Il Bicerin

Eine Kaffeespezialität aus Turin

Dieser Beitrag ist einem Aufruf vom Knusperstübchen gewidmet, uns um die Welt zu bloggen. Natürlich übernehme ich dabei gerne mit meinem Beitrag einen italienischen Teil. Und als Espressoliebhaber kommt natürlich eine Kreation auf Basis der geliebten, gerösteten Bohnen.

Wir befinden uns heute in Turin, der Hauptstadt des Piemont und einer Stadt mit vielen Köstlichkeiten, vor Allem schokoladigen Köstlichkeiten. Manche haben es schon gehört, Italienliebhabern ist es ohnehin bekannt: Italien ist nicht nur das Land des Kaffees, sondern auch der Schokolade; und ein Zentrum der Schokolade ist Turin. Großartige Schokoladekreationen haben hier ihren Ursprung, viele bedeutende Schokoladenhersteller haben hier ihren Sitz: Caffarel, Guido Gobino, Peyrano und auch Stratta1836 um ein paar zu nennen. Bei ihnen kann man auch die  Giandujotti bestellen, die in Turin eigentlich zu einem gepflegten Espresso gehören. Giandujotti sind kleine Nougatpralinen (Gianduia=Nougat), die in den Mund genommen, zwischen Gaumen und Zunge erwärmt, zart schmelzen und danach mit einem Schluck Ristretto (15ml Espresso) nachgespült werden. Wer das einmal probiert hat, weiß warum im Piemont so viele Haselnußbäume stehen.

Übertroffen kann diese Köstlichkeit mit einer anderen Variante werden, die ebenso aus dem Paradies der Schokolade entstammt-mit dem Bicerin.

Eine Kaffeevariante, die ich vorzugsweise im Winter gerne bereite und vor Allem dann, wenn der weibliche Part Giovannis ein unstillbares Schokoladenbedürfnis hat.

Es handelt sich um eine anerkannte piemontesische Spezialität (verzeichnet im Bollettino Ufficiale della Regione Piemonte) und setzt sich im Wesentlichen aus nur drei Zutaten zusammen: Espresso, Schokolade, Sahne.

BicerinErstmals erwähnt wurde der Bicerin im Text von Alberto Viriglio, Torino e i Torinesi und wurde erfunden vom Caffè al Bicerin gelegen an der Piazza della Consolata. Etwas abseits von den „Trampelpfaden“, dennoch leicht zu finden, sollte man sich nicht wundern, wenn man zu gewissen Stunden nicht leicht einen Platz findet um den Bicerin zu genießen. Ein Besuch dieses Lokals ist jedenfalls zu empfehlen; einen Eindruck von diesem Lokal bekommt man im Video am Anfang dieses Artikels. Übrigens sind die Hüter des Rezeptes ausschließlich weiblich, währenddessen die Kunden auch oft männlich sind.

Das Wort „Bicerin“ kommt von Bavareisa-hierbei wurden die Zutaten separat in Bicchieri (größeren Gefäßen) gebracht und dann erst zusammengemischt: Also Kaffee, flüssige Schokolade, Milch und gesüßt mit Sirup.

Später wurde aus den Bichieri der Bicchierino (daraus enstand „Bicerin“), ein kleineres Glas, in dem die Zutaten bereits gemischt waren.

Nachdem das Originalrezept bestens von den Damen des Caffè Bicerin gehütet wird, kann ich Euch nur meine Variante präsentieren, die aber dem Original schon sehr nahe kommt.

Das Wesentliche an dieser Köstlichkeit ist, daß alle drei Zutaten separat ins Bicerin (Glas) gegossen werden und getrennt bleiben, also keinesfalls umrühren!

Diese Rezept ist für eine Portion gedacht und muß dann dementsprechend angepaßt werden.

Als Erstes wird Sahne halbsteif geschlagen, ca 100 ml fülle ich dann in ein separates Gefäß, den Rest aus einer kleinen Packung schlage ich dann steif-der wird meist noch separat gebraucht oder hält sich gut zugedeckt im Kühlschrank.

Als nächsten Schritt sollte man sich der Flüssigschokolade widmen. Jeder hat eine eigene Kreation diese zuzubereiten und ich will gar nicht sagen, daß irgendeine Version die optimale ist. Ich bin ein Fan der dunklen Schokolade guter Qualität. Je besser die Qualität der verarbeiteten Kakaobohnen, desto besser wird der Bicerin, desto fröhlicher sind dann die Gäste, desto mehr Arbeit hat dann der Barista in Folge-vielleicht sollte man bei Schleckermäulchen also schon vorher die dementsprechende Menge der Zutaten einplanen.

Für die Flüssigschokolade nehme ich ca 100ml Vollmilch und ca 30g Schokolade. Die Milch wird erwärmt und die Schokolade aufgelöst. Nachdem die Konsistenz der Flüssigschokolade stark von der Schokolade und deren Kakaoanteil abhängig ist, muß man es immer ein wenig anpassen: Sie sollte eine trinkbare Cremigkeit haben und sich natürlich vollkommen auflösen. Ich bevorzuge auch eine etwas dickere, festere Konsistenz, dann geht die Schokolade nicht so leicht eine Verbindung mit dem Espresso ein.

Jetzt bereite ich einen doppelten Espresso, am Besten aus einer Siebträgermaschine, weil die Crema, die dabei entsteht, sehr gut als Trennboden zur Flüssigschokolade geeignet ist. Wenn Ihr stattdessen eine Bialetti verwendet, dann funktioniert es genauso. Ich verwende beide Zubereitungsmethoden.

Den Espresso (ca 50ml) lasse ich bereits ins Bicerin fließen, die flüssige Schokolade, ungefähr die gleiche Menge, langsam draufrinnen lassen, sodaß die Crema nicht durchstoßen wird. Am Schluß die halbsteife Sahne langsam drüberstreichen. Jetzt sollte man es geschafft haben, daß drei getrennte Schichten entstanden sind. Als Dekoration gebe ich dann noch einen oder zwei Löffel steifgeschlagene Sahne drauf. Obwohl es normalerweise so nicht serviert wird, wird es immerwieder so gewünscht.

Natürlich stellt sich die Frage, ob man einen Bicerin süßen sollte. Ich bin ein absoluter Gegner einen hochwertigen Espresso und erst recht eine hochwertige Schokolade zu süßen, denn Zucker wirkt immer geschmacksverändernd und die einzelnen Komponenten können nicht mehr als solche erkannt werden. Wenn dennoch eine süßere Variante gewünscht ist, dann kann man überlegen, die Sahne zu süßen.

Nachdem die Sahne kalt ist, sollte der Bicerin sofort serviert und getrunken werden.

Jetzt offenbart sich für den Genießer, warum dieses Getränk in drei Schichten serviert werden sollte:  Das Erlebnis beginnt mit der Sahne, die durch die Schokolade eine Betonung erfährt und der Espresso kommt als Abschluß, sozusagen als Krönung nach dem Dessert.

Wenn man die separaten Schichten nicht hinbekommt, dann ist es auch nicht schlimm, eine Köstlichkeit der besonderen Art bleibt es immer; für die Strebsamen unter uns, habe ich in diesem Video eine andere Möglichkeit die drei Schichten zu erzeugen, gefunden.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen!

Tanti cari saluti, Giovanni

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