Auguri di Buon Compleanno Terence Hill!

Mario Girotti wird heute 75 und kein bißchen leise. Terence Hill ein Garant für coole Sprüche und sportliche Einlagen

 

Terence Hill, oder wie er bürgerlich heißt, Mario Girotti, läßt die Herzen der Fans höher schlagen, wenn er Teil eines Films ist und sofort werden auch Erinnerungen an das Duo Terence Hill und Bud Spencer wach.

Wer kennt sie nicht, die Italowestern mit ihren legendären Sprüchen, die wahre Fans schon im voraus zitieren können, wenn sie diese Filme sehen. Ich selbst erwische mich immer wieder, daß ich den Text schon im voraus kenne oder, daß wir mit Freunden um die Wette diese Sprüche klopfen.

Man kann mit Recht sagen, daß Terence Hill einen festen Platz im Gedächtnis unserer Generation eingenommen hat. Filme wie „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Verflucht, verdammt und Halleluja“,  „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, “ Zwei wie Pech und Schwefel“,  „Zwei Missionare“, „Zwei außer Rand und Band“ oder allein in den Filmen „Mein Name ist Nobody“, „Nobody ist der Größte“, „Renegade“, „Lucky Luke“, „Der Supercop“, „Keiner haut wie Don Camillo“,  stellen nur einen ganz groben Überblick dar, die uns an diese großartige Zeit erinnern sollen, die uns eine Menge Spaß im Kinosaal oder vor dem Fernseher bereiteten.

Ich kann gar nicht die Frage beantworten, welcher Film mir am Besten gefallen hat, obwohl die Italoklassiker natürlich ganz oben stehen. Ich kann auch nicht sagen, ob sie mit 4 Fäusten oder jeweils allein mit 2 Fäusten und lustigen Szenen besser zur Geltung kommen. Tatsache ist, daß sie nach 30 oder 40 Jahren (ja so lange sind diese Filme schon her) noch immer faszinieren und vergleichbare Darsteller schwer zu finden sind.

Prügelszenen ohne irgendwelche Verletzungen(!), Drehorte, Figuren und Geschichten machen sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gleichermaßen interessant. Sie sind noch immer spannend und strapazieren die Lachmuskeln, erst Recht, wenn man sie im Freundeskreis unter Gleichgesinnten ansieht.

Die „Schlägerein“ machen es im Grunde immer wieder aus, daß der Spaß nicht zu kurz kommt, aber nie floß ein Tropfen Blut – für heutige Filme beinahe unvorstellbar, in denen die Körperteile sich in Szenen aufzulösen scheinen. Mir sind jedenfalls Geschichten lieber, die zwar die dunkle Seite der handelnden Figuren darstellen, aber sie gleichzeitig auch wieder abschwächen. Das Leben ist hart genug, man muß sich nicht auch noch in der Phantasiewelt damit beschäftigen. Angeblich soll es einmal aus Unachtsamkeit passiert sein, daß ein Treffer nicht vorbeizog – also quasi ein „Arbeitsunfall“.

Während die Filme wohl hinlänglich bekannt sein dürften, so wenig weiß man eigentlich von der Person Mario Girotti, aber die hat noch viel mehr zu bieten.

Geboren am 29. März 1939 in Venedig verbindet er zwei Welten in einer Person: Einerseits die blauen Augen und das blonde Haar der Germanen und andererseits das Temperament und die Feinfühligkeit der Italiener. Während die deutsche Gründlichkeit wahrscheinlich dafür sorgte, daß er erfolgreich war, so war die italienische Seite in ihm dafür verantwortlich, daß der Spaß in der Schauspielerei Ausdruck fand. Obwohl sein Vater Girolamo Girotti einen naturwissenschaftlichen Beruf als Chemiker ausübte und als Yoga Papst Italiens galt und seine Mutter Hildegard Thieme die deutsche Seite einbrachte, war für ihn schon bald klar, daß das Schauspiel seine Erfüllung darstellte.

Terence Hill lebte im Grundschulalter in Deutschland, wo auch sein Vater beschäftigt war, und übersiedelte nach dem 2. Weltkrieg nach Italien, genauer nach Amelia in Umbrien. Hier machte er die Schule fertig und studierte sogar ein paar Semester.

Mit 12 Jahren (!) hatte er aber schon sein erstes Filmengagement im Film „Vacanze col gangster“. Das war ein offensichtlich so prägendes Ereignis, daß er danach mit der Schauspielschule begann. Er schlug also einen vollkommen anderen Weg ein, als er familiär vielleicht vorgegeben schien.

Terence Hill spricht natürlich, bedingt durch seine verschiedenen Wurzeln, Deutsch und Italienisch muttersprachlich und wurde in beiden Sprachen auch als Schauspieler bekannt und sogar berühmt.

Weniger bekannt sein dürfte, daß er in Karl May Verfilmungen in „Old Surehand“ und „Winnetou 2“ dabei war und noch weniger dürften wissen, daß er auch im deutschen Heimatfilm „Ruf der Wälder“ neben Paul Hörbiger und Rudolf Prack mitwirkte.

Es kann also sein, daß Mario Girotti diesen Blogbeitrag in deutsch liest, eine Ehre an die ich als großer Fan seiner schauspielerischen Leistungen, aber auch als Bewunderer seiner Person gar nicht denken mag.

Aber als Weltenbummler gelang es ihm auch in englischer Sprache zu überzeugen und so wundert es nicht, daß ihm auch auf dem amerikanischen Filmmarkt der Durchbruch gelang.

Lustig ist auch die Geschichte wie aus Mario Girotti „Terence Hill“ wurde:

International sah man Schwierigkeiten einen italienischen Namen zu vermarkten und so schlug man ihm ein paar Namen vor und „Terence Hill“ war dann gleich seine Wahl – smart und schnell wie er eben ist.

Terence Hill, der ein Liebhaber von Kunst und Kultur ist, lebt seit mehr als 40 Jahren auf einer Ranch in Massachusetts. Seine Frau Lori Zwicklbauer, die zwar Amerikanerin ist, aber deren Wurzeln auch in Bayern zu finden sind, unterstützt ihn an seiner Seite. Sein Sohn Jess Hill und sein Adoptivsohn Ross Hill begannen sogar noch früher die Schauspielkarriere als ihr Vater.

Jess Hill wurde von uns schon öfter in den Filmen gesehen, als es uns wahrscheinlich bewußt ist: Schon als Baby begann seine Karriere im Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“. Weiters wirkte er in  „Lucky Luke“ und auch in „Troublemaker“ mit.

Im Film „Keiner haut wie Don Camillo“ spielt Ross Hill den kleinen Magrino, der als Aussenseiter von Don Camillo eine besondere Chance bekommt und im Fußballteam als gerissenes Bürschchen mitspielen darf. Eine Rolle, die man sich mit diesem Hintergrundwissen vielleicht noch einmal genauer ansehen sollte, hat diese Situation doch eine besondere Raffinesse und bringt auch einen zusätzlichen Spaßfaktor.

In „Renegade“ spielt Ross Hill den gerissenen Matt, der mit seiner Art genauso wie sein Vater den Cleveren Part übernimmt. Überhaupt schien in diesem Film eine autobiografische Ader dabei zu sein. Schließlich schrieb Terence Hill auch das Drehbuch. So spielte nicht nur sein Sohn den quasi Adoptivsohn, sondern auch die besondere Beziehung zu den Pferden kommt in diesem Film sehr gut zur Geltung – falls es einen Pferdeflüsterer gibt, Terence Hill ist sicher einer von ihnen. Geradezu unglaublich die Schmuseszene mit dem Pferd, hier kommt die menschliche Qualität Terence Hills besonders heraus.

Er liebt den Umgang mit den Pferden, ist ein ausgezeichneter Reiter, wie wir alle wissen, und ein ganz besonderer Naturliebhaber. Diese Eigenschaft macht es wahrscheinlich aus, daß seine Filme immer authentisch wirken.

Doch Ross Hill verunglückte 1990 tödlich bei einem Autounfall.

Auch heute ist Terence Hill noch immer aktiv: Momentan startet in Italien die 9. Staffel von Don Matteo, die er eingangs im Video auch vorstellt. Er spielt darin einen Pfarrer, der der Polizei bei der Lösung von Kriminalfällen behilflich ist.

Weiters  drehte er die Fernsehserie „Un passo dal cielo“ in 2 Staffeln, die erst letztes Jahr auch als Film zu sehen war.

 

 

Eine unglaubliche Persönlichkeit hat heute Geburtstag und wir wünschen ihm

 

Alles Gute, viel Glück und Gesundheit – Terence Hill

 

und wenn einmal ein Problem ansteht, denke an Deinen Satz:

„Laß mal, dem beiße ich eine Beule in den Bart, daß ihm die Hose wegfliegt“

 

Cari saluti, Giovanni

 

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Am Schluß habe ich noch diverse Zitate aus den Filmen – ich wünsche Euch viel Spaß:

 

Terence Hill

Bumse macht und unten ist er, da sieht man mal wie leicht man abstürzen kann.

Wenn Du mich noch einmal duzt, dann hau ich Dir eine Delle in die Gewürzgurke.

So und nun hol ihn raus, den Zahn meine ich, denn wer weiß was Du sonst noch herausholst, ist so schon so eine schlechte Luft hier.

Dann gibt es eine vor die Sapperrinne…

Komm raus, Dir hau ich die Raupen aus der Nuß.

Türen sind zum Aufmachen da, sind ja keine Windmühlenflügel.

Ja, schmeckt gar nicht mal so gut

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Polizei: Du hast die 70 überschritten!

Terence Hill: Dafür sehe ich doch noch gut aus

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Terence Hill: Was hat er, zieht er Nebenluft, hat er offene Socken?

Nein er hat kürzlich eine vor die Birne bekommen, das hat ihm nicht bekommen

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bei der Geisterbeschwörung: Schnarsonier, Schnarsoniiiier, Schnarrrrsoniiiiiierrrrr

Terence Hill: Schnaps und ein Biiieeerrrr,        … das könnte ich jetzt auch vertragen.

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Terence Hill: die gehen nach Ontario in Canada, weiß Du wo das ist?

Bud Spencer: Hinter Jason´s Hütte und dann links.

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Bud Spencer: Habe ich das doch glatt vergessen

Terence Hill: Nicht verwunderlich bei der geringen Anzahl Deiner grauen Zellen.

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Terence Hill: Die haben unsere Mutter beleidigt.

Bud Spencer: was haben sie denn gesagt?

Terence Hill: Sie sei eine alte Hure

Bud Spencer: aber das stimmt doch

Terence Hill: na so alt ist sie nun auch wieder nicht

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Terence Hill: Kennst Du die Malediven?

Bud Spencer: Flüchtig, hab mal mit ihnen gegessen

Terence Hill: Dann kannst Du sie mir ja mal vorstellen

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Türsteher: Ich darf sie nur hereinlassen, wenn sie Mitglied sind:

Terence Hill: Wir sind Mitglied, ohne hätten wir eine zu hohe Stimme.

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Gran Teatro La Fenice di Venezia

Concerto di Capodanno 2014 und die Krönung eines der aufwendigsten Restaurationen

Ich will das Neujahrskonzert in einem der wichtigsten Opernhäuser in Europa zum Anlaß nehmen und mich ein wenig mit dieser akustischen Meisterleistung in Gestalt eines Hauses beschäftigen.

Jeder Fan der klassischen Musik kommt sofort ins Schwärmen, wenn er den klangvollen Namen „La Fenice“ hört, doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet, was der tiefere Sinn dieses Namens ist.

Denn das Teatro La Fenice entstand ursprünglich aus einem Schicksalschlag heraus, der sich in der Geschichte wiederholen sollte und es immer wieder neu entstehen ließ – wie Phönix aus der Asche.

Im 16. Jhd war Venedig schon ein Zentrum der Musik und nahm eine bedeutende Stellung ein, wenn es um Innovationen in der klassischen Musik ging.

Im 17 Jhd wurde die Oper in Venedig modern und viele Opernhäuser wurden errichtet, deren Bedeutung durch zahlreicher Uraufführungen weiter zunahm. Zeitweise gab es in Venedig an die 20 Opernhäuser, die zu einem Hauptanziehungspunkt für Sänger und Komponisten wurden.

Venedig war auch die Stadt, in der es das erste öffentliche Opernhaus überhaupt gab und somit einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichte die Musik zu genießen.

Das schönste und größte Theater war das Teatro San Benedetto, das neben anderen Opernhäusern auch der angesehenen Familie Grimani gehörte. Insgesamt steht in Venedig die Familie Grimani für Kunst und Kultur, bedeutende Sammlungen sind dieser Familie zu verdanken.

Aber das Teatro San Benedetto, das 1755 erbaut wurde, brannte im Jahre 1774 vollkommen nieder und löste einen Streit zwischen der Familie Grimani und der Betreibergesellschaft aus, weil man sich nicht über den Wiederaufbau einigen konnte.

Und wie so oft in der Geschichte löst der Schicksalsschlag auf der einen Seite eine positive Wendung auf der anderen Seite aus und das Gran Teatro La Fenice entstand – größer und schöner als das San Benedetto, ausgestattet mit einem bekannten Namen aus der griechischen Mythologie: Phönix (La Fenice), der verbrennt und aus der Asche wieder neu entsteht und in neuem Glanz erstrahlt.

Der Bau wurde vom Architekten Gian Antonio Selva, einem Vertreter des venezianischen Klassizismus, geplant und in den Jahren 1790-1792 fertiggestellt und zählt sicher zu seinen Meisterstücken.

Die grandiose Akustik führte schnell dazu, daß es zum bedeutendsten Zentrum der Musik wurde und Uraufführungen zuerst im La Fenice stattfanden. Giuseppe Verdi liebte diese Bühne und führte gleich mehrere Opern urauf. Obwohl das Gran Teatro La Fenice in Konkurrenz zur Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel stand, konnte es seine Stellung als außergewöhnliches Haus festigen.

Aber Phönix kam nicht zur Ruhe und ein neuerlicher Brand 1836 zerstörte das Haus nochmals, aber schon nach einem Jahr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es schien so, als ob Phönix immer wieder aus der Asche hervorkam und sich neu präsentierte, nichts konnte diesem Theater anhaben. Auch litt der Ruf nicht darunter, obwohl es während der Sanierung geschlossen war. Weiterhin war es das Zentrum musikalischen Schaffens und wurde weiter gefestigt durch die italienische Uraufführung der Tetralogie der Ring der Nibelungen von Richard Wagner.

Auch die grundlegende Sanierung 1937 durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi, der als Vertreter des italienischen Rationalismus die Rückendeckung Mussolinis genoß, konnte dieser Ausstrahlung nicht schaden.

Auch nicht die Zeit der beiden Weltkriege, in der das Teatro geschlossen blieb, konnte verhindern, daß es nach Ende des Krieges wiederrum ein Lieblingshaus für Komponisten wurde. Es blieb dabei: La Fenice ist am Besten geeignet für die Uraufführung und so wählten auch Prokofiew, Strawinski, Bussotti und viele andere diese Akkustik um ihre Werke bestens in Szene zu setzen.

Doch nochmals schlug die Katastrophe zu: am Montag dem 29. Jänner 1996

Brandstiftung schien das Ende zu sein. Eine Verzweiflungstat des Elektroingenieurs Enrico Carella, der eine Konventionalstrafe fürchten mußte, wegen Verzugs der gerade laufenden Sanierungsarbeiten, führte zum totalen Untergang.

Lange Zeit war fraglich, ob man dieses Haus wiederherstellen und diese einzigartige Akustik wieder erreichen könne.

Aldo Rossi legte einen Vorschlag vor und gewann 1997 die Ausschreibung. Er hielt sich an alte Baupläne, suchte Fotos und Filmdokumente und bemühte sich originalgetreu dieses Meisterstück zu rekonstruieren ohne aber auf moderne Möglichkeiten zu vergessen um alte Überlegungen zusätzlich einfließen zu lassen.

Aldo Rossi, der 1997 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war es leider nicht vergönnt bei den Bauarbeiten dabei zu sein. Die Fertigstellung erfolgte durch Mitarbeiter seines Büros.

Am 14. Dezember 2003 konnte die erste Aufführung stattfinden, vorerst durch ein Konzert dirigiert durch Riccardo Muti. Ein 10 jähriges Jubiläum der Wiedereröffnung wurde letzten Jahres gefeiert.

Erst circa ein Jahr später am 12. Novemer 2004 konnte die erste Oper seit Langem wieder auf der Bühne gespielt werden und zwar mit der besten Bühnentechnik der Welt und der schönsten Oper von Verdi: „La Traviata“.

Ein unschätzbares Kulturgut schien für immer verloren.

Jedoch wurden keine Mühen und Kosten gescheut um dieses Haus wiederaufzubauen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ganz so, als ob nie etwas passiert wäre, ganz im Gegenteil: Altes konnte wiederhergestellt werden und Modernes konnte unauffällig verbessern.

Die Akustik ist vollkommen wiederhergestellt, die Atmosphäre ist geblieben.

Ganz so wie Phönix, der aus der Asche emporstieg und heute noch das Wappen des Hauses bildet.

Ich kann nur jedem Venedigreisenden empfehlen dieses Meisterwerk an Architektur zu besuchen und diese einzigartige Akustik zu genießen: Ein Stück Geschichte mit einem Stück Klassik zu verbinden und nebenbei diese wunderbare Stimmung Venedigs zu spüren. Ein wunderbares Haus, das zu jeder Jahreszeit einlädt einen ganz besonderen Aufenthalt in einer der reizvollsten Städte zu verbringen.

Tantissimi auguri di buon capodanno, Giovanni

Am Schluß möchte ich Euch einladen einen Ausschnitt vom Neujahrskonzert 2014 zu genießen aus Pietro Mascagni´s Intermezzo da Cavalleria Rusticana

Dirigent Diego Matheuz: eine unglaubliche Persönlichkeit, die seit 2011 Chefdirigent am Teatro La Fenice ist.

Fieracavalli 2013

Eine außergewöhnliche Messe für Pferdeliebhaber

Liebhaber des Reitsports oder einfach nur Pferdeliebhaber hatten vorige Woche wieder einen guten Grund ein paar Tage Urlaub zu nehmen: die Fieracavalli 2013 fand wieder in Verona statt und für sehr viele Fans waren vom 7.-10. November die Messehallen ihr zuhause.

Was für Pferdeliebhaber bekannt sein dürfte und gerne besucht wird, möchte ich auch anderen Interessierten nahe legen, denn die Fieracavalli ist nicht nur eine Messe, sondern vielmehr ein großes Treffen, das Spaß macht und Pferde zum „anfassen“ bietet.

Was ursprünglich im Jahre 1898 als einfache Pferdemesse begann, hat nach 115 Jahren eine gewaltige Dimension angenommen. Die Leidenschaft für Pferde ist an jeder Ecke zu spüren und läßt einen vergessen auf einer Messe zu sein, stattdessen kommt  das Gefühl auf, man befinde sich im Reitstall eines Freundes und man feiere eben ein wenig mit anderen Freunden. Das kulinarische Angebot zeugt dann vom guten Geschmack des Gastgebers.

Hunderttausende Besucher zieht dieses Fest der Pferde jedes Jahr an und bewundern ca 2500 Pferde und können sich bei mehr als 600 Ausstellern über Neuigkeiten informieren. Langeweile ist also sicher nicht das Problem dieser Tage, stattdessen verfliegt die Zeit.

Bei all dem Interesse, daß jeder mitbringt, sollte man aber dem Genuß den Vortritt lassen, denn erst mit der nötigen Ruhe kann man diese wunderbare Welt so erleben wie es angemessen ist.

In den Hallen werden nach Themen geordnet, Pferderassen, Pflege und Kleidung gezeigt und dabei bleibt keine Frage unbeantwortet und kein Wunsch unerfüllt.

Die Fieracavalli ist aber vor Allem durch ihre Veranstaltungen interessant: So findet der Worldcup im Springreiten statt und unterstreicht den sportlichen Character der Messe.

Am Abend gibt es den eleganten Teil mit der Gala d‘ Oro Opera, die unter der bewährten Regie von Antonio Giarola jedesmal für Begeisterung und Gänsehaut sorgt. Licht, Musik und Choreografie bildet eine großartige Oper, in der Phantasie und Wirklichkeit verschwimmt und eine großartige Traumwelt vor den Augen des Besuchers erscheinen läßt. Gala d‘ Oro Opera stand heuer ganz im Zeichen des 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi und Richard Wagner und ein weiteres Jubiläum wurde gleich mitgefeiert: Das 100 jährige Jubiläum der Arena di Verona, die seit 1913 wieder regelmäßig für Opern zur Verfügung steht und durch ihre ausgezeichente Akkustik jeden Musikliebhaber den Puls höher schlagen läßt. Bezeichnenderweise wurde diese Arena, die etwa im Jahre 30 nChr errichtet wurde, 1913 mit Aida von Giuseppe Verdi wiedereröffnet. Geschichtsträchtiger Hintergrund, der mit dieser Gala sehr gut dargestellt wurde.

Für die Anhänger des Westernreitens bieten die Westernshows eine geeignete Möglichkeit ihren Interessen nachzugehen und sind auch für die ganze Familie ein Spaß.  Darbietungen der Country-Western Tanzschulen und der Saloon mit der Countrymusik läßt das nötige Flair aufkommen.

Das Kinderdorf (villagio del bambino) sorgt dann endgültig für die Unterhaltung der Kleinen und wurde heuer um einige Attraktionen erweitert.

Eine ganz besondere Messe, die zum Eintrittspreis von €23.- sehr viel zu bieten hat. Die Galavorstellungen und die Turniere kosten zwar extra, sorgen aber dafür auch für eine Extragänsehaut.

Cari Saluti, Giovanni

Kaffee

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Eine philosphische Betrachtung des täglichen Schluck Orient

Der tägliche Schluck Kaffee ist für die meisten Menschen von uns nicht mehr aus ihrem Dasein wegzudenken. Niemand denkt weiter darüber nach, was Kaffee eigentlich ist, was alles dahinter steht und welche Mühen es bedeutet einen guten Kaffee zu erzielen; er wird als selbstverständlich angesehen – so selbstverständlich wie sauberes Wasser.

Aber ist sauberes Wasser selbstverständlich?

Kaffee ist heute ein fixer Bestandteil des Tagesablaufes und wird zu vielen Gelegenheiten bestellt, serviert oder zubereitet. Viele Arten der Zubereitung haben sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und nahezu alle Zubereitungsarten werden noch im europäischen Raum praktiziert, sodaß sich jeder aus dieser Vielzahl seine Methode entwickeln kann.

Während für viele der Filterkaffee (zumindest für den Haushalt) noch immer die beste Form des Kaffees ist, so setzte sich in den letzten Jahren der Espresso immer mehr auch im Haushalt durch. Aber auch die urspünglichen Formen der Zubereitung, die die aus den Herkunftsländern des Kaffees stammen, erfreuen sich wieder großer Beliebtheit: Der Mocca.

Während der Espresso unter den Kaffeeliebhabern als die Krönung des Kaffees gilt, ob der Schwierigkeiten ein optimales Ergebnis zu erzielen, so ist eigentlich die Zubereitung eines Moccas die wahre Krönung des Kaffees; durch einen bis zu 16 stündigen Zubereitungsaktes stellt er die philosphische Art des Kaffeekonsums dar.

Beim Espresso durchlebt man seine persönlichen Entwicklungsschritte; freut man sich am Anfang über den ersten gelungenen Espresso, mit einer Crema, die bestehen bleibt und einem Geschmack, der dem Kaffee entspricht und nicht zu sauer oder verbrannt ist, erreicht man nach einigen Jahren eine gewisse Selbstverständlichkeit den perfekten Espresso zuzubereiten. Jeder, der einmal ein Gefühl entwickelt hat, wie seine Espressomaschine (wir reden hier von einer Siebträgermaschine älteren Baujahres, ohne Cremasieb, vielleicht als Handhebelmaschine) funktioniert und wie er sie bedienen soll, wird den perfekten Espresso reproduzierbar erreichen, egal in welcher Lebenslage: In der Früh schlaftrunken oder gestreßt nebenher im Büro – er wird gelingen und zwar in 25sec.

Abgesehen von anfänglichen Schwierigkeiten und erlernen von Formeln und Parametern, stellt der Espresso die schnellste Form der Zubereitung dar und ist somit meiner Meinung nach eigentlich nicht so gut geeignet, den philosophischen Character des Kaffees hervorzuheben. (Ich brauche nicht zu betonen, daß der Espresso für mich nachwievor immer einer der besten Möglichkeiten, den Kaffee zu extrahieren, darstellt; aber wir wollen uns hier einmal über die wenig selbstverständliche Seite dieses „Kirschkernes“ Gedanken machen, der übrigens süß schmeckt und auch Koffein enthält.)

Jeder sollte einmal bewußt einen Kaffee trinken (können), um sich damit zu beschäftigen, welche Mühen dahinterstehen und welche Opfer erbracht werden mußten, um einen guten Kaffee zu erzielen.

Schon zu Beginn der Verbreitung war es ein sinnliches Erlebnis einen Schluck Kaffee zu genießen. Zu jedem gesellschaftlichen Ereignis gehörte Kaffee – Politik, Wirtschaft, Kirche, Gesellschaft trafen ihre Entscheidungen oftmals von staatstragendem Gewicht bei einer Tasse dieses wundervollen Getränks.

Höchste Zeit sich einmal diesem Genuß von einer anderen Seite zu nähern. Von einer Seite, die die Wenigsten noch betrachtet haben und ich muß gestehen, daß ich in jüngeren Jahren auch meine Gedanken mehr in das optimale Ergebnis meines Espresso gelenkt habe. Jedoch begleitet mich diese Substanz schon mehrere Jahrzehnte meines Lebens, schon bedingt durch die italienische Verwandtschaft, war Kaffee wahrscheinlich das Wichtigste im Haushalt und der Hauptbestandteil vieler Generationen.

Die Entdeckung des Kaffees ist, wie wahrscheinlich bei allen Lebensmitteln zuvor, durch Zufall passiert.

Der Legende nach fraßen Ziegen von einem Strauch mit roten Kirschen in der Region um Kaffa (Äthiopien)  und hüpften danach voller Energie auf der Weide umher. Seitdem gilt Kaffa als das Entdeckungsgebiet des Kaffees.

Mönche erfuhren von diesen belebenden Kirschen und kochten sich einen Sud und konnten nun bis in die Nacht beten und diskutieren.

Von diesen Anfängen kam der Kaffee in die arabische Welt, wo er dann im 15 Jhd die Verbreitung erhielt. Schnell entwickelte sich der Jemen als das Zentrum des Kaffeeanbaus und noch heute hört man, wenn man im Kaffeehaus lange auf den Kaffee warten muß: „Der Kaffee muß wohl noch aus dem Jemen gebracht werden!“

Die Sufis (ein mystischer Orden des Islam) haben den Kahve weiter im Orient verbreitet, denn sie benutzten dieses Getränk, um länger meditieren zu können und ihre Diskussionen bis in die Morgenstunden auszudehnen.

Weiters entwickelten sich Zentren, in denen diskutiert wurde, einfach ein Treffpunkt für die Männerwelt, in dem man eben Kaffee serviert bekam. Diese Zentren entstanden nicht um den Kaffee zu verkaufen oder, wie man heute sagen würde, um eine Vertriebsschiene aufzubauen, sondern der Kaffee mit seiner anregenden Wirkung paßte am Besten zu dieser Ortlichkeit.

Aus diesem Umstand entstand nun der Name: Kaffeehaus

Doch in diesen Kaffeehäusern wurde der Kaffee auf die klassische Art zubereitet: Frisch geröstet in einer Pfanne auf glühender Holzkohle und aufgekocht in heißem Sand. Glühende Kohle, die entstehende Tabakkultur und hitzige Gemüter bewirkten einige Brände im damaligen Istanbul und somit wurden Kaffeehäuser verboten und mit hohen Strafen belegt, wer einen solchen Unruhepool weiter betrieb.

Doch die Koffeinsucht hat längst unkontrollierbare Züge angenommen, sodaß das Verbot nur den Schmuggel belebte und nicht die erhoffte Wirkung hatte, daß das Volk von dem Kaffee lasse.

Es ging sogar soweit, daß, obwohl der Kaffee eine rein männliche Domäne war, sich eine weibliche Szene entwickelte, die dem Kaffeegenuß fröhnte.

Zu dieser Zeit kam der Kaffee auch nach Europa und hatte, wegen seiner Wirkung, die gleiche Erfolgsgeschichte wie zuvor. Waren Kaffeehäuser anfangs Spielhöhlen und Bortelle, so entwickelten sich in der Aufklärung die Kaffeehäuser zu wichtigen, intellektuellen Zentren, die oftmals für die Politik zu einer Bedrohung wurde.

Das Kaffeehaus war wichtiger Nachrichtenübermittler – was in unserer heutigen Kultur die sozialen Netzwerke im Internet darstellen, waren früher diese intellektuellen Hochburgen der Gesellschaft.

In Venedig am Markusplatz steht eines der ältesten Kaffeehäuser Europas: das Cafe Florian aus dem Jahre 1720. Hier wurde die Politik für Venedig entschieden, Geschäfte abgewickelt und es war der gesellschaftliche Treffpunkt.

Wunderschöne Wandmalereien aus dieser Zeit sind heute noch ein wichtiger Bestandteil dieses Cafes.

Ein Kaffeehaus, das von jedem Liebhaber der klassischen Architektur unbedingt besucht werden sollte und für Kulturinteressierte ein Muß, dieses Stück Geschichte einzuatmen.

Man sollte auch heute den Kaffee viel philosophischer sehen und die mystische Energie aufnehmen, als ihn schlecht zubereitet massenweise in sich hineinzuschütten. Allgemein ist aber festzustellen, daß sich viele wieder der urspünglichen Form des Gedankengutes des Kaffees erinnern und alte Zubereitungsarten werden wieder gepflegt.

So wird auch heute noch die ursprüngliche Form des Mocca (wie zu Sultans Zeiten) wieder gerne praktiziert: Rohkaffee frisch rösten, um ihn dann in einem Mörser zu zerstampfen, damit er nicht zu fein wird und er sich beim Kochvorgang absetzen kann. Dann wird er in einer großen Kanne für 4 Stunden gekocht, der Sud blieb zurück, der Kaffee wurde umgefüllt in eine kleinere Kanne usw.

Insgesamt wird der Mocca 4×4 Stunden gekocht bis er genossen werden kann. Einen ehrenwerteren Umgang mit der Kaffeebohne ist wohl kaum vorstellbar.

Am Ende wichtig ist nur eine gute Qualität des Rohkaffees, verbunden mit einer frischen Röstung und einer frischen Mahlung. Wenn die Zubereitung nun mit der Liebe und Sorgfalt der Entdecker erfolgt, ist ein guter Kaffee garantiert.

Der Kaffee ist mehr als nur ein Pausenfüller oder ein schnelles Getränk:

Er ist die Kultur und das Können einer Reihe von Parametern

Cari Saluti, Giovanni

Reihenfolge Serie Commissario Montalbano

 

Commissario Salvo Montalbano dargestellt von Luca Zingaretti, ist eine der erfolgreichsten Krimiserien in Italien.

Sein Einsatzgebiet erstreckt sich auf ganz Sizilien, wobei sein Kommissariat in Vigàta ist.

Vigàta eine fiktive Stadt auf Sizilien, die sich aus mehreren Drehorten an verschiedenen interessanten Plätzen (vor Allem in der Provinz Ragusa, sein fiktives Wohnhaus ist in Punta Secca) Siziliens zusammensetzt, ist sein Heimatort, den er nur ungern verläßt, um zum Beispiel mit seiner Freundin und Lebenspartnerin Livia Burlando (Katharina Böhm) auf Urlaub zu fahren.

Montalbano versucht immer seine Freundin Livia davon zu überzeugen, daß alles Interessante hier in Vigàta oder auf Sizilien ist und er nicht erst irgendwohin fahren muß, um etwas Schönes zu erleben.

Da seine Vorliebe nicht den Vorlieben seiner Lebensgefährtin entsprechen, erzeugt diese natürlich eine gewisse Spannung zwischen den Beiden und führt unweigerlich auch zu einer (fast?) Trennung und provoziert das Bild, daß Salvo Montalbano lieber Junggeselle bleibt, als sich zu binden und zu heiraten, so wie es sich Livia das immer vorstellt, wobei natürlich die Fernbeziehung (Livia wohnt und arbeitet in Genua) auch eine Rolle spielt.

Die Abneigung ein Schiff zu betreten, verstärkt auch die fehlende Reisebereitschaft, die als Liebeserklärung gegenüber Sizilien zu verstehen ist und wahrscheinlich auch so zu sehr viele Sympathien auf dieser Insel geführt hat.

Sizilien ohne Commissario Salvo Montalbano ist in Italien nicht mehr vorstellbar und Luca Zingaretti stellt diese Figur sehr überzeugend dar.

Die schüchterne und doch sehr durchsetzungsfähige, manchesmal auch launische Figur wird von ihm in einer so realitätsnahen Art gezeigt, daß man sich wünschte, ihn jetzt anrufen zu können um schnell mit ihm auf einen Kaffee zu gehen.

Andrea Camilleri, selbst Sizilianer, hat erst im Alter von 70 Jahren diese gigantische Figur geschaffen, die wahrscheinlich nur alle paar Jahre gelingt und mit der sich viele Menschen indentifizieren.

Salvo Montalbano ist eine Persönlichkeit und ein geborener Gerechtigkeitsfanatiker, den er als Polizist teilweise gut und teilweise schlecht ausleben kann; teilweise gut, weil er einen natürlichen Instinkt entwickelt zu haben scheint, kriminelle Machenschaften aufzuspüren und sich nicht fürchtet sie aufzudecken egal welche Authoritäten dahinter ihre Fäden ziehen und teilweise kann er seinen Gerechtigkeitsfanatismus schlecht ausleben, wenn er der Gerechtigkeit auf die Sprünge helfen will, mit Mitteln, die ein Polizist in dieser Form vielleicht nicht wählen sollte. Generell ist Montalbano eine gebildete und belesene Persönlichkeit, die keine Obrigkeitshörigkeit hat, ja ihr sogar immer sehr skeptisch begegnet.

Also ein durch und durch sympathischer Mensch, vor dem sogar die „alte Mafia“ Ehrfurcht hat und immer wieder durch Formulierungen bestätigt: „…, weil Sie ein Mann von Ehre sind…“

Obwohl bei Camillieris Commissario Montalbano alle Teile in sich abgeschlossene Handlungen sind, so unterliegen sie doch einer Reihenfolge, denn Commissario Montalbano und sein Umfeld durchleben eine Entwicklung, die jeweils auf der vorhergehenden Folge aufbaut.

Als Beispiele dienen unter Anderem die Probleme des Adoptivkindes (Francois), das von der Tunesierin stammt, die in einer früheren Folge ermordet und von einer Schwester Mimis aufgenommen wurde.

In diesem Zusammenhang taucht in einer viel späteren Folge in „Der Kavalier der späten Stunde“ auch die Frage nach dem verschwundenen Sparbuch der tunesischen Mutter auf, das sie versteckt hatte, aber plötzlich verschwunden zu sein scheint. Doch dieses hatte Commissario Montalbano bei einem Notar hinterlegt, um die spätere Ausbildung des Jungen zu sichern.

Genauso die Entwicklung mit seiner Freundin Livia. Sein Seitensprung bei der Folge „Die Spur des Fuchses“ würde nicht passen, wenn man nicht von den vorhergehenden Folgen wüßte, daß er momentan von seiner Freundin Livia getrennt lebt und Livia auch den Verdacht erweckt hat, daß sie sich in einen anderen Mann verliebt hat.

Ebenso spielt die Schwedin Ingrid eine wichtige Rolle, die gleich am Anfang vorgestellt wird und ihn in einigen Folgen begleitet als charmante Abwechslung seines Alltags, jedoch entwickelt sich  zum Leidwesen von Ingrid nie eine Beziehung.

Desweiteren die Entwicklung seines Freundes und Kollegen Mimi, der vom Frauenheld zum Familienvater mutiert und versucht immer treu zu bleiben, es ihm allerdings selten gelingt.

Eines der wichtigsten Details ist die Vorliebe Salvo Montalbanos zu sizilianischen Köstlichkeiten. Bei (beinahe) jedem Essen versäumt er nicht zu betonen, wie wichtig es ihm ist, sich voll und ganz auf den Genuß zu konzentrieren und er jede Unterbrechung vermeiden möchte.

So trifft es ihn hart, als plötzlich Calogero, der Besitzer seiner Lieblingstrattoria, in dem er immer zu Mittag ißt, aus gesundheitlichen Gründen schließt und stattdessen Enzo in Erscheinung tritt.

All das würde nicht zusammenpassen, wenn die Reihenfolge nicht genau eingehalten wird.

Um Anderen eine stundenlange Suche der genauen Reihenfolge zu ersparen (ich kämpfte mich tagelang durch, bis sie paßte) schreibe ich hier einmal die Reihenfolge, wie sie meiner Meinung nach im Abgleich des Erscheinungsdatums der Bücher von Camillieri entstanden sind.

Schwierig ist besonders die Reihenfolge der Kurzgeschichten, die aus den Bänden  „Gli Arancini di Montalbano“ und „Un mese con Montalbano“ stammen , woraus einige Erzählungen verfilmt wurden.

Die Reihenfolge von Commissario Montalbano:

1: Die Form des Wassers (La forma dell´aqua)

2: Der Hund aus Terracotta (Il cane di terracotta)

3: Der Dieb der süßen Dinge (Il ladro di merendine)

4: Die Stimme der Violine (La voce del violine)

5: Von der Hand des Künstlers (Tocco d´artista)

6: Das Spiel des Patriarchen (La gita a tindari)

7: Liebe und Brüderlichkeit (Il senso del tatto)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

8: Montalbanos Arancini (Gli arancini di Montalbano)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

9: Der Kavalier der späten Stunde (L´odore della notte)

10: Der Kater und der Distelfink (Gatto e cardellino)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“ (Die Nacht des einsamen Träumers)

11: Das kalte Lächeln des Meeres (Il giro di boa)

12: Gleichstand (par condicio)   Verfilmung einer Geschichte aus „Un mese con Montalbano“ (Das Paradies der kleinen Sünder)

13: Kümmelblättchen (Il gioco delle tre carte)   Verfilmung einer Geschichte aus „Gli Arancini di Montalbano“

14: Die Passion des stillen Rächers (La pazienza del ragno)

15: Die dunkle Wahrheit des Mondes (La luna di carta)

16: Die schwarze Seele des Sommers (La vampa d´agosto)

17: Die Flügel der Sphinx (Le ali della sfinge)

18: Die Spur des Fuchses (La pista di sabbia)

19: Das Ritual der Rache (Il campo del vasaio)

20: Die Tage des Zweifels (L´età del dubbio)

21: Der Tanz der Möwe (La danza del gabbiano)

22: Die Jagd nach dem Schatz (La caccia al tesoro)

in Klammer steht immer der Originaltitel

In diesem Sinne wünsche ich allen Liebhabern des liebenswerten Commissario Salvo Montalbano

Buon Divertimento, Giovanni

Heute: Romanzo Criminale 2. Staffel

Wieder eine Filmempfehlung der besonderen Art

Ein besonderes Schmankerl habe ich heute für Euch – Romanzo Criminale II

Heute 3.7. 23.15  ServusTV

Entstanden unter der Regie des großartigen Michele Placido, vielen bekannt aus der Serie „Allein gegen die Mafia“ („La Piovra“).

Er, Michele Placido, ist nicht nur groß geworden mit dem Thema Mafia, sondern es hat ihn auch nie losgelassen und so kehrte er in dieser Serie wieder zurück zu seinem Lebensthema.

Für diejenigen unter Euch, die die erste Staffel auf deutsch gesehen haben, ist jetzt die Gelegenheit die 2. Staffel in dieser Sprache zu sehen.

Für Alle, die den Film schon auf italienisch gesehen haben, sollten sich auch die deutsche Synchronisation ansehen, denn ich finde sie einerseits sehr gelungen und andererseits ist es wahrscheinlich eine der wenigen Chancen diesen Film je auf deutsch zu sehen.

Romanzo Criminale beschreibt in einer teils sehr harten, dafür aber realitätsnahen Art und Weise den Aufstieg einer anfangs kleinen Bande, einer Gruppe von Freunden, die sich geschworen haben, Rom zu unterwerfen.

Sie sind gemeinsam aufgewachsen und nutzen ihre mafiosen Beziehungen um ihren Einfluß zu vergrößern. Doch die Macht hat wie immer auch eine Kehrseite.

So schnell wie sie aufgestiegen sind und so schnell, wie die Macht über Rom groß geworden ist, so stark belastet es die Freundschaft innerhalb der Gruppe.

Der Libanese (Francesco Montanari), der selbsternannte Anführer der anfänglichen Bande und später DER Verbrecherorganissation in Rom versucht immer wieder die Freundschaft zu erhalten und auch zu stärken, stößt allerdings auch auf seine Grenzen, Einfluß auf die freundschaftliche Beziehung unter den Mitgliedern zu nehmen.

So spielen genau diese Querelen unter ihnen Commissario  Scialoja in die Hände.

In der 2. Staffel werden wir sehen, ob es Commissario  Scialoja gelingen wird, die Macht und die Größe, die sie erreicht haben, aufzubrechen.

Ich kann jedem diesen Film empfehlen, der so wie ich italophil angehaucht ist, oder sich mit italienischen, gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzt. Michele Placido ist es gelungen ein außergewöhnliches Werk zu schaffen, das nichts beschönigt und die Mafia sicher nicht verherrlicht, ganz im Gegenteil:

Der Film ist nichts für schwache Nerven. Ohne irgendwelcher Gewaltverherrlichungen gelingt es Michele Placido eine reale Härte darzustellen, die notwendig ist, um ein authentisches Bild zu schaffen.

Obwohl der Film im Jahre 2005 entstanden ist, aber in der Zeit zwischen den 60-80ern spielt, ist es eine wahre Meisterleistung ein zeitgemäßes Abbild zu schaffen. So ist der Film auch allen Old- und Youngtimerliebhabern ans Herz gelegt. Denn die große Anzahl der automobilen Schätzchen wird man in einem modernen Film sonst nicht so leicht zu sehen bekommen.

Buon Divertimento, Giovanni

Come fare un espresso perfetto

Oder wie bekomme ich den perfekten Espresso!

Dieser Beitrag ist einer sehr lieben Bloggerin gewidmet, aber auch vielen Anfragen, die mich immer wieder erreichen.

Nach vielen Diskussionen, ob es sooo viele Umstände bereitet einen guten Espresso herzustellen und dabei den Gedanken einer Erfindung und Liebhaberei zu der wahrscheinlich einzig richtigen Art des Kaffeekonsums fortzuführen, muß ich hier einmal einen kleinen Beitrag dazu schreiben:
Zu allererst:

Ein guter Espresso dauert 25 sec und soviel Zeit sollte auch in der Früh sein!!!   

die richtige Vorbereitung und einige geübte Handgriffe vorrausgesetzt, darf es auch gar nicht länger dauern!

Aber fangen wir systematisch an:

Die Formel von der Università del Caffe di Trieste für die perfekte Espressozubereitung lautet:

In 25 sec muß ca 90 Grad heißes Wasser mit ca 9 bar Druck durch ca 7g Kaffeemehl gepresst werden um ca 25ml des köstlichen, cremeartigen, schokoladigen Espresso, mit ca 100 mg Koffein zu erzeugen.

So die Theorie und eigentlich bin ich mit der Erklärung schon fertig.

Aber jetzt kommt es: Auf die circa in der Formel kommt es an, ob ein Barista einen guten Espresso macht oder eben nur einen Espresso, wenn er es denn überhaupt wird.

All das im Folgenden gesagte bezieht sich auf die Siebträgermaschine und stellt nur einen kleinen Auszug dar, der sicher noch viele Fragen aufwerfen wird, die immer wieder in meinem blog weiterbehandelt werden.

Die Bialetti (Perkulator oder Steigrohrmaschine) wird am Schluß erläutert, jedoch stimmen alle Überlegungen auch für diesen Espressokocher und das Wissen hilft, trotz nicht(!) vorliegender Parameter, einen sehr guten Espresso zu bereiten und dennoch ein wesentlich besseres Produkt zu erzeugen, als in manchen Gastronomiefachwerkstätten, in denen schlecht bezahlte Helfer eine Espressomaschine bedienen und versuchen einen Kaffee zu bereiten, der beim Zusehen schon zum Scheitern verurteilt ist.
Sehr oft wird dieses Problem dann mit einem Vollautomaten (ein geschlossenes System ohne Siebträger) zu vertuschen versucht, der aber genausowenig mit dem Espressogedanken zu tun hat, wie das andere System, bei dem die Brühgruppe aus einer Kapsel besteht.

Ein Espresso ist immer ein Ausdruck persönlicher Fähigkeiten und zeugt von einer besonderen Wertschätzung des Gastes.

Den eigens zu bestellenden, persönlichen Schluck, dessen Geschmack man gerne mit sich herumtrug:

Im Folgenden versuche ich Euch somit den Genuß des Espresso auch zu unmöglichen Zeiten und in jeder Situation schmackhaft zu machen.
Was bedeutet eigentlich das Wort „Espresso“?
Espresso stammt vom ital. Wort „esprimere“ und bedeutet „aussagen, ausdrücken“ und nicht, wie viele glauben, „mit Druck gemacht“ oder „gepresst“.
Das Wort „Espresso“ stammt aus einer Zeit, in der der Kaffee noch teuer und einem exklusiven Kreis vorbehalten war und es eine besondere Wertschätzung dem Gast gegenüber bedeutete, wenn der Kaffee extra für ihn zubereitet wurde.
Ein Espresso ist somit ein Kaffee, der extra (ausdrücklich) für diesen Gast zubereitet wurde.

Wir beschäftigen uns im Rahmen der 5 M (?) mit allen wichtigen Aspekten und streifen das gesamte Wissen, das ich in Form von mehreren Schiffsladungen Rohkaffees mir angeeignet habe.
Der letztendliche Erfolg des gelungenen Espresso hängt aber von der Übung, der richtigen Abstimmung und der richtigen Einstellung zur Materie ab

Was bedeuten nun die 5M:

1. Mischung
2. Menge
3. Mühle
4. Maschine
5. Mensch

1. Mischung

Das Wichtigste für einen guten Espresso ist ein guter Kaffee
Ja, welchen Kaffee
Robusta, Arabica, eine Zimtröstung, oder City Roast oder doch einen full city roast und wieviel Robusta soll dabei sein; welchen Kaffee brauche ich für einen Ristretto?
Wer mir jetzt nicht folgen konnte sollte hier schon einmal aufmerksam lesen, denn hier beginnt die Espressozubereitung:

Für einen Espresso ist unbedingt eine Espressoröstung erforderlich und die Röstung sollte maximal 14 Tage her sein.
Man kauft also einen Rohkaffee (ich bevorzuge Mittel-, Südamerika mit ca 30% Robustaanteil) und befülle meine Rösttrommel um dann…             nein, wir wollen uns einmal auf die grundsätzlichen Fragen konzentrieren

Wer sich also nicht die Arbeit antut und seinen Kaffee selbst röstet, was ich übrigens auch nicht mache, der sollte trotzdem zu einem guten Ausgangsmaterial greifen.
Am Besten ist es noch immer, wenn man zu seiner Rösterei geht und sich seinen Kaffee besorgt, den man für sich bevorzugt, allerdings sind Rösterein mittlerweile fast ausgestorben.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich mit meiner Vespa in meiner Studienzeit immer in die Rösterei gefahren bin: 1kg Kaffee, einen Espresso vor Ort und den Duft von der frischen Röstung in der Nase

Wenn man allerdings einen Industriekaffee aus dem Supermarkt wählt, so sollte man Folgendes beachten:
Den besten Rohkaffee nehmen noch immer die italienischen Marken, wie Lavazza, Segafredo, vor Allem Lucaffe und auch der Illy, allerdings kann ich zu diesem Preis schon zu einer Rösterei fahren
Es braucht nicht extra von mir erwähnt werden, daß man ihn in ganzen Bohnen kauft, abgesehen davon, daß es Espressokaffee kaum gemahlen gibt

Während man den Röstgrad nicht beeinflussen kann, so kann man sich die Mischung mittlerweile schon recht gut aussuchen, denn in den letzten Jahren ist man dazu übergegangen die Mischung endlich auf die Verpackung zu schreiben.

Übliche Mischungen sind 100% Arabica, 70% Arabica 30% Robusta oder 50/50, seltener sind 70% Robusta und 30% Arabica.
Während nun Arabica der teurere Hochlandkaffee ist und viel empfindlicher, weil er nur in einer gewissen Höhe wächst, wird der günstigere Robusta dazugemischt um einen höheren Koffeingehalt (bis zu 5mal mehr) zu erhalten.
Arabica Bohnen sind für die Crema verantwortlich, während die Robusta die Geschmacksbasis verleiht und den Koffeingehalt (wesentlich) erhöht.

Aber eines sollte jedem klar sein: die Röstung eines Kaffees sollte für die richtige Espressozubereitung nicht länger als eine Woche her sein, denn je älter er wird, desto instabiler wird die Crema und der Geschmack ohnehin.
Es darf sich somit niemand wundern, wenn er die Crema nicht so schön hinbekommt oder der Geschmack einfach nicht so gut ist, wie erwartet.
Einfach einmal einen frisch gerösteten Kaffee besorgen und probieren

Meine Empfehlung: Rohkaffee Mittel-, Südamerika, Arabica, max 30% Robusta, Italian Roast-French Roast (dunkle Röstung)
2. Menge

Die Menge des Kaffeemehls sollte ca 7 g betragen für ein 1er Sieb, kann aber natürlich stark variieren.
Das sehr beliebte Marzocco Sieb hat z.B. sehr gerne 9g.
Es kommt halt tatsächlich auf die Maschine an, welche Menge am Besten geeignet ist, einen guten Espresso zu bereiten und um nach der Extraktion einen festen, trockenen Kaffeepuck zu erreichen.

3. Mühle

Das wohl leidigste Thema: Kein Anfänger, aber wirklich kein Anfänger glaubt, daß die Mühle wichtiger ist als alle anderen Überlegungen
Bitte glaubt mir, ohne Mühle braucht Ihr gar nicht anfangen.
Sie entscheidet über den guten Geschmack, über den Druck, über die gleichmäßige Extraktion und somit über den ganzen Espresso.
Nein, nicht die Maschine entscheidet darüber, sondern NUR die Mühle!
Die Mühle entscheidet über den Geschmack, weil der Kaffee unbedingt frisch gemahlen werden muß, der Mahlgrad auf die Maschine und Kaffee (Fettgehalt, Öle, Röstung) eingerichtet werden muß, um den richtigen Druck von 9 Bar zu erzeugen und somit auch die richtige Crema zu erzeugen.
Merke: Ohne frischgemahlenen Kaffee keine Crema und ein Cremasieb erzeugt keine Crema, sondern einen aufgeschäumten Kaffee mit ein paar Ölen, die mitverquirlt werden und hat somit nichts mit einem Espresso gemein.

Als Merkregel gilt: Die Mühle muß eine Espressomühle (sehr feiner Mahlgrad) sein mit Scheiben- oder besser Kegelmahlwerk.
Auch Handmühlen sind sehr gut geeignet, weil sie ein Kegelmahlwerk haben und durch die geringe Umdrehungszahl keine Erwärmung des Mahlgutes entsteht, die die Aromen sofort verflüchtigen läßt.
Somit scheidet die Schlagmessermühle von vorhinein aus, weil sie kein gleichmäßiges Mahlgut erzeugen kann und durch den Schlagmechanismus, das Mahlgut erhitzt und den Kaffee im Mahlvorgang zerstört.
Freaks verwenden sehr gerne Handmühlen aus oben genanntem Grund und weil es zur Zeremonie dazugehört.
Auch ich verwende nur Handmühlen mit einem Kegelmahlwerk

4. Maschine

Der an sich vollkommen überbewertete Aspekt. Es gibt schon sehr viele Unterschiede bei den Maschinen, aber jeder muß für sich entscheiden, was ihm wichtig ist; ob jemand Einkreis- oder doch lieber ein Zweikreissystem oder sogar Dualboiler haben will und das Ganze mit oder ohne E61 Brühgruppe, bleibt jedem selbst überlassen.
Puristen bevorzugen wieder Handhebelmaschinen, bei denen man entweder eine Feder vorspannt oder selbst Druck auf den Hebel ausübt und selbst für den richtigen Druck verantwortlich ist.
Der Espressogedanke wird bei einem Handhebler sicher besser ausgelebt, weil man noch mehr über die Eigenheiten der Aspekte Bescheid wissen sollte, als bei Kaffeemaschinen mit einer Vibrationspumpe.

Ich bevorzuge auch die Stille beim Handhebelerlebnis

9 Bar Druck wird benötigt, weil sich ab ca 6 bar Druck die ätherischen Öle extrahieren lassen und die beste Extraktion bei ungefähr 9 bar passiert und genau diese Öle sind für die stabile Crema verantwortlich.

Diese Crema kann man dann sehr gut testen, indem man einen Löffel Zucker daraufpacken kann, ohne daß er gleich verschwindet, wie z.B bei einem aufgeschäumten Kaffee, den der Vollautomat macht oder moderne Siebträgermaschinen mit dem sogenannten Cremasieb und einer darunterliegenden Gummimembran

ca 7 g Kaffeemehl ins Sieb mit ca 2 bar Druck festpressen und fertig ist der Kaffeepuck, der nach der Extraktion schön fest und trocken aus dem Sieb fallen soll – ganz einfach oder?

Die Maschine insbesondere die Brühgruppe gehört vorgeheizt!
Das funktioniert in der Früh am Besten mit einer Zeitschaltuhr, die die Maschine schon 30 min vor der ersten Benutzung aufheizt.
Vor dem Bezug gehört der Siebträger (ohne Kaffeemehl) natürlich in die Brühgruppe, weil er vorgewärmt gehört.
Das kann man beschleunigen, indem man einen Leerbezug (ohne Kaffeemehl) durch den Siebträger läßt, danach gut abtrocknen und dann den richtigen Bezug.
Dieser Leerbezug ist immer wichtig, damit das „alte“ Wasser aus der Brühgruppe kommt und frisches Wasser aus dem Kessel nachkommen kann.

Die Tassen sind dickwandige ca 50ml Tassen, die immer auf der Maschine vorgewärmt stehen oder mittels Leerbezug auf Temperatur gebracht wurden, sonst sind die 25ml Espresso sofort kalt.

5. Mensch

Nicht zuletzt kommt es auf den darauf an, der die gesamten Teile zusammensetzt und die Maschine bedient.

Aber eines ist klar: Die Maschine kann am Wenigsten beeinflussen, obwohl Espressoanfänger das immer glauben:
Merke: Die Maschine macht Wasser heiß und macht 9 Bar Druck, sonst NICHTS – den Rest müßt ihr machen und keine Kapsel der Welt, wird Euch diese schöne und faszinierende Arbeit abnehmen.

Von diesen 5 Faktoren hängt es ab, ob ein Espresso gelingt und diese 5 M müssen so aufeinander abgestimmt werden, daß nach 25 sec 25 ml Kaffee in der Tasse sind-nicht länger darf es dauern und nicht mehr Inhalt darf in der Tasse sein.
Wenn das erreicht wurde, dann ist es geschafft: der perfekte Espresso!

Und wie sieht es jetzt mit der Bialetti aus

Hier ist die ital leggerezza gefragt, denn bei ihr paßt eigentlich gar nichts, obwohl eigentlich alles paßt
Wir haben hier nur ganz wenig Druck (ca um die 3bar, kommt auf das Tampen an) und das Wasser ist unter Umständen zu heiß- all das kann man allerdings bewußt steuern und macht es interessant aus diesem einfachen Konzept etwas Geniales zu fabrizieren
Unerläßlich ist auch hier ein möglichst frisch gerösteter Kaffee und natürlich frisch gemahlen. Den Mahlgrad so wählen (ausprobieren!), daß man den Kaffee im Sieb etwas tampen kann und das Wasser gerade so durchgepreßt werden kann, OHNE daß sich das Überdruckventil öffnet.
In den Kessel nur Wasser bis zur Markierung nicht darüber, falls keine Markierung im Kessel sichtbar, dann bis zur Hälfte des Überdruckventils oder darunter.
Das Sieb darf nicht im Wasser schwimmen, denn das Wasser braucht Platz zum Ausdehnen und soll nicht zu kalt durch das Kaffeemehl gepreßt werden. Es können sonst keine Aromastoffe gelöst werden!
Die Platte auf maximale Hitze vorheizen und dann den Kocher draufstellen.
Bei Gas die Flamme eher klein halten, so daß der Griff nicht abbrennt. Die Wärmeentwicklung ist hier wesentlich besser für den Kocher.
Jetzt bei geöffneten Deckel zusehen wie der Kaffee hochsteigt und sich die Crema entwickelt, sobald die Kanne zu brodeln beginnt (vorher den Deckel schließen!) den Kaffee vom Herd nehmen und sofort ausgießen und nicht in der Kanne belassen. Wenn der Kaffee in der Kanne belassen wird, kocht er nach und der Geschmack geht verloren, genauso, wenn die Kanne auf dem Herd belassen wird, wenn bereits der heiße Dampf ausgeblasen wird- dieses „Druckwasser“ hat bis zu 160 Grad und ab 92 Grad verbrennt der Cafe und macht ihn bitter (natürlich erst recht bei 160 Grad)
Wer es nicht glaubt, kann es ausprobieren: Den Kaffee ausschenken, der vor dem Austritt des Dampfes entstand und das Druckwasser, das nachher entsteht in eine eigene Tasse geben und kosten: Guten Appetit!
Wichtig: Die Alu-Bialetti NIEMALS in den Geschirrspüler geben oder sonst mit Seife waschen.
Nur mit klaren Wasser ausschwemmen-fertig. Laugen und Säuren zerstören nicht nur das Aluminium, sondern auch das gesamte Aroma, das im Material entsteht.
Das Kaffeefett und die Öle brennen sich nämlich ein und der Kaffee wird mit jedem Mal besser und cremiger-eines der großen Geheimnisse des Aluminiums.

Eines ist klar: wir sprechen hier von einem Moka (der kein Mocca ist), d.h. eigtl sind es Ristretti und genauso sollten sie auch genossen werden, denn der Koffeingehalt von einer Bialetti ist schon recht ordentlich

Jedenfalls gibt es für den morgendlichen Koffeinstoß nichts Besseres als einen Kaffee aus der Bialetti
Der Giovanni liebt alte Techniken und Puristisches und läßt daher die Kultur der Espressokanne auch weiterhin hoch leben.
Ich bin der Meinung, daß richtiger Espresso OHNE Strom entstehen muß, dann ist der Espressogedanke optimal verwirklicht

Ich habe in diesem Beitrag alles nur allgemein behandelt, weil ich nicht weiß, welche Maschinen Ihr habt und über welches Wissen Ihr verfügt, aber gerne bin ich bereit, die Feinheiten, auf die es im Endeffekt ankommt, noch weiter auszuführen.

So und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Herumprobieren

Tanti Saluti, Giovanni

P.S.:
Die klass. Espressokultur besteht nur aus Espresso, Ristretto (verkürzt auf 15ml) und Cappuccino
der Rest ist de facto nicht existent: ein Cafe Latte oder Latte Macchiato sind neuzeitliche Erfindungen und eigtl Kindergetränke, weil mit viel Milch zubereitet, aber erfreuen sich  immer größerer Beliebheit.
Wer aber auf sich hält, trinkt ausschließlich (einfachen!) Espresso oder (nur!) vormittags einen Cappuccino (vielleicht mit latte art) und wie man diesen zubereitet, ist wieder eine extra Geschichte, die ich Euch gerne später einmal erzähle