Ferragosto! Ferragosto?!

Eine wichtige Institution gerät in die Krise

Ferragosto – Ein Begriff, den Viele lange Zeit gar nicht verstanden haben, was er bedeutet.

Es fiel nur auf, daß im August am Strand sehr viel los war und vor Allem sehr viele Italiener zeigten, wie man es sich am Strand mit seiner Familie gemütlich macht und am Besten sich lautstark und mit viel musica italiana unterhielt.

Es war ein Fest, ein Treffen, eine ungezwungene Spielerei – heute würde man dazu sagen: Es war DAS Event: Ferragosto.

Das ganze Jahr über freute man sich, daß um den 15. August der Urlaub war und nicht selten wurde es ganz besonders zelebriert. Verwandtschaft aus dem Süden kam und traf sich in der Mitte des Stiefels mit seinen Liebsten aus dem Norden; oder Freunde, die sich aus vergangenen Jahren kannten, machten sich Treffpunkte aus, um gemeinsam den Urlaub zu verbringen.

Ferragosto, die Ferien im August, war ein Pflilchttermin und zwar für Alle.

Eine Institution, die sich fest etablierte und schon auf das restliche Europa überzugreifen begann; Eine feste Gegebenheit, die vielerlei Vorteile, aber natürlich auch ihre Nachteile hat.

Während sich Gesamtitalien organisierte und den Urlaub um den heißesten Tag des Jahres plante, konnte in Fabriken alles vorbereitet werden, um Maschinen in den leerstehenden Hallen zu servieren.

Ferragosto wurde gerne genutzt, um Dinge zu erledigen, die sonst das Personal blockieren würde.

Außerdem war ein großer Vorteil, daß Urlaube nicht abgesprochen werden mußten, um eventuell Produktionsabläufe aufrechtzuerhalten. Auch schwach besetzte Büros in den Sommermonaten waren unbekannt.

Es wurde einfach die heißeste Zeit im Jahr dafür genutzt, um Urlaub zu machen. Büros, Ämter, Fabriken, … wurden komplett geschlossen und die durch die Hitze und Fehlen des Personals bedingte schwache Produktivität wurde somit umgangen. Ferragosto, eine Erfindung, die auf Kaiser Augustus 29 v Chr zurückgeht, der seinen Sieg über Marcus Antonius und Kleopatra über 3 Tage feierte; und wenn man Ferragosto früher miterleben durfte, schien es, als ob sie seit damals nie aufgehört hätten zu feiern.

Die Ferien im August verbrachte man am Meer, Nächte wurden zum Tag, Tage blieben Tage – es wurde einfach durchgefeiert mit allem was dazugehört: Feste, Feuerwerk, Musik

Urlaub in Italien, wie er nicht schöner sein könnte.

Die Kehrseite war natürlich, daß Geschäfte, Tankstellen, Werkstätten, Ämter etc geschlossen waren und quasi nur ein Notbetrieb aufrecht war und den wollte niemand gerne in Anspruch nehmen. Man kann sich vorstellen, daß die Wenigsten genau in dieser Zeit gerne arbeiteten.

Doch was ist jetzt los?

Seit Jahren bemerke ich schon, daß immer mehr Geschäfte nicht mehr schließen, um den „geschichtlich angeordneten“ Urlaub anzutreten – die neue Devise lautet: Aperto ad Agosto

Urlaub ist nicht drinnen, stattdessen wird bewußt geöffnet um Kunden zu bedienen. Telefonate und mails mit Freunden enden oft mit: Leider muß ich im August arbeiten.

Italien, das Land der Freude und der Ausgelassenheit, hat momentan andere Sorgen, als einen Uralub zu organisieren.

Die Krise zwingt die Menschen in den Städten zu bleiben.

Nanni Moretti beschreibt in seinem Film „Caro Diario“ (Liebes Tagebuch) im 1. Teil „auf der Vespa“, wie menschenleer Rom im August ist, wenn er mit seiner Vespa fahrend auf Entdeckungstour geht. Er ärgert sich, daß Kinos geschlossen sind und ganze Stadtviertel einfach ausgestorben sind.

Ein Stück Kulturgeschichte verschwindet zunehmend.

Städte sind nicht mehr menschenleer, stattdessen erfreuen sich öffentliche Schwimmbäder neuer Beliebtheit, weil sich nur mehr die Wenigsten überhaupt die Fahrt zum Meer leisten können oder überhaupt über die Feiertage öffen haben um die Touristen zu bedienen. Aber wer sind die Touristen, wer kann sich den teuersten Urlaub um den 15. August noch leisten? Während Italiener früher oft den gesamten August den Strand bewohnten, so sind es heute Menschen aus dem asiatischen Raum, die mit dem Begriff des „dolce far niente“ (dem süßen Nichtstun) nicht viel anfangen können, sondern in möglichst kurzer Zeit möglichst viel erledigen wollen.

Viel mehr sehe ich Listen in den Bars, wann welche Schiffe anlegen und wieder ablegen, oder welche Reisegruppen angemeldet sind. Eine Tourismusmaschine, die ich so nicht bevorzuge und ich deshalb sehr schnell das Weite ins Hinterland suche. Gestreßte Bedienung ohne Gespräche, und nicht, so wie ich es gewohnt war, einen gemütlichen Espresso genießend ein Gespräch oder Diskussion mit den Einheimischen.

Weder Italiener noch andere Europäer verbringen ihre Zeit am Strand und fröhnen dem Badespaß, der uns doch soviel bedeutet hat.

Eine langandauernde Traditon scheint zunehmend zu verschwinden für eine höhere Produktivität auf Kosten der Menschlichkeit.  Italiens Unternehmer warnen bereits vor sozialen Revolten, wenn es keine Zukunftsaussichten gibt.

Die Herkunft der Touristen zeigt aber, daß die Probleme nicht auf Italien beschränkt sind, sondern eben ein Gesamteuropäisches ist.

Viele Unternehmer kämpfen in Italien ums Überleben und niemand hat richtig Freude daran, sich einen Urlaub am Meer zu gönnen, abgesehen von den mangelnden finanziellen Möglichkeiten Vieler.

Die Regierung Letta versucht vom Sparkurs abzuweichen und möchte Investitionen locker machen, um Arbeitsplätze zu schaffen, doch bis das Geld in der Volkswirtschaft im Umlauf ist, wird es noch einige Gezeiten benötigen.

Bis dahin werden alle froh sein, daß diejenigen den Strand besichtigen und die Kaffees fotografieren, die noch Geld haben; Europäer sind es jedenfalls großteils nicht und Nanni Moretti hätte heute die größte Freude, wenn er mit seiner Vespa durch Rom fahrt und wenigstens Menschen sehen könnte – denn seine Kinos haben schon längst für immer geschlossen.

Ferragosto wird hoffentlich nicht vollkommen in die Phantasie verschwinden, so wie es Cammariere am Anfang singt.

Cari Saluti, Giovanni

Advertisements

Paolo Borsellino: Ein Leben gegen die Mafia

19.7.2013: Ein trauriges Ereignis jährt sich zum 21. Mal: Die Ermordung Paolo Borsellino

Paolo Borsellino, einer der wichtigsten Erscheinungen in der Bekämpfung der Mafia, war gebürtiger Sizilianer und wuchs in einem Viertel Palermos auf, das eher für den Nachwuchs der Mafia sorgte.

Aber genau diese Tatsache sorgte wahrscheinlich dafür, in seinem späteren beruflichen Werdegang die Mafia mit all seinen Verbindungen besser zu verstehen und sie schneller aufzudecken.

So wuchsen genau in diesem Viertel nicht nur er, sondern auch sein späterer Kollege und Freund Giovanni Falcone, aber auch Tommaso Buscetta auf.

So kam es, daß ihn dieses Thema nie losließ, bis zu seiner Ermordung 1992.

Ein Triumvirat, das, so scheint es, vom Schicksal vielleicht gewollt war, denn es war für den Aufstieg und gleichermaßen für den Tod Paolo Borsellinos verantwortlich, aber auch für entscheidende Veränderungen Siziliens und für ein Aufwachen der Bevölkerung.

Dieses Triumvirat war für eine Bewußtseinsbildung zuständig, die vielleicht anders gar nicht möglich gewesen wäre.

Paolo Borsellino, ein lebenslustiger und sehr verantwortungsvoller Mann, der nach Beendigung seines Jusstudiums kurzfristig die Apotheke seines Vaters übernehmen mußte, damit seine Schwester Rita Borsellino ihr Pharmaziestudium beenden konnte, trat schon bald ins Strafgericht ein und es scheint, als ob die Bahnen schon gezogen waren, um einen wichtigen Wendepunkt des organisierten Verbrechens einzuleiten.

Denn nach einer Phase der Bewährung als Richter kam er bald mit den richtigen Leuten zusammen, die sich offensichtlich zu dem bereit erklärt haben, wozu andere nicht mutig genug waren: Ein Leben zu opfern für eine massive Änderung von Zuständen, die schon lange unhaltbar waren.

So lernte Borsellino bei Gericht in Monreale den Hauptmann der Carabinieri Emanuele Basile kennen, mit dem er zusammenarbeitete und der später eine entscheidende Rolle im Maxi Prozeß eingenommen hat.

Nach dem Intermezzo in Monreale kam Paolo Borsellino nach Palermo zurück ans Strafgericht, das unter der Leitung von Richter Rocco Chinnici stand.

Rocco Chinicci, der offen gegen die Mafia kämpfte und sogar Vorträge zu diesem leidigen Thema hielt, hat schon sein Amt der Ermordung seines Vorgängers Cesare Terranova zu verdanken und dachte nicht daran aufzugeben.

Dank geschickter Untersuchungen von Emanuele Basile kam es zu den ersten 6 Verhaftungen von Mafiosi.

Diese Lawine, die hier losgetreten wurde, ließ nicht lange auf ihre verheerende Wirkung warten

Im gleichen Jahr wurde Basile ermordet.

Doch diese Ermordung ließen Paolo Borsellino, Giovanni Falcone und Rocco Chinnici nicht davon abhalten, weiterzumachen, ganz im Gegenteil: Um gewonnenes Wissen zu sichern, gründeten sie den Pool Antimafia, der aus den drei Richtern bestand und zwei Kommissaren ( Antonino Cassarà, Giuseppe Montana) und teilten ständig das gesamte Wissen, damit sofort weitergearbeitet werden konnte, falls einer von ihnen ermordet würde. Weiters wurden diese Mitglieder unter Polizeischutz gestellt – ein Enthusiasmus, der für die Meisten wohl nicht vorstellbar ist und allerhöchste Bewunderung verdient.

Denn die Störungen der Macht der Krake wurden nicht gebilligt und so wurde Rocco Chinicci das nächste Opfer einer Autobombe.

Und jetzt kam die Rolle des Tommaso Buscetta, der im gleichen Viertel aufwuchs, wie Giovanni Falcone und Paolo Borsellino.

Tommaso Buscetta einer der führenden Köpfe der Mafia wurde in seinem Refugium Brasilien festgenommen und, müde von den diversen Mafiakriegen, wurde er der erste echte Pentito (jemand der die Omertà (Schweigegelübde) bricht).

Die Aussagen von Buscetta führten im Maxi Prozeß zu über 300 Verhaftungen und zu weiteren Pentiti. Er zeigte das wahre Ausmaß der Struktur auf, von dem niemand etwas wußte.

Ein Megaprozeß wurde losgetreten, der nur durch besondere Sicherheitsvorkehrungen überhaupt durchführbar war.

Einerseits übersiedelten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino vor dem Prozeß mit der gesamten Familie ins Hochsicherheitsgefängnis in Asinara um dort ihre Anklageschrift vorzubereiten, andererseits wurde ein eigener Hochsicherheitsbunker gebaut um den Prozeß bombensicher abhalten zu können.

Während des Prozesses herrschte die sogenannte Pax Mafiosa: Damit nicht der Prozeß weitere Kreise ziehen konnte, wurden für diese Zeit Anschläge der Oranisation vermieden.

Doch durch die Verurteilung von über 300 Angeklagten entstand ein richtiger Krieg zwischen Staat und Mafia.

Ein Abschlachten, das es so noch nie in der Vergangenheit gegeben hat; die Lawine, die losgetreten wurde, hatte verheerende Folgen.

Folgen, bei denen am 23. 5. 1992 Giovanni Falcone mit einer Bombe in einem Entwässerungstunnel unter der Autobahn ermordet wurde und am 19.7.1992 in einer Autobombe für Paolo Borsellino endete.

Einige Tage vor dem Attentat sagte Paolo Borsellino noch: Ich stehe auf der Todesliste der Mafia und sie werden es durchziehen.

Mit der Ermordung Borsellinos ging allerding auch das berüchtigte, rote Notizbuch (l’agenda rossa) verloren, in dem alle Kontakte und Termine enthalten waren, die die Verstrickungen der Mafia aufzeigten. Paolo Borsellino ging keinen Meter ohne dieses Buch. Manche meinen gesehen zu haben, wie jemand nach der Explosion das Notizbuch holte und wegbrachte.

Doch diese Aktionen schwächten die Mafia. Der Haß und die Abneigung in der Bevölkerung wuchsen und führten schlußendlich zur Verhaftung von Salvatore Riina 1993, dem Boß der Bosse. Erst jetzt war die Anschlagserie beendet.

Seine Schwester, Rita Borsellino führt sein Andenken weiter: Sie ist Vizepräsidenten der Libera, eine Organisation zur Aufklärung gegen die Mafia.

Allerhöchsten Respekt für Menschen, die bereit sind, das höchste Gut einzusetzen, um etwas zu bewegen:

Cesare Terranova (ein Leibwächter und ein Polizist): erschossen 25. 9. 1979

Emanuele Basile:  ermordet 4. 5. 1980

Rocco Chinicci: Autobombe 29. 7. 1983

Giuseppe Montana: ermordet 28. 7. 1985

Antonino ‚Ninni‘ Cassarà: ermordet und starb in den Händen seiner Frau 6. 8. 1985

Giovanni Falcone (seine Frau und 3 Leibwächter): Bombe unter der Autobahn 23. 5. 1992 in Capaci

Paolo Borsellino (und die 5 Köpfige Eskorte): Autobombe 19. 7. 1992 in der Via d´Amelio

All diese Menschen sind nicht unnötig gestorben, ganz im Gegenteil, sie haben ein Umdenken bewirkt. Alle fühlen sich solidarisch verantwortlich sich gegen dieses System aufzulehnen und versuchen im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten sich loszureißen.

Auch in Kunst und Kultur entstand eine Bewegung

Fabrizio Moro: Pensa (mit der dt Übersetzung)

Distinti Saluti, Giovanni

Giulio Andreotti ist gestorben!

Eine philosophische Betrachtung einer politischen Legende

 

Ein Fixpunkt in der italienischen Politik ist in dieser Woche im hohen Alter von 94 Jahren gestorben:

Der Senator des italienischen Staates auf Lebenszeit: Giulio Andreotti

Ein Symbol politischer Stabilität in Italien, manchmal umstritten, hielt er dennoch alle Fäden in der Hand.

Wer die Medien in dieser Woche verfolgt hat, wird feststellen, daß Giulio Andreotti zwar oftmals in der Geschichte umstritten war und er auch diverse Rechtskämpfe austragen mußte, dennoch hatte er den italienischen Staat als Gesamtheit gut, ich möchte sogar sagen sehr gut, im Griff.

Und genauso wurde über ihn berichtet: Kritisch, aber gerecht.

Die Zeit schreibt neutral, der ORF kritisch, die Welt spricht sogar von einem „frommen Mensch“.

Wer ein so großes Land mit mehr als 60 Mio Einwohner, somit das viertgrößte Land in der EU mit einer beachtlichen wirtschaftlichen Bedeutung, über mehrere Jahrzehnte (!) erfolgreich seinen Stempel aufdrücken kann, verdient auf jeden Fall tiefen Respekt.

Es gibt in dem schwierigen Aufgabengebiet „Politik“ Menschen, die nie an Bedeutung gewinnen

und es gibt Charakterköpfe, ohne die die Vorstellungskraft stark getrübt wird.

Giulio Andreotti war für mich der Anfang in der politischen Bildung und begleitete mich über mehrere Jahrzehnte.

Er wirkte mit in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs Italiens und positionierte dieses Land in den vordersten Reihen der Antriebskräfte in Europa.

Es gibt immer wieder diverse Stammtischgespräche, was man nicht Alles anders machen würde und wie toll und einfach man diesen schwierigen Staat regieren könnte und wollte, dennoch habe ich genau DIESE Persönchen (weil Persönlichkeiten sehen anders aus) noch nie in einer Führungsposition gesehen, geschweige in einer staatsbestimmenden Funktion-man müßte noch dazusagen: Gott sei Dank!

Niemand von diesen Obergescheiten hat eine Vorstellung davon, wie schwer es ist eine Gruppe von Menschen zusammenzuführen und in eine Richtung zu bringen.

Genau diese Halbintelligenten (von Bildung kann man meist erst gar nicht reden) scheitern oft schon in einer Gruppe von 10 Personen einen organisierten Lokalwechsel zu vollziehen.

Dabei sind die Schwierigkeiten in Italien um ein Vielfaches höher, wenn man als Insider weiß, daß zu viele Verschiedenheiten der italienischen Seele ein Zusammenleben eigentlich unmöglich machen und dennoch existiert dieser Staat genauso lange und erfolgreich, wie andere Machteinheiten, die nach den Weltkriegen entstanden.

Die Diskrepanz (lat: DIS -crepare: auseinander-brechen) der italienischen Einheit ergibt sich schon aus der Verschiedenheit der Sprache und den daraus resultierenden stark unterschiedlichen Dialekten.

Wenn man davon ausgeht, daß ein Dialekt, und derer gibt es viele in Italien,  eine Form der Abgrenzung von anderen Gruppen darstellt, so erkennt man, daß es wohl viele verschiedene Gruppen in Italien gibt, die natürlich schon aus der Geschichte des Landes entstanden sind.

Es gehört also ein besonderes Fingerspitzengefühl dazu, eine Gruppe um sich zu schaffen, die mit den verschiedensten Problemen umgehen kann, die sich nicht einmal nur aus der reinen Politik ergeben.

Probleme, die sich ergeben, weil einfach so viele unterschiedliche Betrachtungsweisen über ein Thema in Italien existieren.

Giulio Andreotti war ein Mann, der es 7mal als Ministerpräsident bewiesen hat, daß man eine Gruppe um sich bilden kann, die international vermitteln kann. Seine Erfahrungen als Aussenminister haben ihm sicherlich dabei geholfen.

Es sollte jetzt auch einleuchtend sein, daß man manchesmal Gruppierungen, die einen wesentlichen Einfluß haben, nicht ausgrenzen kann.

Die Politik ist ein schwieriges Geschäft, ein Geschäft, das ständig Kompromisse erfordert, auch Kompromisse zwischen Gut und Böse, entscheidend ist: Welche Vorteile kommen für das Land heraus und welchen Zugewinn an Einflußkraft habe ich international.

Lange Zeit dachte man im Gespräch über italienische Politik zuerst an Giulio Andreotti, war er es doch, der seit 1945, somit seit Beginn der Demokratie in Italien, die Regierungen mitlenkte.

Und 1992 war es dann soweit, daß er eigentlich Staatspräsident werden sollte und genau dieses Jahr sollte es sein, in dem die Rechnung der Vergangenheit presentiert wurde.

Die Ermordung von Giovanni Falcone, der sich mit dem organisierten Verbrechen extra beschäftigte, sollte auch das Aus für die Kanditatur für Andreotti sein.

Es wurde ihm vorgeworfen, daß er nicht mit dem nötigen Nachdruck diese Krake entfernte und die Sympathien waren plötzlich ausgelöscht, es kam gar nicht zur Kanditatur Andreottis zum Staatspräsidenten.

Stattdessen ernannte Francesco Cossiga Giulio Andreotti zum Senator auf Lebenszeit auf Grund seiner Verdienste um die Republik.

Diese Funktion bleibt auf Lebenszeit bestehen, ein Rücktritt ist unüblich und nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn z.B. ein Senator zum Staatspräsidenten wird, so geschehen bei Giorgio Napolitano, der in der Gunst des Volkes wohl an Andreottis Stelle treten wird.

Sei es wie es sei: Giulio Andreotti ein tiefgläubiger Mensch, der den Gang in die Kirche als fixen Bestandteil des Tagesplans ansah, ist tot.

Jeder kann denken über ihn wie er will, Vieles war richtig, Vieles war falsch, Manches sicher verwerflich, aber unter dem Strich hat er Großartiges geleistet, das es ersteinmal zu erreichen gilt.

Ruhe in Frieden!

Giulia Bongiorno betroffen über den Tod von Giulio Andreotti: Era unico

 

Tg La 7 Giulio Andreotti è morto

 

Buon Fine Settimana,  Giovanni