La Processione dei Misteri a Trapani

 

Ostern auf Sizilien und die Mysterienprozession in Trapani

 

Viele haben wahrscheinlich schon mitbekommen, daß ich ein großer Fan von traditionellen Festen bin. Dabei ist es auch völlig egal, ob es einen kirchlichen oder einen geschichtlichen Hintergrund gibt, der im Übrigen ohenhin meist derselbe ist, zumindest in Italien. Die Ausstrahlung und die Emotionen, die von solchen Festen ausgehen, sind meist nur schwer in Worte zu fassen und sollte jeder für sich einmal erleben, wenn er sich darauf einlassen möchte.

Natürlich kann man auch „oberflächlich“ daran teilnehmen und sich einfach diese Traditionen ansehen, quasi als turistische Attraktion, aber ich nehme an, daß genau solche Besucher eher nicht zu den Lesern meines Blogs gehören. Deswegen schweife ich gerne auch etwas aus, damit man die Zusammenhänge besser verstehen und dann für sich entscheiden kann, ob man dorthin fährt und es auch miterleben will.

Traditionen werden in Italien hoch gehalten und ganz besonders Christliche, wobei ich jetzt nicht unbedingt nur die Gläubigen ansprechen möchte (wir essen ja auch alle Ostereier und sind keine Heiden). Christliche Feste in Italien sind viel mehr als eine zur-Schau-Stellung kirchlicher Reliquien, es ist auch immer eine Zusammenkunft von vielen, die einfach gemeinsam ein Erlebnis zelebrieren. Und je weiter man in den Süden kommt, desto intensiver werden solche Erlebnisse; das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich immer gerne „ganz weit unten“ unterwegs bin.

So möchte ich heute ein Osterfest vorstellen, das mir besonders am Herzen liegt und das jedem zu empfehlen ist, der die italienische Seele intensiv erleben möchte:

Die Mysterienprozession in Trapani

Sizilien ist immer ein Erlebnis und dieser Insel gehört auch meine emotioniale Aufmerksamkeit, egal zu welcher Jahreszeit; aber Ostern ist auf Sizilien etwas Außergewöhnliches. In nahezu jeder Stadt gibt es Prozessionen in der Karwoche, die scheinbar nicht enden wollen. Wenn man nicht so der Genießer ist oder vielleicht mehreres auf einmal erleben möchte, könnte man von Stadt zu Stadt fahren und an mehreren Prozessionen teilnehmen und man müßte nicht einmal schlafen gehen, denn einige dauern in der Nacht an.

Keine Frage: Ostern ist in Italien wichtiger als Weihnachten und ganz besonders auf Sizilien. Manche Prozessionen fangen bereits einige Tage vor dem Karwochenende an und könnten wirklich vorher noch besucht werden, obwohl ich von solchen, fast schon gestressten, Aktivitäten eher wenig halte; der Genuß bleibt einfach auf der Strecke. Der wahre Interessierte wird öfter Sizilien besuchen und jedes Mal ein anderes Fest ansehen, aktiv daran teilnehmen und dieses tiefe Empfinden mit nachhause nehmen.

Eine der größten Prozessionen findet alljährlich in Trapani statt, die am Karfreitag beginnt und die ganze Nacht fast 24 Stunden hindurch bis zum Karsamstag andauert. Sie ist aber auch eine der ältesten: Seit 400 Jahren werden die 20 Darstellung der Passion Christi durch die Altstadt getragen. Die Statuen sind dabei aufwendigst verziert und gekleidet und montiert auf einer sogenannten „Vara“, einer Art Holztisch mit langen Tragarmen vorne und hinten. Man muß sich das Gewicht vorstellen, wenn die Holzfiguren auf einer Holzkonstruktion stehen und dann noch der ganze Schmuck inklusive Kerzen dazukommt – den Rest erledigt dann die Zeit, in der diese Szene herumgetragen wird. Getragen wird es meist von mind 10 „Massari“ (Träger), die sich voller Stolz immer wieder dazu bereiterklären.

Das Entscheidende an dieser Prozession ist aber die gesamte Stimmung, die davon ausgeht. Während eine kluge Beleuchtung dieser Darstellungen selbst, das Leiden durch eine Licht-Schatten Wirkung besonders schmerzvoll darstellt, kommt auch noch die typische sizilianische Blechblasmusik dazu, die nach meiner Meinung unübertroffen schön zur christlichen Kultur paßt. Diese sakrale Musik ist für mich eine eigene Musikrichtung, die es unbedingt zu erhalten gilt und zu Sizilien gehört wie das Meer.

Im  „annaccata“, ein eigener Wiegeschritt, der sich an die Trauermusik anpaßt, werden dann die Figuren durch die Gassen getragen: Mehrere hundert Kilogramm vom Karfreitag, die ganze Nacht hindurch bis zum Karsamstag – von der Kirche Delle Anime Sante del Purgatorio, in der die Figuren aus dem 16 Jhd aufbewahrt werden und wieder ebendorthin. Eine unglaubliche Leistung der Träger, der Musik (Instrumente werden in dieser Zeit genauso schwer) und ALLER Beteiligten.

Diese Schmerzen, die damit verbunden sind, werden offensichtlich durch die gesamte Stimmung, die dabei vorherrscht und, ich möchte behaupten, dem rauschähnlichen Zustand, einfach ausgelöscht. Unglaublich, wie sich alle Beteiligten, Akteure und Zuseher, sich darauf einlassen. Es schließt sich somit der Gedankenkreis, den ich vorher mit der Behauptung  „man solle sich darauf einlassen“  geöffnet habe: Es wäre schade, wenn man sich diese Leidenschaft nur nebenbei ansieht, als EINE Attraktion unter mehreren.

Jeder Italienlienhaber wird mir Recht geben, daß man nirgendwo sonst einen tieferen Einblick in die Seelenstruktur Italiens bekommt, als bei solchen Prozessionen. Es gehört einfach alles dazu: Das langsame Einstimmen in der Karwoche und das emotionale Ausklingen am Karsamstag Abend.

Ein Erlebnis von dem jeder sehr lange zehren kann, wenn er ein annäherndes Verständnis mitbringt und diese wunderbare Insel geistig erfassen kann.

 

Buona Pasqua, Giovanni

 

 

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Verona in Love

„Se ami qualcuno portalo a Verona“

Wenn Du jemanden liebst, dann bring´ ihn nach Verona

Italien ist das Land der Feste, Italien ist das Land der Freude und Italien ist das Land der Liebe. Das wußte schon Shakespeare und wählte für die Tragödie von Romeo und Julia Verona aus.

Und in Verona findet auch ein ganz besonderes Fest statt, das italienischer nicht sein könnte; es ist am Wochenende nach dem 14. Februar, dem Valentinstag.

Es wird geküßt, geliebt, verlobt und geheiratet in dieser Zeit, in der Verona in Love ist. Während im nördlichen Raum der Valentinstag ein eher stiefmütterliches Dasein fristet, so erlebt er in Italien eine wahre Renaissance und das jedes Jahr. Jeder, der frisch verliebt ist oder auch nur seinem Partner zeigen möchte, wie er ihn liebt, sollte einmal an diesem Fest teilnehmen. Es gibt viele Angebote zu nutzen, die oftmals zu zweit billiger sind. Es ist die ganze Stadt darauf ausgelegt, daß man sie an diesem Wochenende zu zweit besucht und selbst wenn man allein die Stadt der Liebe besucht, sollte man unter Umständen auch in den Genuß der Zweisamkeit kommen. Denn an diesem Wochenende ist niemand gerne allein.

Eines vorweg: Am Besten reist man mit dem Zug nach Verona, die ÖBB und DB waren unter Anderen Sponsor von Verona in Love und hatten täglich 5 Abfahrten ab München zum Sonderpreis parat. Und nochetwas ist zu beachten: Die Unterkunft sollte man rechtzeitig buchen, wenn man nicht gerade die Möglichkeit hat bei Freunden unterzukommen. Sehr viele buchen die Unterkunft schon weit im Voraus, weil dieses Treffen der Liebenden gerne regelmäßig besucht wird. Man darf sich also nicht wundern, wenn  man einige bekannte Gesichter im nächsten Jahr wiedersieht.

Wenn man die Zeit aufbringen kann, sollte man bereits am Anfang der Woche anreisen, denn man braucht durchaus seine Zeit, bis man sich seine Aktivitäten vor Ort aussucht. Außerdem ist es schön mitzuerleben, wie eine Stadt in eine Art Ausnahmezustand gerät.

Im Smartphone Zeitalter stellt Verona hierfür eine eigene App zur Verfügung, die eine social media function beeinhaltet und somit eine Kommunikation unter Verona in Love Teilnehmern ermöglicht. Übrigens ist dabei italienisch nicht die einzige Sprache, die geschrieben wird. Ein nette Variante das Fest noch kommunikativer zu veranstalten. Generell wird man schnell Anschluß finden, wenn man es denn will.

Langeweile kommt aber sicher nicht an diesen Tagen auf, wenn man sich von der Stimmung mitreisen läßt. Spezielle Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen und italienisches Treiben – und egal wohin man blickt fröhliche und scheinbar frisch verliebte Menschen.

Das Zentrum bildet das Cuore da Scoprire: Ein Herz inmitten der Stadt auf der Piazza dei Signori: Ein Markt in Herzform, mit rotem Teppich in der Mitte, voller regionaler Spezialitäten und Handwerkskunst. Es bildet eine Art zentralen Treffpunkt, von dem man irgendwie immer ausgeht und wieder hinkommt.

Bedanken muß man sich bei dem Veranstalter für die schöne Dekoration, die ganz romantisch ausgelegt, mit roten Herzen an allen Ecken, eine verliebte Grundstimmung schaffen. Aber auch die Geschäfte wurden für diese vier Tage neu dekoriert.

Am Donnerstag Abend geht dann das verschmuste Wochenende offiziell los mit einer Eröffnungsfeier um 17.00 Uhr, oder anders ausgedrückt, bei Einbruch der Dunkelheit. Passend, nachdem man vorher die Möglichkeit der Walking Tour in Love genossen hat. Für jemanden, der das erste Mal in Verona ist, eine gute Gelegenheit die romantischen Plätze Veronas von einem Profi gezeigt zu bekommen. Nebenbei ist im Preis der Führung auch der Eintritt der Torre dei Lamberti, die Türme von denen man das rote Herz aus Marktständen aus der besten Perspektive sieht, nämlich von oben.

Wenn man die Unterkunft nur mit Frühstück gebucht hat, hat an diesen Tagen seine Vorteile: Denn in Verona gibt es die Möglichkeit ein spezielles Liebesmenü (due cuori a tavola) zu bestellen und zwar in den teilnehmenden Ristoranti in Love. Ich ziehe es allerdings immer vor, mich an den Ständen der Piazza dei Signori durchzukosten und zwischendurch muß ich dann ohnehin den sinkenden Zuckerspiegel an der Piazza Bra bekämpfen, denn hier sind die Dolcemente in Love: Hausgemachte Patisserie, die jede Naschkatze (-kater) schnurren läßt – mit einem oder zwei Espressi als Abrundung, ein Pflichtprogramm zwischen den anderen Vergnügungen.

Am ersten Tag (vormittags) sollte man sich auch unbedingt das Sigillo d’Amore holen: eine Besiegelung der Liebe zu seinem Partner in Form einer Papierrolle. Die Namen werden geschrieben in gotischer Schrift und die Rolle wird mit einem Wachssiegel versehen. Die Kosten von €3.- kommen einem guten Zweck zu Gute, heuer war es das Projekt Roberto. Ein Geschenk, daß nicht nur dem geliebten Partner eine Freude bereitet, sondern eben auch Sinn macht.

Der Höhepunkt ist natürlich der Valentinstag selbst. Während man tagsüber zwischen Artisten und Konzerten hin und hergerissen ist, kann man auch bei freiem Eintritt das Haus Julias besichtigen und unbedingt sollte man dabei die rechte Brust der Bronzestatue in Gestalt Julias anfassen – das Glück in der Liebe sei einem dann sicher (die Gebrauchsspuren lassen auf eine bessere Welt hoffen).

Bei Einbruch der Dunkelheit sollte man sich wieder an der Piazza dei Signori einfinden, denn jetzt beginnt das Dauerküssen. Um Punkt 18.00 Uhr wird für (mind) eine Minute geküßt, inmitten des Cuore da Scoprire. Einige scheinen dabei 10 Minuten für eine Minute zu halten. Es herrscht dabei tatsächlich eine Atmosphäre, die einem die Gänsehaut aufsteigen und schlechte Energie, Alltagsprobleme und sonstige Streitigkeiten daneben wertlos erscheinen läßt.

Unterbrochen wird das Dauerküssen im Cuore di Baci (Herz der Küsse) nur durch die Soffi d’Amore: lauter rote Herzen fallen vom Himmel, ein Begeisterungssturm wird dabei ausgelöst, man möchte meinen, das es ein weltbewegendes Ereignis ist. Aber das ist Italien: Ein Land der Liebe, ein Land der Emotionen.

Am Samstag Abend gab es dann noch ein Gustostückerl für Liebhaber der Klassik: Opera in Love mit Romeo e Giulietta.

Verona in Love ist ein empfehlenswertes Wochenende für Verliebte und für Alle, die ein Stück Kulturgeschichte mitgestalten wollen. Denn es soll ein aktives Fest sein, bei dem die Besucher die Darsteller sind.

Habe ich Euch einen Appetit auf dieses Fest gemacht? Fahrt hin – erlebt es – Ihr werdet sehen

Cari saluti, Giovanni

Il Bicerin

Eine Kaffeespezialität aus Turin

Dieser Beitrag ist einem Aufruf vom Knusperstübchen gewidmet, uns um die Welt zu bloggen. Natürlich übernehme ich dabei gerne mit meinem Beitrag einen italienischen Teil. Und als Espressoliebhaber kommt natürlich eine Kreation auf Basis der geliebten, gerösteten Bohnen.

Wir befinden uns heute in Turin, der Hauptstadt des Piemont und einer Stadt mit vielen Köstlichkeiten, vor Allem schokoladigen Köstlichkeiten. Manche haben es schon gehört, Italienliebhabern ist es ohnehin bekannt: Italien ist nicht nur das Land des Kaffees, sondern auch der Schokolade; und ein Zentrum der Schokolade ist Turin. Großartige Schokoladekreationen haben hier ihren Ursprung, viele bedeutende Schokoladenhersteller haben hier ihren Sitz: Caffarel, Guido Gobino, Peyrano und auch Stratta1836 um ein paar zu nennen. Bei ihnen kann man auch die  Giandujotti bestellen, die in Turin eigentlich zu einem gepflegten Espresso gehören. Giandujotti sind kleine Nougatpralinen (Gianduia=Nougat), die in den Mund genommen, zwischen Gaumen und Zunge erwärmt, zart schmelzen und danach mit einem Schluck Ristretto (15ml Espresso) nachgespült werden. Wer das einmal probiert hat, weiß warum im Piemont so viele Haselnußbäume stehen.

Übertroffen kann diese Köstlichkeit mit einer anderen Variante werden, die ebenso aus dem Paradies der Schokolade entstammt-mit dem Bicerin.

Eine Kaffeevariante, die ich vorzugsweise im Winter gerne bereite und vor Allem dann, wenn der weibliche Part Giovannis ein unstillbares Schokoladenbedürfnis hat.

Es handelt sich um eine anerkannte piemontesische Spezialität (verzeichnet im Bollettino Ufficiale della Regione Piemonte) und setzt sich im Wesentlichen aus nur drei Zutaten zusammen: Espresso, Schokolade, Sahne.

BicerinErstmals erwähnt wurde der Bicerin im Text von Alberto Viriglio, Torino e i Torinesi und wurde erfunden vom Caffè al Bicerin gelegen an der Piazza della Consolata. Etwas abseits von den „Trampelpfaden“, dennoch leicht zu finden, sollte man sich nicht wundern, wenn man zu gewissen Stunden nicht leicht einen Platz findet um den Bicerin zu genießen. Ein Besuch dieses Lokals ist jedenfalls zu empfehlen; einen Eindruck von diesem Lokal bekommt man im Video am Anfang dieses Artikels. Übrigens sind die Hüter des Rezeptes ausschließlich weiblich, währenddessen die Kunden auch oft männlich sind.

Das Wort „Bicerin“ kommt von Bavareisa-hierbei wurden die Zutaten separat in Bicchieri (größeren Gefäßen) gebracht und dann erst zusammengemischt: Also Kaffee, flüssige Schokolade, Milch und gesüßt mit Sirup.

Später wurde aus den Bichieri der Bicchierino (daraus enstand „Bicerin“), ein kleineres Glas, in dem die Zutaten bereits gemischt waren.

Nachdem das Originalrezept bestens von den Damen des Caffè Bicerin gehütet wird, kann ich Euch nur meine Variante präsentieren, die aber dem Original schon sehr nahe kommt.

Das Wesentliche an dieser Köstlichkeit ist, daß alle drei Zutaten separat ins Bicerin (Glas) gegossen werden und getrennt bleiben, also keinesfalls umrühren!

Diese Rezept ist für eine Portion gedacht und muß dann dementsprechend angepaßt werden.

Als Erstes wird Sahne halbsteif geschlagen, ca 100 ml fülle ich dann in ein separates Gefäß, den Rest aus einer kleinen Packung schlage ich dann steif-der wird meist noch separat gebraucht oder hält sich gut zugedeckt im Kühlschrank.

Als nächsten Schritt sollte man sich der Flüssigschokolade widmen. Jeder hat eine eigene Kreation diese zuzubereiten und ich will gar nicht sagen, daß irgendeine Version die optimale ist. Ich bin ein Fan der dunklen Schokolade guter Qualität. Je besser die Qualität der verarbeiteten Kakaobohnen, desto besser wird der Bicerin, desto fröhlicher sind dann die Gäste, desto mehr Arbeit hat dann der Barista in Folge-vielleicht sollte man bei Schleckermäulchen also schon vorher die dementsprechende Menge der Zutaten einplanen.

Für die Flüssigschokolade nehme ich ca 100ml Vollmilch und ca 30g Schokolade. Die Milch wird erwärmt und die Schokolade aufgelöst. Nachdem die Konsistenz der Flüssigschokolade stark von der Schokolade und deren Kakaoanteil abhängig ist, muß man es immer ein wenig anpassen: Sie sollte eine trinkbare Cremigkeit haben und sich natürlich vollkommen auflösen. Ich bevorzuge auch eine etwas dickere, festere Konsistenz, dann geht die Schokolade nicht so leicht eine Verbindung mit dem Espresso ein.

Jetzt bereite ich einen doppelten Espresso, am Besten aus einer Siebträgermaschine, weil die Crema, die dabei entsteht, sehr gut als Trennboden zur Flüssigschokolade geeignet ist. Wenn Ihr stattdessen eine Bialetti verwendet, dann funktioniert es genauso. Ich verwende beide Zubereitungsmethoden.

Den Espresso (ca 50ml) lasse ich bereits ins Bicerin fließen, die flüssige Schokolade, ungefähr die gleiche Menge, langsam draufrinnen lassen, sodaß die Crema nicht durchstoßen wird. Am Schluß die halbsteife Sahne langsam drüberstreichen. Jetzt sollte man es geschafft haben, daß drei getrennte Schichten entstanden sind. Als Dekoration gebe ich dann noch einen oder zwei Löffel steifgeschlagene Sahne drauf. Obwohl es normalerweise so nicht serviert wird, wird es immerwieder so gewünscht.

Natürlich stellt sich die Frage, ob man einen Bicerin süßen sollte. Ich bin ein absoluter Gegner einen hochwertigen Espresso und erst recht eine hochwertige Schokolade zu süßen, denn Zucker wirkt immer geschmacksverändernd und die einzelnen Komponenten können nicht mehr als solche erkannt werden. Wenn dennoch eine süßere Variante gewünscht ist, dann kann man überlegen, die Sahne zu süßen.

Nachdem die Sahne kalt ist, sollte der Bicerin sofort serviert und getrunken werden.

Jetzt offenbart sich für den Genießer, warum dieses Getränk in drei Schichten serviert werden sollte:  Das Erlebnis beginnt mit der Sahne, die durch die Schokolade eine Betonung erfährt und der Espresso kommt als Abschluß, sozusagen als Krönung nach dem Dessert.

Wenn man die separaten Schichten nicht hinbekommt, dann ist es auch nicht schlimm, eine Köstlichkeit der besonderen Art bleibt es immer; für die Strebsamen unter uns, habe ich in diesem Video eine andere Möglichkeit die drei Schichten zu erzeugen, gefunden.

Ich wünsche Euch gutes Gelingen!

Tanti cari saluti, Giovanni

Il Maestro Ennio Morricone

Ennio Morricone dirigiert Ennio Morricone

Maestro Ennio Morricone gibt ein einziges Konzert in Wien und dieser wunderbare Ausschnitt eines Konzerts aus Venedig soll Euch den nötigen Vorgeschmack bieten ein großes Konzert zu besuchen

Anläßlich des Konzerts in der Wiener Stadthalle am 16.2 2014 und der Tour durch Europa und USA möchte ich einen Beitrag dem großen Meister der Filmmusik und der Klassik widmen.

Kein Orchester der Welt ist zu groß für ihn, keine Melodie unbekannt: Mit 85 Jahren zeigt Maestro Ennio Morricone was Sache ist. Ein 160 Köpfiges Orchester in der Wiener Stadthalle wird zeigen, was diese Musik zu bieten hat und welche Emotionen in der Klassik stecken können.

Ein Künstler, der es verstand Emotionen und Gedanken der Filmfiguren Ausdruck zu verleihen und mich, seit dem ich das erste Mal die legendäre Musik zum Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ hörte, nicht mehr losläßt.

Obwohl ich in einer familiären Umgebung aufgewachsen bin, in der die Oper groß geschrieben war, möchte ich doch behaupten, daß der erste ECHTE Einstieg in die Klassik Ennio Morricone war.

Nie werde ich vergessen, als ich mir als eine der ersten Platten, Ennio Morricone gekauft habe. Ich mußte durch mehrere Plattenläden wandern, bis ich auf einen kompetenten Verkäufer stieß, der mir die Frage beantworten konnte, wer das Lied „Spiel mir das Lied vom Tod“ geschrieben hat und ob er den dazupassenden Tonträger habe. Zeitgleich fing ich auch an, mich für Filme zu interessieren und zwar nicht nur für die Inhalte, sondern auch etwas tiefer vorzudringen, wer die Darsteller waren, wer der Regisseur und wer die Filmmusik geschrieben hat.

Immer wieder mußte ich dabei feststellen, daß genau die Filme für mich interessant waren, deren Musik Ennio Morricone geschrieben hat. Er war eine Garantie für einen guten Film und ich denke dabei gar nicht so sehr an die Italowestern, sondern an Kunstwerke wie das Trio infernal (mit Michel Piccoli), der Clan der Sizilianer (Alain Delon, Jean Gabin, Lino Ventura), das Netz der tausend Augen (Jean-Louis Trintignant), Angst über der Stadt (Jean Paul Belmondo), der Profi (einer meiner Lieblingsfilme mit Jean Paul Belmondo), der Außenseiter (Jean Paul Belmondo), Es war einmal Amerika (Robert de Niro), Cinema Paradiso ( mit Philippe Noiret , eingangs im Konzert zu hören) und viele andere mehr. Aber ich denke auch an Filme wie Nobody (mit Terence Hill), ein Käfig voller Narren (Ugo Tognazzi) und vor Allem an: „La Piovra“ (Allein gegen Mafia mit Michele Placido)

Die Wenigsten hätten ein besseres Konzert als Begleitung zu einer aufwendig inszenierten Spannung schreiben können. Gefühle, Gedanken, Tod, Schmerz, aber auch Spaß, Frechheit, Verrückheit, Lockerheit, Spannung und Entspannung wurden durch die Violinen Morricones bestens hervorgehoben. Jeder Film, der vom Maestro mit Musik vertont wurde, hatte bereits beim Vorspann eine besondere Ausstrahlung.

Ohne Übertreibung wage ich zu behaupten, daß diese Musik den Filmen erst die nötige Schärfe vermittelte. So schuf er für über 500 Filme die Musik – eine Kreativität, die ihresgleichen sucht und von mir schon schwer nachvollziehbar ist.

Wobei der Ausdruck „Filmmusik“ der Klasse, dem Niveau seiner Musik nicht gerecht wird. Es sind vollwertige Konzerte, die es wert sind auch ohne Bilder zu genießen.

Aber auch sonst ist es interessant diese Persönlichkeit einmal live zu erleben, denn er ist jemand, den man in Gedanken mehr mit Filmausschnitten und Schauspielern verbindet, als mit seinem Gesicht. Die Wenigsten kennen ihn vom Aussehen und noch viel weniger haben ihn bei der Arbeit als Dirigent gesehen. Selbst in Rom, in seiner Heimatstadt lebt er unauffällig und wird wenig beachtet, doch das stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil: Es reicht ihm, wenn man seine Musik kennt und seine Konzerte gut besucht sind.

Aber ich möchte Ennio Morricone auch als Botschafter für eine manchmal in Vergessenheit geratene Musikrichtung sehen.

Als großer Fan der klassischen Musik versuche ich immer wieder Menschen zu dieser Stilrichtung zu bringen und stoße oft auf Verwunderung und höre dann:  „Klassik – geh bitte!“

Dabei hören die meisten Menschen mehr Klassik, als es ihnen bewußt ist. Ennio Morricone sagt, daß man den Leuten etwas anbieten muß, das sie verstehen – Musik ist Kommunikation. Vielleicht sollte man mehr auf diese Kommunikation achten, um diese Stilrichtung wieder populärer zu machen.  Das klassische Konzert sollte auch anderem Publikum zugänglich gemacht werden, in dem die Musik auch dem zeitgemäßen Geschmack angepaßt wird, ohne auf die alten Meister zu vergessen.

Die drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras  brachen auch alte Konventionen auf und brachten die Klassik anderen Musikinteressierten näher und plötzlich wurde diese Musik interessant, so interessant, daß sie ganze Stadien füllten. Vorher vielleicht unvorstellbar.

Ein Schritt, den die Klassik weitergehen sollte, wenn sie weiter ein Auditorium haben will. Der Hörer tastet sich dann weiter an diese Musik heran, gespielt von Violinen, Bratschen, Cello, Kontrabass, Querflöten, Trompete, Orgel, etc genauso wie bei mir in ganz jungen Jahren. Auch wenn dann zwischendurch diese Stilrichtung wieder in Vergessenheit gerät, der Geist erinnert sich später daran und wird diese Qualität erneut aufgreifen.

Ennio Morricone ist ein großartiger Komponist, der ursprünglich nie daran gedacht hat für den Film zu arbeiten, sondern sich aus Geldmangel dafür entschied, Auftragsarbeiten anzunehmen. Eine Entscheidung, die anfangs in Italien wahrscheinlich auf Unverständnis stieß, denn ein ernstzunehmender Komponist arbeitet nicht für den Film. Ennio Morricone fühlte sich am Anfang auch ausgegrenzt, doch das legte sich angesichts seiner Qualität und fand in einem Ehrenoskar für sein Lebenswerk 2007 seine endgültige Bestätigung. Clint Eastwood überreichte ihm die Auszeichnung.

Doch noch etwas ist für mich bemerkenswert: Ennio Morricone komponiert nicht am Klavier oder es fällt ihm plötzlich eine Melodie ein, sondern er kann sich ganz sachlich am Schreibtisch mit einem Thema (Film) auseinandersetzen und die Musik dazu produzieren, quasi auf Bestellung. Es reicht ihm, wenn er den Regisseur kennt und er weiß, wo er hinwill. Eine Begabung, die wohl viele von uns gerne hätten.

12 000 Stücke hat Ennio Morricone der Welt geschenkt, ein Paar davon können wir nun erleben, vor Ort.

Nehmt also die Gelegenheit wahr diesen großartigen und zeitgemäßen Künstler live zu hören, so oft gibt es diese Möglichkeit nicht.

Buon divertimento, Giovanni

Gran Teatro La Fenice di Venezia

Concerto di Capodanno 2014 und die Krönung eines der aufwendigsten Restaurationen

Ich will das Neujahrskonzert in einem der wichtigsten Opernhäuser in Europa zum Anlaß nehmen und mich ein wenig mit dieser akustischen Meisterleistung in Gestalt eines Hauses beschäftigen.

Jeder Fan der klassischen Musik kommt sofort ins Schwärmen, wenn er den klangvollen Namen „La Fenice“ hört, doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet, was der tiefere Sinn dieses Namens ist.

Denn das Teatro La Fenice entstand ursprünglich aus einem Schicksalschlag heraus, der sich in der Geschichte wiederholen sollte und es immer wieder neu entstehen ließ – wie Phönix aus der Asche.

Im 16. Jhd war Venedig schon ein Zentrum der Musik und nahm eine bedeutende Stellung ein, wenn es um Innovationen in der klassischen Musik ging.

Im 17 Jhd wurde die Oper in Venedig modern und viele Opernhäuser wurden errichtet, deren Bedeutung durch zahlreicher Uraufführungen weiter zunahm. Zeitweise gab es in Venedig an die 20 Opernhäuser, die zu einem Hauptanziehungspunkt für Sänger und Komponisten wurden.

Venedig war auch die Stadt, in der es das erste öffentliche Opernhaus überhaupt gab und somit einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichte die Musik zu genießen.

Das schönste und größte Theater war das Teatro San Benedetto, das neben anderen Opernhäusern auch der angesehenen Familie Grimani gehörte. Insgesamt steht in Venedig die Familie Grimani für Kunst und Kultur, bedeutende Sammlungen sind dieser Familie zu verdanken.

Aber das Teatro San Benedetto, das 1755 erbaut wurde, brannte im Jahre 1774 vollkommen nieder und löste einen Streit zwischen der Familie Grimani und der Betreibergesellschaft aus, weil man sich nicht über den Wiederaufbau einigen konnte.

Und wie so oft in der Geschichte löst der Schicksalsschlag auf der einen Seite eine positive Wendung auf der anderen Seite aus und das Gran Teatro La Fenice entstand – größer und schöner als das San Benedetto, ausgestattet mit einem bekannten Namen aus der griechischen Mythologie: Phönix (La Fenice), der verbrennt und aus der Asche wieder neu entsteht und in neuem Glanz erstrahlt.

Der Bau wurde vom Architekten Gian Antonio Selva, einem Vertreter des venezianischen Klassizismus, geplant und in den Jahren 1790-1792 fertiggestellt und zählt sicher zu seinen Meisterstücken.

Die grandiose Akustik führte schnell dazu, daß es zum bedeutendsten Zentrum der Musik wurde und Uraufführungen zuerst im La Fenice stattfanden. Giuseppe Verdi liebte diese Bühne und führte gleich mehrere Opern urauf. Obwohl das Gran Teatro La Fenice in Konkurrenz zur Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel stand, konnte es seine Stellung als außergewöhnliches Haus festigen.

Aber Phönix kam nicht zur Ruhe und ein neuerlicher Brand 1836 zerstörte das Haus nochmals, aber schon nach einem Jahr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es schien so, als ob Phönix immer wieder aus der Asche hervorkam und sich neu präsentierte, nichts konnte diesem Theater anhaben. Auch litt der Ruf nicht darunter, obwohl es während der Sanierung geschlossen war. Weiterhin war es das Zentrum musikalischen Schaffens und wurde weiter gefestigt durch die italienische Uraufführung der Tetralogie der Ring der Nibelungen von Richard Wagner.

Auch die grundlegende Sanierung 1937 durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi, der als Vertreter des italienischen Rationalismus die Rückendeckung Mussolinis genoß, konnte dieser Ausstrahlung nicht schaden.

Auch nicht die Zeit der beiden Weltkriege, in der das Teatro geschlossen blieb, konnte verhindern, daß es nach Ende des Krieges wiederrum ein Lieblingshaus für Komponisten wurde. Es blieb dabei: La Fenice ist am Besten geeignet für die Uraufführung und so wählten auch Prokofiew, Strawinski, Bussotti und viele andere diese Akkustik um ihre Werke bestens in Szene zu setzen.

Doch nochmals schlug die Katastrophe zu: am Montag dem 29. Jänner 1996

Brandstiftung schien das Ende zu sein. Eine Verzweiflungstat des Elektroingenieurs Enrico Carella, der eine Konventionalstrafe fürchten mußte, wegen Verzugs der gerade laufenden Sanierungsarbeiten, führte zum totalen Untergang.

Lange Zeit war fraglich, ob man dieses Haus wiederherstellen und diese einzigartige Akustik wieder erreichen könne.

Aldo Rossi legte einen Vorschlag vor und gewann 1997 die Ausschreibung. Er hielt sich an alte Baupläne, suchte Fotos und Filmdokumente und bemühte sich originalgetreu dieses Meisterstück zu rekonstruieren ohne aber auf moderne Möglichkeiten zu vergessen um alte Überlegungen zusätzlich einfließen zu lassen.

Aldo Rossi, der 1997 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war es leider nicht vergönnt bei den Bauarbeiten dabei zu sein. Die Fertigstellung erfolgte durch Mitarbeiter seines Büros.

Am 14. Dezember 2003 konnte die erste Aufführung stattfinden, vorerst durch ein Konzert dirigiert durch Riccardo Muti. Ein 10 jähriges Jubiläum der Wiedereröffnung wurde letzten Jahres gefeiert.

Erst circa ein Jahr später am 12. Novemer 2004 konnte die erste Oper seit Langem wieder auf der Bühne gespielt werden und zwar mit der besten Bühnentechnik der Welt und der schönsten Oper von Verdi: „La Traviata“.

Ein unschätzbares Kulturgut schien für immer verloren.

Jedoch wurden keine Mühen und Kosten gescheut um dieses Haus wiederaufzubauen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ganz so, als ob nie etwas passiert wäre, ganz im Gegenteil: Altes konnte wiederhergestellt werden und Modernes konnte unauffällig verbessern.

Die Akustik ist vollkommen wiederhergestellt, die Atmosphäre ist geblieben.

Ganz so wie Phönix, der aus der Asche emporstieg und heute noch das Wappen des Hauses bildet.

Ich kann nur jedem Venedigreisenden empfehlen dieses Meisterwerk an Architektur zu besuchen und diese einzigartige Akustik zu genießen: Ein Stück Geschichte mit einem Stück Klassik zu verbinden und nebenbei diese wunderbare Stimmung Venedigs zu spüren. Ein wunderbares Haus, das zu jeder Jahreszeit einlädt einen ganz besonderen Aufenthalt in einer der reizvollsten Städte zu verbringen.

Tantissimi auguri di buon capodanno, Giovanni

Am Schluß möchte ich Euch einladen einen Ausschnitt vom Neujahrskonzert 2014 zu genießen aus Pietro Mascagni´s Intermezzo da Cavalleria Rusticana

Dirigent Diego Matheuz: eine unglaubliche Persönlichkeit, die seit 2011 Chefdirigent am Teatro La Fenice ist.

Die Hexe Befana

Weihnachten in Italien

Dieser Artikel ist dem Adventkalender der lieben und gar nicht giftigen Blonden gewidmet und ich möchte ihn als wissenswerte Weinachtsgeschichte schreiben, vielleicht ist sie ja auch einmal als Gute Nacht-Geschichte für Kinder geeignet, um Weihnachten einmal anders zu erzählen.

Die Geschichte ist einzigartig und könnte nicht besser erfunden werden und deswegen versuche ich sie so gut wie möglich zu erzählen, denn die Befana war einmal wichtiger als das Christkind.

Einst bekamen nämlich die Kinder erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner die Geschenke und zwar von der alten Hexe Befana (der Name kommt von Epiphanie) – heute bekommen sie zweimal Geschenke: Einmal vom Christkind und einmal von der Befana, der freundlichen Hexe und das ist die Geschichte dazu:

Es war einmal eine alte Dame, die hatte ein nettes Häuschen, das sie immer hegte und fegte.

Tag ein, Tag aus kehrte sie mit ihrem Besen das Haus und fegte und fegte. Es war ein tägliches Ritual, das sie keinesfalls aufgeben wollte, zu wichtig war die Pflege ihres kleinen Häuschens.

Sie stand in der Früh auf und putzte und putzte, akribisch ging sie dieser Arbeit nach, jeder Tag begann gleich und sie ließ kein Eckerl ungefegt, kein Eckerl unbegutachtet.

Sie fegte und fegte bis sie Abends totmüde ins Bett fiel.

Jeder Tag begann gleich und endete mit einem gut gefegten Häuschen in einem kleinen Ort, der auf dem Weg nach Bethlehem lag und so kam es, daß

eines Tages drei Männer an ihre Tür klopften:

Die alte Dame, wiederrum mit der Pflege ihres kleinen Häuschen beschäftigt, richtete ihre Haare zurecht, band ihre Schürze neu, legte den Besen weg und öffnete die Tür und schaute vollkommen entnervt raus, denn sie mußte die Arbeit unterbrechen, die ihr alles bedeutete.

Vor der Tür standen Männer mit edlen Gewändern, Stoffen aus Gold-  und Silberfäden, die Mäntel waren von solcher Schönheit, daß man sofort erkannte, daß sie nicht aus der Gegend entstammten, sondern von weit her gereist waren. Sie mußten aus einem Land kommen, in dem es Gold, Silber und Edelsteine gab.

In der Hand hielten sie ihre wertvollen Geschenke, die für ein Kind bestimmt waren.

Die alte Dame allerdings ließ sich von diesem Schein nicht beeindrucken und fragte sich nur: Was ist so wichtig, daß mich jemand bei meiner Arbeit stört.

Die drei Edelmänner erzählten die frohe Botschaft, daß der Stern von Bethlehem sie zur Krippe führe, in der Jesus Christus geboren worden ist und sie müßten unbedingt dorthin gelangen, denn sie hätten Geschenke für dieses Kind mitgebracht.

Die alte Dame, die sich in ihrer Lieblingsbeschäftigung gestört fühlte, hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf und dachte sich dabei, wie man sich bloß mit solchen Dingen beschäftigen könne.

Die drei Männer fragten sie, ob sie denn mitkommen wolle, und sie verneinte, schloß die Tür und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Doch nach einiger Zeit bereute sie es, daß sie nicht mitging um sich dieses Spektakel anzusehen. Sie beendete ihre Arbeit mit der gewohnten Gründlichkeit, packte ein paar Süßigkeiten als Geschenke ein und marschierte los.

Sie mußte ja nur diesem Stern folgen, um zu dieser Stelle zu kommen.

Aber es war schon viel zu spät und der Stern erloschen und so irrte sie herum und verteilte die Geschenke an alle Kinder, die sie traf, in der Hoffnung dem Jesuskind zu begegnen.

Und so kommt es, daß die Hexe Befana heute noch sucht und von Schornstein zu Schornstein fliegt um die Socken und Stiefel der Kinder mit Süßigkeiten und Geschenken zu füllen, denn sie könnte ja einmal das Christkind finden.

Die weniger braven Kinder allerdings bekommen keine Süßigkeiten, sondern Kohle!

Aber die „schlimmen“ Kinder wissen, daß diese Kohle (carbone dolce) genausogut ist, denn sie ist heute aus einer schwarze Zuckermasse, die zwar aussieht wie Kohle, aber herrlich schmeckt.

Aus der ursprünglichen Hexe, die alt und hässlich ist und sogar als Schimpfwort in der italienische Sprache einen Platz gefunden hat (una befana=hässliche Alte), entwickelte sich eine gute Hexe, die den Kindern immer die Geschenke bringt und heute noch immer die Grundlage für ein Fest für Kinder und Familie bildet.

Auch in der Politik fand die Befana ihren Platz: So wurde im Faschismus die Befana fascista erfunden, die Geschenke an arme Kinder verteilte und so den gutmütigen Charakter weiter unterstrich.

Ein schöner Brauch, der einen krönenden Abschluß der Weihnachtsfeiertage bildet und das Christkind lange Zeit in den Schatten stellte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch

Buon natale, Giovanni

Lamborghini: Der Bulle wurde heuer 50

Wir wollen diese Gelegenheit nutzen und uns mit dem wichtigsten Testfahrer des Stiers befassen

Valentino Balboni è un pensionato?
Un Pensionato?-Balboni?!!-Nooooo!!!!!!

Valentino Balboni, war seit über 40 Jahren Cheftestfahrer bei Lamborghini, ist seit Anfang 2009 in Ruhestand gegangen und ihm zu Ehren wurde ein Auto kreiert, daß er selbst ohne sein Wissen zusammenstellte, aber dazu später.

Valentino Balboni: Was Enzo Ferrari bei Ferrari, Giuseppe Busso bei Alfa Romeo, ist Valentino Balboni bei Lamborghini: eine Legende! (obwohl er sich selbst niemals so sehen würde)
Aber wie wird man Testfahrer bei Lamborghini?
Wie entstand die Fa Lamborghini?
Ein kurzer Querschnitt

1963 wurde Automobili Ferruccio Lamborghini S.P.A. gegründet, nach einem „kleinen“ Disput zwischen Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari.

Lamborghini nannte nämlich einen Ferrari als sein Eigen und bemängelte als eifriger Ingeneur bei seinem Freund Enzo Ferrari ein paar Dinge, die zu verbessern wären und Enzo Ferrari in seiner Art meinte bloß, daß er von einem Traktorenhersteller (der er auch war) keine Empfehlungen brauche.

Ferruccio Lamborghini erzählt diese Geschichte (Achtung Video stark übersteuert und viel zu laut!!)

Das erste Auto, daß Ferruccio Lamborghini herausbrachte, ein 350 GTV

Der später zu einem 350 GT wurde

1967 kam der Miura heraus und sollte am Beginn das wichtigste Modell für Lamborghini sein-Fans (und mir auch) läßte er noch immer das Herz höher schlagen

1968 wurde Valentino Balboni als Mechaniker Lehrling eingestellt

Seine Aufgabe war es unteranderem Wagen aus der Halle auf den Parkplatz davor herauszufahren.

Aber wie wird man dann Testfahrer?

Aus dem gleichen Grund, wie man heute entlassen werden würde.

Valentino nutzte immer die Möglichkeit einer kleinen Spritztour-die paar Meter aus der Halle auf den Parkplatz waren zu wenig und die Autos heiß und temperamentvoll.

Mehrmaliges urgieren beim Chef, daß Balboni die Autos ums Firmengelände fährt führte zu gar nichts-
bis allerdings Testfahrer gesucht wurden und Balboni sich bewarb und…

1973 natürlich genommen wurde-er machte es ohnehin immer und sein erstes Auto und noch heutiger Privatwagen war (ist) ein Miura.
Niemals vergißt er, wie das Erstemal der Firmenschranken aufging und er mit dem Miura auf die Straße durfte, aber dazu später.

Balboni, der mehrere Sprachen fließend spricht, ist Mechaniker und behauptet auch, daß ein guter Testfahrer auch ein guter Mechaniker sein muß.

Er, der die Bescheidenheit in Person ist,
durfte immer eines der teuersten und schnellsten Autos fahren

hatte einstmal die Lizenz zum Schnellfahren auf öffentlichen Straßen, denn Lamborghini sind für die Straße gebaut und Teststrecke hatte Lamborghini keine.

Valentino Balboni spricht über Oldtimer und seine Liebe zur alten Technik-im

Lamborghini Museum 1

Lamborghini Museum 2

1974 enstand der für den Umsatz wichtigste Wagen, der Countach, der seinen Namen einem Begeisterungssturm der Ingeneure entstand: Countach bedeutet im Dialekt des Piemont so etwas Ähnliches, wie „Wow“-heute würde man „GEIL“ sagen:

Ferruccio Lamborghini und Valentino Balboni im Countach
(Man beachte Valentino Balboni bei ca 250km/h auf der Landstraße und die Aussage, daß er sich wohl fühle)

Den Spieltrieb erhielt er sich bis ins Alter

Impressioni

Impressioni

Impressioni

Plötzlich zog er sich zurück, doch als Botschafter einer Marke wie Lamborghini zieht man sich nicht einfach so zurück und so kam es:

Die Entwicklungsabteilung fragte ihn immer so zwischendurch, was ihm wichtig sei und er antwortete:
Heckantrieb
sportlichere Abstimmung
eigene Lackierung
Handschaltung

und er wollte kein ESP, damit man etwas spürt

und Lamborghini baute IHM SEINEN Lamborghini, so wie er sich das vorstellt, allerdings mit ESP-
OHNE sein Wissen und das erstemal OHNE SEINER Probefahrt (denn dazu hatte er noch genug Gelegenheit),
den Lamborghini Gallardo Edition Valentino Balboni, limitiert auf 250 Stück

Und seine Mutter fragt ihn noch heute: „Fährst Du wieder diese Wagen?“ Balboni: „Si, Si“ „Dann paß bloß auf“

…und je älter er wird desto mehr löst sich Balboni von seiner Mama

Balboni in Pension?-Balboni?-NIEMALS!!!!!!!!!

I Migliori Auguri, Valentino Balboni
Grazie tanto

Ich wünsche ihm viel Spaß mit seinem Firmenwagen, denn eine Legende geht nicht in Pension!

Abschließend möchte ich noch ein Interview (30min) mit Valentino Balboni anhängen

Cari Saluti, Giovanni