Die Barcolana – Regatta oder gesellschaftliches Ereignis

Das größte Ereignis für Segelfreunde in der Adria

Nachdem uns jetzt bald der Winter im Griff hat und ich mit Freunden in letzter Zeit über das eine oder andere Erlebnis gesprochen habe, möchte ich eines aus dem Herbst herausnehmen, um das sommerliche Gefühl kurz wieder aufkommen zu lassen.

Immer am 2. Sonntag im Oktober findet ein Event für Segelfreunde statt, das eigentlich nicht versäumt werden sollte. Jeder Skipper, jeder Freund der Winde und der Wellen oder auch nur maritim Interessierte kann ich dieses Zusammentreffen Gleichgesinnter empfehlen: Die Barcolana

Eine Woche vor dem großen Sonntag steht ganz Triest im Zeichen der Coppa d’Autunno (Herbstpokals). Segelbegeisterung überall wohin man sehen kann. Dabei hat man das Gefühl, daß alle plötzlich segeln oder zumindest so tun als ob. Falls man mit der eigenen Yacht kommt, sollte man schon rechtzeitig anlegen, denn sonst werden Liegeplätze rar, nein sie existieren einfach nicht.

Der ganze Golf von Triest wird zu einem Inselmeer, bestehend aus hunderten Yachten, deren Mannschaften vor lauter Begeisterung tagelang nicht schlafen können und nur ein Thema haben: Segeln.

Fragen wie man auf gewisse Situationen am Besten reagieren könnte und wie die Manöver besser gestaltet werden können, sind nicht nur an der Tagesordnung, sondern bestimmen auch die Nachtordnung.

Man hat das Gefühl, als bestünde das Meer aus schwimmenden Lokalen, die als Dekoration einen Mast mit der gesamten Takelage aufgestellt haben. Es ist ein Fest zu Land und zu Wasser.

Und diese Begeisterung kann man natürlich nirgendwo besser ausleben als in Italien und erst recht in Triest. Schon am Ortsanfang steht: Trieste, città della Barcolana. Viele haben sich bis jetzt vielleicht gefragt, was denn das bedeuten solle und kommen jetzt in den Genuß, das größte Segelevent zu erleben, das die Adria zu bieten hat und schon längst identitätsbestimmend für diese wunderbare Stadt ist.

Die Route lauft wie jedes Jahr zwischen Barcola und dem Schloß Miramar. Keine besonders lange Fahrtstrecke, die für Zuseher sehr gut gewählt ist, denn sie ist entlang des Küstenstreifens sehr gut einsehbar und stimmungsgeladen, allerdings für die Skipper ein echtes Problem.

Denn an dieser Regatta nehmen Profis und Amateure gleichermaßen teil und dann ist schnell Schluß mit der Freiheit am Meer. Wenn so wie in den letzten Jahren ca 2000 Schiffe teilnehmen und plötzlich an der Wendemarke die Richtung wechseln (wollen), dann sieht man leider auch oft unverblümt, wer in den letzten Tagen nur vom Segeln redete oder es auch kann.

„Ich bin kein Freund einer Regatta“ sagte ich damals „mir tun die Schiffe immer leid“, daraufhin, wie bestellt, kam sofort das Kontra mit schallendem Gelächter: „Das ist ja keine Regatta, das ist ja nur eine Spazierfahrt!“ Aber leider nicht minder gefährlich: Wenn Anfänger plötzlich 36 Fuß wenden wollen und ein anderer in voller Fahrt daherkommt, sind Konflikte vorprogrammiert und die Yacht sollte einem nicht schade sein – mit kleinen Remplern sollte man locker umgehen können, große muß man geschickt selbst verhindern.

Jeder ist sich selbst der Nächste und man kann nicht erwarten, daß die gegnerische Yacht über einen Skipper verfügt, der die nötigen Seemeilen an Erfahrung hat, daß er der Regatta gewachsen ist. Es ist wie im Straßenverkehr: Rechne mit den Fehlern des Anderen.

Nichtsdestotrotz kann ich jedem Segler dieses Erlebnis ans Herz legen: Die Erfahrenen werden sie schon gesegelt sein und für die Anderen, die gerne einmal an einer Regatta teilnehmen wollen, ist es eine gute Möglichkeit etwas zu schnuppern und Teil einer Begeisterung zu sein, die einem nicht mehr losläßt.

Allerdings muß ich gleichzeitig betonen, daß man am Ufer wahrscheinlich noch viel mehr Spaß hat. Menschenschlangen, lautstarkes gestikulieren, mitfiebern mit Freunden, dazwischen einen gepflegten Espresso – Lebensqualität, die keine Wünsche offen läßt.

Ob man die Barcolana selbst erfährt oder nur ein Teil des Festes am Land ist, ist in diesem Fall jedem selbst überlassen und vollkommen gleichwertig. Den großen Vorteil den aber Segler genießen, sind die nächtelangen Feste auf der Yacht, die durch die Wettkampfstimmung schon einige Tage vorher viel Diskussionsstoff bieten.

An Land locken viele Hotels mit speziellen Angeboten in dieser Woche, die ein Übernachten interessant machen. Viele Feste, Konzerte, Ausstellungen und vor Allem die Segelmesse, die über Neuigkeiten des Segelsports informieren, bieten ein ausgezeichnetes Rahmenprogramm. Eigens aufgestellte Pavillons lassen auch den erwarteten kulinarschen Hochgenuß nicht vermissen.

Ein echtes Highlight, vor Allem für Oldtimerliebhaber, ist die Barcolana Classic: Historische Schiffe, oftmals von beträchtlichem Wert, messen sich in einer Regatta, die den Zuseher schnell in eine andere Zeit versetzen. Klassisches Segeln, wie es unsere Vorfahren noch perfekt beherrschten, läßt auch meinen Puls immerwieder höher schlagen.

Wie auch immer man an diesem Treffen der Yachten teilnehmen möchte, man sollte sich Zeit nehmen. Ich kann jedem nur empfehlen rechtzeitig zu buchen und die gesamte Woche vor der Barcolana zu genießen – es gehört einfach dazu.

Cari Saluti, Giovanni