestro Ennio Morricone gibt ein einziges Konzert in Wien und dieser wunderbare Ausschnitt eines Konzerts aus Venedig soll Euch den nötigen Vorgeschmack bieten ein großes Konzert zu besuchen

Anläßlich des Konzerts in der Wiener Stadthalle am 16.2 2014 und der Tour durch Europa und USA möchte ich einen Beitrag dem großen Meister der Filmmusik und der Klassik widmen.

Kein Orchester der Welt ist zu groß für ihn, keine Melodie unbekannt: Mit 85 Jahren zeigt Maestro Ennio Morricone was Sache ist. Ein 160 Köpfiges Orchester in der Wiener Stadthalle wird zeigen, was diese Musik zu bieten hat und welche Emotionen in der Klassik stecken können.

Ein Künstler, der es verstand Emotionen und Gedanken der Filmfiguren Ausdruck zu verleihen und mich, seit dem ich das erste Mal die legendäre Musik zum Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ hörte, nicht mehr losläßt.

Obwohl ich in einer familiären Umgebung aufgewachsen bin, in der die Oper groß geschrieben war, möchte ich doch behaupten, daß der erste ECHTE Einstieg in die Klassik Ennio Morricone war.

Nie werde ich vergessen, als ich mir als eine der ersten Platten, Ennio Morricone gekauft habe. Ich mußte durch mehrere Plattenläden wandern, bis ich auf einen kompetenten Verkäufer stieß, der mir die Frage beantworten konnte, wer das Lied „Spiel mir das Lied vom Tod“ geschrieben hat und ob er den dazupassenden Tonträger habe. Zeitgleich fing ich auch an, mich für Filme zu interessieren und zwar nicht nur für die Inhalte, sondern auch etwas tiefer vorzudringen, wer die Darsteller waren, wer der Regisseur und wer die Filmmusik geschrieben hat.

Immer wieder mußte ich dabei feststellen, daß genau die Filme für mich interessant waren, deren Musik Ennio Morricone geschrieben hat. Er war eine Garantie für einen guten Film und ich denke dabei gar nicht so sehr an die Italowestern, sondern an Kunstwerke wie das Trio infernal (mit Michel Piccoli), der Clan der Sizilianer (Alain Delon, Jean Gabin, Lino Ventura), das Netz der tausend Augen (Jean-Louis Trintignant), Angst über der Stadt (Jean Paul Belmondo), der Profi (einer meiner Lieblingsfilme mit Jean Paul Belmondo), der Außenseiter (Jean Paul Belmondo), Es war einmal Amerika (Robert de Niro), Cinema Paradiso ( mit Philippe Noiret , eingangs im Konzert zu hören) und viele andere mehr. Aber ich denke auch an Filme wie Nobody (mit Terence Hill), ein Käfig voller Narren (Ugo Tognazzi) und vor Allem an: „La Piovra“ (Allein gegen Mafia mit Michele Placido)

Die Wenigsten hätten ein besseres Konzert als Begleitung zu einer aufwendig inszenierten Spannung schreiben können. Gefühle, Gedanken, Tod, Schmerz, aber auch Spaß, Frechheit, Verrückheit, Lockerheit, Spannung und Entspannung wurden durch die Violinen Morricones bestens hervorgehoben. Jeder Film, der vom Maestro mit Musik vertont wurde, hatte bereits beim Vorspann eine besondere Ausstrahlung.

Ohne Übertreibung wage ich zu behaupten, daß diese Musik den Filmen erst die nötige Schärfe vermittelte. So schuf er für über 500 Filme die Musik – eine Kreativität, die ihresgleichen sucht und von mir schon schwer nachvollziehbar ist.

Wobei der Ausdruck „Filmmusik“ der Klasse, dem Niveau seiner Musik nicht gerecht wird. Es sind vollwertige Konzerte, die es wert sind auch ohne Bilder zu genießen.

Aber auch sonst ist es interessant diese Persönlichkeit einmal live zu erleben, denn er ist jemand, den man in Gedanken mehr mit Filmausschnitten und Schauspielern verbindet, als mit seinem Gesicht. Die Wenigsten kennen ihn vom Aussehen und noch viel weniger haben ihn bei der Arbeit als Dirigent gesehen. Selbst in Rom, in seiner Heimatstadt lebt er unauffällig und wird wenig beachtet, doch das stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Es reicht ihm, wenn man seine Musik kennt und seine Konzerte gut besucht sind.

Aber ich möchte Ennio Morricone auch als Botschafter für eine manchmal in Vergessenheit geratene Musikrichtung sehen.

Als großer Fan der klassischen Musik versuche ich immer wieder Menschen zu dieser Stilrichtung zu bringen und stoße oft auf Verwunderung und höre dann:  „Klassik – geh bitte!“

Dabei hören die meisten Menschen mehr Klassik, als es ihnen bewußt ist. Ennio Morricone sagt, daß man den Leuten etwas anbieten muß, das sie verstehen – Musik ist Kommunikation. Vielleicht sollte man mehr auf diese Kommunikation achten, um diese Stilrichtung wieder populärer zu machen.  Das klassische Konzert sollte auch anderem Publikum zugänglich gemacht werden, in dem die Musik auch dem zeitgemäßen Geschmack angepaßt wird, ohne auf die alten Meister zu vergessen.

Die drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras  brachen auch alte Konventionen auf und brachten die Klassik anderen Musikinteressierten näher und plötzlich wurde diese Musik interessant, so interessant, daß sie ganze Stadien füllten. Vorher vielleicht unvorstellbar.

Ein Schritt, den die Klassik weitergehen sollte, wenn sie weiter ein Auditorium haben will. Der Hörer tastet sich dann weiter an diese Musik heran, gespielt von Violinen, Bratschen, Cello, Kontrabass, Querflöten, Trompete, Orgel, etc genauso wie bei mir in ganz jungen Jahren. Auch wenn dann zwischendurch diese Stilrichtung wieder in Vergessenheit gerät, der Geist erinnert sich später daran und wird diese Qualität erneut aufgreifen.

Ennio Morricone ist ein großartiger Komponist, der ursprünglich nie daran gedacht hat für den Film zu arbeiten, sondern sich aus Geldmangel dafür entschied, Auftragsarbeiten anzunehmen. Eine Entscheidung, die anfangs in Italien wahrscheinlich auf Unverständnis stieß, denn ein ernstzunehmender Komponist arbeitet nicht für den Film. Ennio Morricone fühlte sich am Anfang auch ausgegrenzt, doch das legte sich angesichts seiner Qualität und fand in einem Ehrenoskar für sein Lebenswerk 2007 seine endgültige Bestätigung. Clint Eastwood überreichte ihm die Auszeichnung.

Doch noch etwas ist für mich bemerkenswert: Ennio Morricone komponiert nicht am Klavier oder es fällt ihm plötzlich eine Melodie ein, sondern er kann sich ganz sachlich am Schreibtisch mit einem Thema (Film) auseinandersetzen und die Musik dazu produzieren, quasi auf Bestellung. Es reicht ihm, wenn er den Regisseur kennt und er weiß, wo er hinwill. Eine Begabung, die wohl viele von uns gerne hätten.

12 000 Stücke hat Ennio Morricone der Welt geschenkt, ein Paar davon können wir nun erleben, vor Ort.

Nehmt also die Gelegenheit wahr diesen großartigen und zeitgemäßen Künstler live zu hören, so oft gibt es diese Möglichkeit nicht.

Buon divertimento, Giovanni

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