La Processione dei Misteri a Trapani

 

Ostern auf Sizilien und die Mysterienprozession in Trapani

 

Viele haben wahrscheinlich schon mitbekommen, daß ich ein großer Fan von traditionellen Festen bin. Dabei ist es auch völlig egal, ob es einen kirchlichen oder einen geschichtlichen Hintergrund gibt, der im Übrigen ohenhin meist derselbe ist, zumindest in Italien. Die Ausstrahlung und die Emotionen, die von solchen Festen ausgehen, sind meist nur schwer in Worte zu fassen und sollte jeder für sich einmal erleben, wenn er sich darauf einlassen möchte.

Natürlich kann man auch „oberflächlich“ daran teilnehmen und sich einfach diese Traditionen ansehen, quasi als turistische Attraktion, aber ich nehme an, daß genau solche Besucher eher nicht zu den Lesern meines Blogs gehören. Deswegen schweife ich gerne auch etwas aus, damit man die Zusammenhänge besser verstehen und dann für sich entscheiden kann, ob man dorthin fährt und es auch miterleben will.

Traditionen werden in Italien hoch gehalten und ganz besonders Christliche, wobei ich jetzt nicht unbedingt nur die Gläubigen ansprechen möchte (wir essen ja auch alle Ostereier und sind keine Heiden). Christliche Feste in Italien sind viel mehr als eine zur-Schau-Stellung kirchlicher Reliquien, es ist auch immer eine Zusammenkunft von vielen, die einfach gemeinsam ein Erlebnis zelebrieren. Und je weiter man in den Süden kommt, desto intensiver werden solche Erlebnisse; das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich immer gerne „ganz weit unten“ unterwegs bin.

So möchte ich heute ein Osterfest vorstellen, das mir besonders am Herzen liegt und das jedem zu empfehlen ist, der die italienische Seele intensiv erleben möchte:

Die Mysterienprozession in Trapani

Sizilien ist immer ein Erlebnis und dieser Insel gehört auch meine emotioniale Aufmerksamkeit, egal zu welcher Jahreszeit; aber Ostern ist auf Sizilien etwas Außergewöhnliches. In nahezu jeder Stadt gibt es Prozessionen in der Karwoche, die scheinbar nicht enden wollen. Wenn man nicht so der Genießer ist oder vielleicht mehreres auf einmal erleben möchte, könnte man von Stadt zu Stadt fahren und an mehreren Prozessionen teilnehmen und man müßte nicht einmal schlafen gehen, denn einige dauern in der Nacht an.

Keine Frage: Ostern ist in Italien wichtiger als Weihnachten und ganz besonders auf Sizilien. Manche Prozessionen fangen bereits einige Tage vor dem Karwochenende an und könnten wirklich vorher noch besucht werden, obwohl ich von solchen, fast schon gestressten, Aktivitäten eher wenig halte; der Genuß bleibt einfach auf der Strecke. Der wahre Interessierte wird öfter Sizilien besuchen und jedes Mal ein anderes Fest ansehen, aktiv daran teilnehmen und dieses tiefe Empfinden mit nachhause nehmen.

Eine der größten Prozessionen findet alljährlich in Trapani statt, die am Karfreitag beginnt und die ganze Nacht fast 24 Stunden hindurch bis zum Karsamstag andauert. Sie ist aber auch eine der ältesten: Seit 400 Jahren werden die 20 Darstellung der Passion Christi durch die Altstadt getragen. Die Statuen sind dabei aufwendigst verziert und gekleidet und montiert auf einer sogenannten „Vara“, einer Art Holztisch mit langen Tragarmen vorne und hinten. Man muß sich das Gewicht vorstellen, wenn die Holzfiguren auf einer Holzkonstruktion stehen und dann noch der ganze Schmuck inklusive Kerzen dazukommt – den Rest erledigt dann die Zeit, in der diese Szene herumgetragen wird. Getragen wird es meist von mind 10 „Massari“ (Träger), die sich voller Stolz immer wieder dazu bereiterklären.

Das Entscheidende an dieser Prozession ist aber die gesamte Stimmung, die davon ausgeht. Während eine kluge Beleuchtung dieser Darstellungen selbst, das Leiden durch eine Licht-Schatten Wirkung besonders schmerzvoll darstellt, kommt auch noch die typische sizilianische Blechblasmusik dazu, die nach meiner Meinung unübertroffen schön zur christlichen Kultur paßt. Diese sakrale Musik ist für mich eine eigene Musikrichtung, die es unbedingt zu erhalten gilt und zu Sizilien gehört wie das Meer.

Im  „annaccata“, ein eigener Wiegeschritt, der sich an die Trauermusik anpaßt, werden dann die Figuren durch die Gassen getragen: Mehrere hundert Kilogramm vom Karfreitag, die ganze Nacht hindurch bis zum Karsamstag – von der Kirche Delle Anime Sante del Purgatorio, in der die Figuren aus dem 16 Jhd aufbewahrt werden und wieder ebendorthin. Eine unglaubliche Leistung der Träger, der Musik (Instrumente werden in dieser Zeit genauso schwer) und ALLER Beteiligten.

Diese Schmerzen, die damit verbunden sind, werden offensichtlich durch die gesamte Stimmung, die dabei vorherrscht und, ich möchte behaupten, dem rauschähnlichen Zustand, einfach ausgelöscht. Unglaublich, wie sich alle Beteiligten, Akteure und Zuseher, sich darauf einlassen. Es schließt sich somit der Gedankenkreis, den ich vorher mit der Behauptung  „man solle sich darauf einlassen“  geöffnet habe: Es wäre schade, wenn man sich diese Leidenschaft nur nebenbei ansieht, als EINE Attraktion unter mehreren.

Jeder Italienlienhaber wird mir Recht geben, daß man nirgendwo sonst einen tieferen Einblick in die Seelenstruktur Italiens bekommt, als bei solchen Prozessionen. Es gehört einfach alles dazu: Das langsame Einstimmen in der Karwoche und das emotionale Ausklingen am Karsamstag Abend.

Ein Erlebnis von dem jeder sehr lange zehren kann, wenn er ein annäherndes Verständnis mitbringt und diese wunderbare Insel geistig erfassen kann.

 

Buona Pasqua, Giovanni

 

 

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Auguri di Buon Compleanno Terence Hill!

Mario Girotti wird heute 75 und kein bißchen leise. Terence Hill ein Garant für coole Sprüche und sportliche Einlagen

 

Terence Hill, oder wie er bürgerlich heißt, Mario Girotti, läßt die Herzen der Fans höher schlagen, wenn er Teil eines Films ist und sofort werden auch Erinnerungen an das Duo Terence Hill und Bud Spencer wach.

Wer kennt sie nicht, die Italowestern mit ihren legendären Sprüchen, die wahre Fans schon im voraus zitieren können, wenn sie diese Filme sehen. Ich selbst erwische mich immer wieder, daß ich den Text schon im voraus kenne oder, daß wir mit Freunden um die Wette diese Sprüche klopfen.

Man kann mit Recht sagen, daß Terence Hill einen festen Platz im Gedächtnis unserer Generation eingenommen hat. Filme wie „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Verflucht, verdammt und Halleluja“,  „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, “ Zwei wie Pech und Schwefel“,  „Zwei Missionare“, „Zwei außer Rand und Band“ oder allein in den Filmen „Mein Name ist Nobody“, „Nobody ist der Größte“, „Renegade“, „Lucky Luke“, „Der Supercop“, „Keiner haut wie Don Camillo“,  stellen nur einen ganz groben Überblick dar, die uns an diese großartige Zeit erinnern sollen, die uns eine Menge Spaß im Kinosaal oder vor dem Fernseher bereiteten.

Ich kann gar nicht die Frage beantworten, welcher Film mir am Besten gefallen hat, obwohl die Italoklassiker natürlich ganz oben stehen. Ich kann auch nicht sagen, ob sie mit 4 Fäusten oder jeweils allein mit 2 Fäusten und lustigen Szenen besser zur Geltung kommen. Tatsache ist, daß sie nach 30 oder 40 Jahren (ja so lange sind diese Filme schon her) noch immer faszinieren und vergleichbare Darsteller schwer zu finden sind.

Prügelszenen ohne irgendwelche Verletzungen(!), Drehorte, Figuren und Geschichten machen sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gleichermaßen interessant. Sie sind noch immer spannend und strapazieren die Lachmuskeln, erst Recht, wenn man sie im Freundeskreis unter Gleichgesinnten ansieht.

Die „Schlägerein“ machen es im Grunde immer wieder aus, daß der Spaß nicht zu kurz kommt, aber nie floß ein Tropfen Blut – für heutige Filme beinahe unvorstellbar, in denen die Körperteile sich in Szenen aufzulösen scheinen. Mir sind jedenfalls Geschichten lieber, die zwar die dunkle Seite der handelnden Figuren darstellen, aber sie gleichzeitig auch wieder abschwächen. Das Leben ist hart genug, man muß sich nicht auch noch in der Phantasiewelt damit beschäftigen. Angeblich soll es einmal aus Unachtsamkeit passiert sein, daß ein Treffer nicht vorbeizog – also quasi ein „Arbeitsunfall“.

Während die Filme wohl hinlänglich bekannt sein dürften, so wenig weiß man eigentlich von der Person Mario Girotti, aber die hat noch viel mehr zu bieten.

Geboren am 29. März 1939 in Venedig verbindet er zwei Welten in einer Person: Einerseits die blauen Augen und das blonde Haar der Germanen und andererseits das Temperament und die Feinfühligkeit der Italiener. Während die deutsche Gründlichkeit wahrscheinlich dafür sorgte, daß er erfolgreich war, so war die italienische Seite in ihm dafür verantwortlich, daß der Spaß in der Schauspielerei Ausdruck fand. Obwohl sein Vater Girolamo Girotti einen naturwissenschaftlichen Beruf als Chemiker ausübte und als Yoga Papst Italiens galt und seine Mutter Hildegard Thieme die deutsche Seite einbrachte, war für ihn schon bald klar, daß das Schauspiel seine Erfüllung darstellte.

Terence Hill lebte im Grundschulalter in Deutschland, wo auch sein Vater beschäftigt war, und übersiedelte nach dem 2. Weltkrieg nach Italien, genauer nach Amelia in Umbrien. Hier machte er die Schule fertig und studierte sogar ein paar Semester.

Mit 12 Jahren (!) hatte er aber schon sein erstes Filmengagement im Film „Vacanze col gangster“. Das war ein offensichtlich so prägendes Ereignis, daß er danach mit der Schauspielschule begann. Er schlug also einen vollkommen anderen Weg ein, als er familiär vielleicht vorgegeben schien.

Terence Hill spricht natürlich, bedingt durch seine verschiedenen Wurzeln, Deutsch und Italienisch muttersprachlich und wurde in beiden Sprachen auch als Schauspieler bekannt und sogar berühmt.

Weniger bekannt sein dürfte, daß er in Karl May Verfilmungen in „Old Surehand“ und „Winnetou 2“ dabei war und noch weniger dürften wissen, daß er auch im deutschen Heimatfilm „Ruf der Wälder“ neben Paul Hörbiger und Rudolf Prack mitwirkte.

Es kann also sein, daß Mario Girotti diesen Blogbeitrag in deutsch liest, eine Ehre an die ich als großer Fan seiner schauspielerischen Leistungen, aber auch als Bewunderer seiner Person gar nicht denken mag.

Aber als Weltenbummler gelang es ihm auch in englischer Sprache zu überzeugen und so wundert es nicht, daß ihm auch auf dem amerikanischen Filmmarkt der Durchbruch gelang.

Lustig ist auch die Geschichte wie aus Mario Girotti „Terence Hill“ wurde:

International sah man Schwierigkeiten einen italienischen Namen zu vermarkten und so schlug man ihm ein paar Namen vor und „Terence Hill“ war dann gleich seine Wahl – smart und schnell wie er eben ist.

Terence Hill, der ein Liebhaber von Kunst und Kultur ist, lebt seit mehr als 40 Jahren auf einer Ranch in Massachusetts. Seine Frau Lori Zwicklbauer, die zwar Amerikanerin ist, aber deren Wurzeln auch in Bayern zu finden sind, unterstützt ihn an seiner Seite. Sein Sohn Jess Hill und sein Adoptivsohn Ross Hill begannen sogar noch früher die Schauspielkarriere als ihr Vater.

Jess Hill wurde von uns schon öfter in den Filmen gesehen, als es uns wahrscheinlich bewußt ist: Schon als Baby begann seine Karriere im Film „Die rechte und die linke Hand des Teufels“. Weiters wirkte er in  „Lucky Luke“ und auch in „Troublemaker“ mit.

Im Film „Keiner haut wie Don Camillo“ spielt Ross Hill den kleinen Magrino, der als Aussenseiter von Don Camillo eine besondere Chance bekommt und im Fußballteam als gerissenes Bürschchen mitspielen darf. Eine Rolle, die man sich mit diesem Hintergrundwissen vielleicht noch einmal genauer ansehen sollte, hat diese Situation doch eine besondere Raffinesse und bringt auch einen zusätzlichen Spaßfaktor.

In „Renegade“ spielt Ross Hill den gerissenen Matt, der mit seiner Art genauso wie sein Vater den Cleveren Part übernimmt. Überhaupt schien in diesem Film eine autobiografische Ader dabei zu sein. Schließlich schrieb Terence Hill auch das Drehbuch. So spielte nicht nur sein Sohn den quasi Adoptivsohn, sondern auch die besondere Beziehung zu den Pferden kommt in diesem Film sehr gut zur Geltung – falls es einen Pferdeflüsterer gibt, Terence Hill ist sicher einer von ihnen. Geradezu unglaublich die Schmuseszene mit dem Pferd, hier kommt die menschliche Qualität Terence Hills besonders heraus.

Er liebt den Umgang mit den Pferden, ist ein ausgezeichneter Reiter, wie wir alle wissen, und ein ganz besonderer Naturliebhaber. Diese Eigenschaft macht es wahrscheinlich aus, daß seine Filme immer authentisch wirken.

Doch Ross Hill verunglückte 1990 tödlich bei einem Autounfall.

Auch heute ist Terence Hill noch immer aktiv: Momentan startet in Italien die 9. Staffel von Don Matteo, die er eingangs im Video auch vorstellt. Er spielt darin einen Pfarrer, der der Polizei bei der Lösung von Kriminalfällen behilflich ist.

Weiters  drehte er die Fernsehserie „Un passo dal cielo“ in 2 Staffeln, die erst letztes Jahr auch als Film zu sehen war.

 

 

Eine unglaubliche Persönlichkeit hat heute Geburtstag und wir wünschen ihm

 

Alles Gute, viel Glück und Gesundheit – Terence Hill

 

und wenn einmal ein Problem ansteht, denke an Deinen Satz:

„Laß mal, dem beiße ich eine Beule in den Bart, daß ihm die Hose wegfliegt“

 

Cari saluti, Giovanni

 

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Am Schluß habe ich noch diverse Zitate aus den Filmen – ich wünsche Euch viel Spaß:

 

Terence Hill

Bumse macht und unten ist er, da sieht man mal wie leicht man abstürzen kann.

Wenn Du mich noch einmal duzt, dann hau ich Dir eine Delle in die Gewürzgurke.

So und nun hol ihn raus, den Zahn meine ich, denn wer weiß was Du sonst noch herausholst, ist so schon so eine schlechte Luft hier.

Dann gibt es eine vor die Sapperrinne…

Komm raus, Dir hau ich die Raupen aus der Nuß.

Türen sind zum Aufmachen da, sind ja keine Windmühlenflügel.

Ja, schmeckt gar nicht mal so gut

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Polizei: Du hast die 70 überschritten!

Terence Hill: Dafür sehe ich doch noch gut aus

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Terence Hill: Was hat er, zieht er Nebenluft, hat er offene Socken?

Nein er hat kürzlich eine vor die Birne bekommen, das hat ihm nicht bekommen

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bei der Geisterbeschwörung: Schnarsonier, Schnarsoniiiier, Schnarrrrsoniiiiiierrrrr

Terence Hill: Schnaps und ein Biiieeerrrr,        … das könnte ich jetzt auch vertragen.

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Terence Hill: die gehen nach Ontario in Canada, weiß Du wo das ist?

Bud Spencer: Hinter Jason´s Hütte und dann links.

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Bud Spencer: Habe ich das doch glatt vergessen

Terence Hill: Nicht verwunderlich bei der geringen Anzahl Deiner grauen Zellen.

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Terence Hill: Die haben unsere Mutter beleidigt.

Bud Spencer: was haben sie denn gesagt?

Terence Hill: Sie sei eine alte Hure

Bud Spencer: aber das stimmt doch

Terence Hill: na so alt ist sie nun auch wieder nicht

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Terence Hill: Kennst Du die Malediven?

Bud Spencer: Flüchtig, hab mal mit ihnen gegessen

Terence Hill: Dann kannst Du sie mir ja mal vorstellen

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Türsteher: Ich darf sie nur hereinlassen, wenn sie Mitglied sind:

Terence Hill: Wir sind Mitglied, ohne hätten wir eine zu hohe Stimme.

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Gran Teatro La Fenice di Venezia

Concerto di Capodanno 2014 und die Krönung eines der aufwendigsten Restaurationen

Ich will das Neujahrskonzert in einem der wichtigsten Opernhäuser in Europa zum Anlaß nehmen und mich ein wenig mit dieser akustischen Meisterleistung in Gestalt eines Hauses beschäftigen.

Jeder Fan der klassischen Musik kommt sofort ins Schwärmen, wenn er den klangvollen Namen „La Fenice“ hört, doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet, was der tiefere Sinn dieses Namens ist.

Denn das Teatro La Fenice entstand ursprünglich aus einem Schicksalschlag heraus, der sich in der Geschichte wiederholen sollte und es immer wieder neu entstehen ließ – wie Phönix aus der Asche.

Im 16. Jhd war Venedig schon ein Zentrum der Musik und nahm eine bedeutende Stellung ein, wenn es um Innovationen in der klassischen Musik ging.

Im 17 Jhd wurde die Oper in Venedig modern und viele Opernhäuser wurden errichtet, deren Bedeutung durch zahlreicher Uraufführungen weiter zunahm. Zeitweise gab es in Venedig an die 20 Opernhäuser, die zu einem Hauptanziehungspunkt für Sänger und Komponisten wurden.

Venedig war auch die Stadt, in der es das erste öffentliche Opernhaus überhaupt gab und somit einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichte die Musik zu genießen.

Das schönste und größte Theater war das Teatro San Benedetto, das neben anderen Opernhäusern auch der angesehenen Familie Grimani gehörte. Insgesamt steht in Venedig die Familie Grimani für Kunst und Kultur, bedeutende Sammlungen sind dieser Familie zu verdanken.

Aber das Teatro San Benedetto, das 1755 erbaut wurde, brannte im Jahre 1774 vollkommen nieder und löste einen Streit zwischen der Familie Grimani und der Betreibergesellschaft aus, weil man sich nicht über den Wiederaufbau einigen konnte.

Und wie so oft in der Geschichte löst der Schicksalsschlag auf der einen Seite eine positive Wendung auf der anderen Seite aus und das Gran Teatro La Fenice entstand – größer und schöner als das San Benedetto, ausgestattet mit einem bekannten Namen aus der griechischen Mythologie: Phönix (La Fenice), der verbrennt und aus der Asche wieder neu entsteht und in neuem Glanz erstrahlt.

Der Bau wurde vom Architekten Gian Antonio Selva, einem Vertreter des venezianischen Klassizismus, geplant und in den Jahren 1790-1792 fertiggestellt und zählt sicher zu seinen Meisterstücken.

Die grandiose Akustik führte schnell dazu, daß es zum bedeutendsten Zentrum der Musik wurde und Uraufführungen zuerst im La Fenice stattfanden. Giuseppe Verdi liebte diese Bühne und führte gleich mehrere Opern urauf. Obwohl das Gran Teatro La Fenice in Konkurrenz zur Mailänder Scala und dem Teatro San Carlo in Neapel stand, konnte es seine Stellung als außergewöhnliches Haus festigen.

Aber Phönix kam nicht zur Ruhe und ein neuerlicher Brand 1836 zerstörte das Haus nochmals, aber schon nach einem Jahr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Es schien so, als ob Phönix immer wieder aus der Asche hervorkam und sich neu präsentierte, nichts konnte diesem Theater anhaben. Auch litt der Ruf nicht darunter, obwohl es während der Sanierung geschlossen war. Weiterhin war es das Zentrum musikalischen Schaffens und wurde weiter gefestigt durch die italienische Uraufführung der Tetralogie der Ring der Nibelungen von Richard Wagner.

Auch die grundlegende Sanierung 1937 durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi, der als Vertreter des italienischen Rationalismus die Rückendeckung Mussolinis genoß, konnte dieser Ausstrahlung nicht schaden.

Auch nicht die Zeit der beiden Weltkriege, in der das Teatro geschlossen blieb, konnte verhindern, daß es nach Ende des Krieges wiederrum ein Lieblingshaus für Komponisten wurde. Es blieb dabei: La Fenice ist am Besten geeignet für die Uraufführung und so wählten auch Prokofiew, Strawinski, Bussotti und viele andere diese Akkustik um ihre Werke bestens in Szene zu setzen.

Doch nochmals schlug die Katastrophe zu: am Montag dem 29. Jänner 1996

Brandstiftung schien das Ende zu sein. Eine Verzweiflungstat des Elektroingenieurs Enrico Carella, der eine Konventionalstrafe fürchten mußte, wegen Verzugs der gerade laufenden Sanierungsarbeiten, führte zum totalen Untergang.

Lange Zeit war fraglich, ob man dieses Haus wiederherstellen und diese einzigartige Akustik wieder erreichen könne.

Aldo Rossi legte einen Vorschlag vor und gewann 1997 die Ausschreibung. Er hielt sich an alte Baupläne, suchte Fotos und Filmdokumente und bemühte sich originalgetreu dieses Meisterstück zu rekonstruieren ohne aber auf moderne Möglichkeiten zu vergessen um alte Überlegungen zusätzlich einfließen zu lassen.

Aldo Rossi, der 1997 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, war es leider nicht vergönnt bei den Bauarbeiten dabei zu sein. Die Fertigstellung erfolgte durch Mitarbeiter seines Büros.

Am 14. Dezember 2003 konnte die erste Aufführung stattfinden, vorerst durch ein Konzert dirigiert durch Riccardo Muti. Ein 10 jähriges Jubiläum der Wiedereröffnung wurde letzten Jahres gefeiert.

Erst circa ein Jahr später am 12. Novemer 2004 konnte die erste Oper seit Langem wieder auf der Bühne gespielt werden und zwar mit der besten Bühnentechnik der Welt und der schönsten Oper von Verdi: „La Traviata“.

Ein unschätzbares Kulturgut schien für immer verloren.

Jedoch wurden keine Mühen und Kosten gescheut um dieses Haus wiederaufzubauen und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ganz so, als ob nie etwas passiert wäre, ganz im Gegenteil: Altes konnte wiederhergestellt werden und Modernes konnte unauffällig verbessern.

Die Akustik ist vollkommen wiederhergestellt, die Atmosphäre ist geblieben.

Ganz so wie Phönix, der aus der Asche emporstieg und heute noch das Wappen des Hauses bildet.

Ich kann nur jedem Venedigreisenden empfehlen dieses Meisterwerk an Architektur zu besuchen und diese einzigartige Akustik zu genießen: Ein Stück Geschichte mit einem Stück Klassik zu verbinden und nebenbei diese wunderbare Stimmung Venedigs zu spüren. Ein wunderbares Haus, das zu jeder Jahreszeit einlädt einen ganz besonderen Aufenthalt in einer der reizvollsten Städte zu verbringen.

Tantissimi auguri di buon capodanno, Giovanni

Am Schluß möchte ich Euch einladen einen Ausschnitt vom Neujahrskonzert 2014 zu genießen aus Pietro Mascagni´s Intermezzo da Cavalleria Rusticana

Dirigent Diego Matheuz: eine unglaubliche Persönlichkeit, die seit 2011 Chefdirigent am Teatro La Fenice ist.

Die Hexe Befana

Weihnachten in Italien

Dieser Artikel ist dem Adventkalender der lieben und gar nicht giftigen Blonden gewidmet und ich möchte ihn als wissenswerte Weinachtsgeschichte schreiben, vielleicht ist sie ja auch einmal als Gute Nacht-Geschichte für Kinder geeignet, um Weihnachten einmal anders zu erzählen.

Die Geschichte ist einzigartig und könnte nicht besser erfunden werden und deswegen versuche ich sie so gut wie möglich zu erzählen, denn die Befana war einmal wichtiger als das Christkind.

Einst bekamen nämlich die Kinder erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner die Geschenke und zwar von der alten Hexe Befana (der Name kommt von Epiphanie) – heute bekommen sie zweimal Geschenke: Einmal vom Christkind und einmal von der Befana, der freundlichen Hexe und das ist die Geschichte dazu:

Es war einmal eine alte Dame, die hatte ein nettes Häuschen, das sie immer hegte und fegte.

Tag ein, Tag aus kehrte sie mit ihrem Besen das Haus und fegte und fegte. Es war ein tägliches Ritual, das sie keinesfalls aufgeben wollte, zu wichtig war die Pflege ihres kleinen Häuschens.

Sie stand in der Früh auf und putzte und putzte, akribisch ging sie dieser Arbeit nach, jeder Tag begann gleich und sie ließ kein Eckerl ungefegt, kein Eckerl unbegutachtet.

Sie fegte und fegte bis sie Abends totmüde ins Bett fiel.

Jeder Tag begann gleich und endete mit einem gut gefegten Häuschen in einem kleinen Ort, der auf dem Weg nach Bethlehem lag und so kam es, daß

eines Tages drei Männer an ihre Tür klopften:

Die alte Dame, wiederrum mit der Pflege ihres kleinen Häuschen beschäftigt, richtete ihre Haare zurecht, band ihre Schürze neu, legte den Besen weg und öffnete die Tür und schaute vollkommen entnervt raus, denn sie mußte die Arbeit unterbrechen, die ihr alles bedeutete.

Vor der Tür standen Männer mit edlen Gewändern, Stoffen aus Gold-  und Silberfäden, die Mäntel waren von solcher Schönheit, daß man sofort erkannte, daß sie nicht aus der Gegend entstammten, sondern von weit her gereist waren. Sie mußten aus einem Land kommen, in dem es Gold, Silber und Edelsteine gab.

In der Hand hielten sie ihre wertvollen Geschenke, die für ein Kind bestimmt waren.

Die alte Dame allerdings ließ sich von diesem Schein nicht beeindrucken und fragte sich nur: Was ist so wichtig, daß mich jemand bei meiner Arbeit stört.

Die drei Edelmänner erzählten die frohe Botschaft, daß der Stern von Bethlehem sie zur Krippe führe, in der Jesus Christus geboren worden ist und sie müßten unbedingt dorthin gelangen, denn sie hätten Geschenke für dieses Kind mitgebracht.

Die alte Dame, die sich in ihrer Lieblingsbeschäftigung gestört fühlte, hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf und dachte sich dabei, wie man sich bloß mit solchen Dingen beschäftigen könne.

Die drei Männer fragten sie, ob sie denn mitkommen wolle, und sie verneinte, schloß die Tür und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Doch nach einiger Zeit bereute sie es, daß sie nicht mitging um sich dieses Spektakel anzusehen. Sie beendete ihre Arbeit mit der gewohnten Gründlichkeit, packte ein paar Süßigkeiten als Geschenke ein und marschierte los.

Sie mußte ja nur diesem Stern folgen, um zu dieser Stelle zu kommen.

Aber es war schon viel zu spät und der Stern erloschen und so irrte sie herum und verteilte die Geschenke an alle Kinder, die sie traf, in der Hoffnung dem Jesuskind zu begegnen.

Und so kommt es, daß die Hexe Befana heute noch sucht und von Schornstein zu Schornstein fliegt um die Socken und Stiefel der Kinder mit Süßigkeiten und Geschenken zu füllen, denn sie könnte ja einmal das Christkind finden.

Die weniger braven Kinder allerdings bekommen keine Süßigkeiten, sondern Kohle!

Aber die „schlimmen“ Kinder wissen, daß diese Kohle (carbone dolce) genausogut ist, denn sie ist heute aus einer schwarze Zuckermasse, die zwar aussieht wie Kohle, aber herrlich schmeckt.

Aus der ursprünglichen Hexe, die alt und hässlich ist und sogar als Schimpfwort in der italienische Sprache einen Platz gefunden hat (una befana=hässliche Alte), entwickelte sich eine gute Hexe, die den Kindern immer die Geschenke bringt und heute noch immer die Grundlage für ein Fest für Kinder und Familie bildet.

Auch in der Politik fand die Befana ihren Platz: So wurde im Faschismus die Befana fascista erfunden, die Geschenke an arme Kinder verteilte und so den gutmütigen Charakter weiter unterstrich.

Ein schöner Brauch, der einen krönenden Abschluß der Weihnachtsfeiertage bildet und das Christkind lange Zeit in den Schatten stellte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch

Buon natale, Giovanni

Lamborghini: Der Bulle wurde heuer 50

Wir wollen diese Gelegenheit nutzen und uns mit dem wichtigsten Testfahrer des Stiers befassen

Valentino Balboni è un pensionato?
Un Pensionato?-Balboni?!!-Nooooo!!!!!!

Valentino Balboni, war seit über 40 Jahren Cheftestfahrer bei Lamborghini, ist seit Anfang 2009 in Ruhestand gegangen und ihm zu Ehren wurde ein Auto kreiert, daß er selbst ohne sein Wissen zusammenstellte, aber dazu später.

Valentino Balboni: Was Enzo Ferrari bei Ferrari, Giuseppe Busso bei Alfa Romeo, ist Valentino Balboni bei Lamborghini: eine Legende! (obwohl er sich selbst niemals so sehen würde)
Aber wie wird man Testfahrer bei Lamborghini?
Wie entstand die Fa Lamborghini?
Ein kurzer Querschnitt

1963 wurde Automobili Ferruccio Lamborghini S.P.A. gegründet, nach einem „kleinen“ Disput zwischen Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari.

Lamborghini nannte nämlich einen Ferrari als sein Eigen und bemängelte als eifriger Ingeneur bei seinem Freund Enzo Ferrari ein paar Dinge, die zu verbessern wären und Enzo Ferrari in seiner Art meinte bloß, daß er von einem Traktorenhersteller (der er auch war) keine Empfehlungen brauche.

Ferruccio Lamborghini erzählt diese Geschichte (Achtung Video stark übersteuert und viel zu laut!!)

Das erste Auto, daß Ferruccio Lamborghini herausbrachte, ein 350 GTV

Der später zu einem 350 GT wurde

1967 kam der Miura heraus und sollte am Beginn das wichtigste Modell für Lamborghini sein-Fans (und mir auch) läßte er noch immer das Herz höher schlagen

1968 wurde Valentino Balboni als Mechaniker Lehrling eingestellt

Seine Aufgabe war es unteranderem Wagen aus der Halle auf den Parkplatz davor herauszufahren.

Aber wie wird man dann Testfahrer?

Aus dem gleichen Grund, wie man heute entlassen werden würde.

Valentino nutzte immer die Möglichkeit einer kleinen Spritztour-die paar Meter aus der Halle auf den Parkplatz waren zu wenig und die Autos heiß und temperamentvoll.

Mehrmaliges urgieren beim Chef, daß Balboni die Autos ums Firmengelände fährt führte zu gar nichts-
bis allerdings Testfahrer gesucht wurden und Balboni sich bewarb und…

1973 natürlich genommen wurde-er machte es ohnehin immer und sein erstes Auto und noch heutiger Privatwagen war (ist) ein Miura.
Niemals vergißt er, wie das Erstemal der Firmenschranken aufging und er mit dem Miura auf die Straße durfte, aber dazu später.

Balboni, der mehrere Sprachen fließend spricht, ist Mechaniker und behauptet auch, daß ein guter Testfahrer auch ein guter Mechaniker sein muß.

Er, der die Bescheidenheit in Person ist,
durfte immer eines der teuersten und schnellsten Autos fahren

hatte einstmal die Lizenz zum Schnellfahren auf öffentlichen Straßen, denn Lamborghini sind für die Straße gebaut und Teststrecke hatte Lamborghini keine.

Valentino Balboni spricht über Oldtimer und seine Liebe zur alten Technik-im

Lamborghini Museum 1

Lamborghini Museum 2

1974 enstand der für den Umsatz wichtigste Wagen, der Countach, der seinen Namen einem Begeisterungssturm der Ingeneure entstand: Countach bedeutet im Dialekt des Piemont so etwas Ähnliches, wie „Wow“-heute würde man „GEIL“ sagen:

Ferruccio Lamborghini und Valentino Balboni im Countach
(Man beachte Valentino Balboni bei ca 250km/h auf der Landstraße und die Aussage, daß er sich wohl fühle)

Den Spieltrieb erhielt er sich bis ins Alter

Impressioni

Impressioni

Impressioni

Plötzlich zog er sich zurück, doch als Botschafter einer Marke wie Lamborghini zieht man sich nicht einfach so zurück und so kam es:

Die Entwicklungsabteilung fragte ihn immer so zwischendurch, was ihm wichtig sei und er antwortete:
Heckantrieb
sportlichere Abstimmung
eigene Lackierung
Handschaltung

und er wollte kein ESP, damit man etwas spürt

und Lamborghini baute IHM SEINEN Lamborghini, so wie er sich das vorstellt, allerdings mit ESP-
OHNE sein Wissen und das erstemal OHNE SEINER Probefahrt (denn dazu hatte er noch genug Gelegenheit),
den Lamborghini Gallardo Edition Valentino Balboni, limitiert auf 250 Stück

Und seine Mutter fragt ihn noch heute: „Fährst Du wieder diese Wagen?“ Balboni: „Si, Si“ „Dann paß bloß auf“

…und je älter er wird desto mehr löst sich Balboni von seiner Mama

Balboni in Pension?-Balboni?-NIEMALS!!!!!!!!!

I Migliori Auguri, Valentino Balboni
Grazie tanto

Ich wünsche ihm viel Spaß mit seinem Firmenwagen, denn eine Legende geht nicht in Pension!

Abschließend möchte ich noch ein Interview (30min) mit Valentino Balboni anhängen

Cari Saluti, Giovanni

un caffè sospeso!

Gedenktag des Caffè Sospeso: 10. Dezember

Am Tag der Menschrechte, am 10. Dezember jeden Jahres, gibt es noch einen anderen Gedenktag, der sich passender Weise auch auf das soziale Miteinander konzentriert: der Tag des Caffè Sospeso.

Wenn jemand in einer traditionellen Bar zwei oder mehr Kaffee auf einmal bestellt, aber nur einen genießt, so sollte es niemanden wundern, denn die übrigen Espressi wurden für Menschen mitbezahlt, die sich keinen Espresso leisten können.

Eine Institution, die ursprünglich in Neapel entstand, erfreut sich in letzter Zeit wieder einer größeren Beliebheit.

Lange schien diese alte Tradition schon in Vergessenheit geraten zu sein, wurde aber in letzter Zeit nicht nur in Italien wieder beliebter, sondern wird auch schon in ausgewählten Lokalen anderer europäischer Länder, wie zum Beispiel in der Schweiz, Spanien und auch in Österreich, praktiziert.

Wenn jemand einen guten Tag oder ein erfolgreiches Geschäft abgeschlossen hatte, bestellte er aus Dankbarkeit einen caffè sospeso, daß heißt er bekam einen Espresso für sich und bezahlte einen weiteren für jemanden, der sich keinen leisten konnte. Dieser wird extra vermerkt und wenn dann jemand, der wirtschaftlich schlechter gestellt war, danach fragte: c’è un caffè sospeso? (gibt es einen „schwebenden“ Kaffee), dann bekam er diesen – gratis!

Eine nette , soziale Einrichtung, die eigentlich nur aus Neapel stammen kann. Die Bevölkerung in dieser nach außen hin prächtigen Stadt war in der Geschichte immer wieder gezwungen sich gegenseitig zu helfen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sich ein soziales Gefüge entwickelte, das man sich oft anderorts wünschen würde und wer auf sich hält, bestellt auch nicht nur einen sospeso, sondern es können auch durchaus 10 sospesi sein. Gerade zu Weihnachten werden diese Traditionen hoch gehalten – zur Freude der Schlechtergestellten und davon gibt es in Zeiten der Krise mehr als genug.

So fällt es in Italien auch nicht weiter auf, wenn in prächtigen Kaffeehäusern oder in Bars um die Ecke, Menschen bei der Tür hereinkommen, die man sich so nicht weiter erwarten würde, stattdessen freut man sich für sie, wenn sie ein Stück Wärme und weihnachtliche Stimmung in die Herzen bringen können.

Das Wesentliche ist, niemand soll vom sozialen Miteinander ausgeschlossen sein und man achtet darauf, daß wirklich jeder daran teilnehmen kann.

Es ist eine Tradition, die ich sehr schätze und jedesmal, wenn ich nach Italien fahre, wahrnehme, aus Dankbarkeit in Italien zu sein, aus Dankbarkeit ein Teil dieser Wertschätzung des Mitmenschen zu sein.

Ein sozialer Beitrag, der besonderen Art, der aus Italien kommt, zu Italien gehört und einfach nicht sterben darf. Er gehört gepflegt und gehegt, denn es ist mehr als nur ein Kaffee auf Kosten des Anderen, es ist ein Ausdruck einer Lebenseinstellung, die eine ganze Nation auszeichnet und weiter in die Welt hinausgetragen werden muß.

Vielleicht sollte man diesen Gedanken aufgreifen und dem eigenen Genuß, einen weiteren Genuß für jemanden anderen, der es sich nicht leisten kann, hinzufügen. Schöner kann man Weihnachten nicht feiern…

Buon Natale, Giovanni

Fieracavalli 2013

Eine außergewöhnliche Messe für Pferdeliebhaber

Liebhaber des Reitsports oder einfach nur Pferdeliebhaber hatten vorige Woche wieder einen guten Grund ein paar Tage Urlaub zu nehmen: die Fieracavalli 2013 fand wieder in Verona statt und für sehr viele Fans waren vom 7.-10. November die Messehallen ihr zuhause.

Was für Pferdeliebhaber bekannt sein dürfte und gerne besucht wird, möchte ich auch anderen Interessierten nahe legen, denn die Fieracavalli ist nicht nur eine Messe, sondern vielmehr ein großes Treffen, das Spaß macht und Pferde zum „anfassen“ bietet.

Was ursprünglich im Jahre 1898 als einfache Pferdemesse begann, hat nach 115 Jahren eine gewaltige Dimension angenommen. Die Leidenschaft für Pferde ist an jeder Ecke zu spüren und läßt einen vergessen auf einer Messe zu sein, stattdessen kommt  das Gefühl auf, man befinde sich im Reitstall eines Freundes und man feiere eben ein wenig mit anderen Freunden. Das kulinarische Angebot zeugt dann vom guten Geschmack des Gastgebers.

Hunderttausende Besucher zieht dieses Fest der Pferde jedes Jahr an und bewundern ca 2500 Pferde und können sich bei mehr als 600 Ausstellern über Neuigkeiten informieren. Langeweile ist also sicher nicht das Problem dieser Tage, stattdessen verfliegt die Zeit.

Bei all dem Interesse, daß jeder mitbringt, sollte man aber dem Genuß den Vortritt lassen, denn erst mit der nötigen Ruhe kann man diese wunderbare Welt so erleben wie es angemessen ist.

In den Hallen werden nach Themen geordnet, Pferderassen, Pflege und Kleidung gezeigt und dabei bleibt keine Frage unbeantwortet und kein Wunsch unerfüllt.

Die Fieracavalli ist aber vor Allem durch ihre Veranstaltungen interessant: So findet der Worldcup im Springreiten statt und unterstreicht den sportlichen Character der Messe.

Am Abend gibt es den eleganten Teil mit der Gala d‘ Oro Opera, die unter der bewährten Regie von Antonio Giarola jedesmal für Begeisterung und Gänsehaut sorgt. Licht, Musik und Choreografie bildet eine großartige Oper, in der Phantasie und Wirklichkeit verschwimmt und eine großartige Traumwelt vor den Augen des Besuchers erscheinen läßt. Gala d‘ Oro Opera stand heuer ganz im Zeichen des 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi und Richard Wagner und ein weiteres Jubiläum wurde gleich mitgefeiert: Das 100 jährige Jubiläum der Arena di Verona, die seit 1913 wieder regelmäßig für Opern zur Verfügung steht und durch ihre ausgezeichente Akkustik jeden Musikliebhaber den Puls höher schlagen läßt. Bezeichnenderweise wurde diese Arena, die etwa im Jahre 30 nChr errichtet wurde, 1913 mit Aida von Giuseppe Verdi wiedereröffnet. Geschichtsträchtiger Hintergrund, der mit dieser Gala sehr gut dargestellt wurde.

Für die Anhänger des Westernreitens bieten die Westernshows eine geeignete Möglichkeit ihren Interessen nachzugehen und sind auch für die ganze Familie ein Spaß.  Darbietungen der Country-Western Tanzschulen und der Saloon mit der Countrymusik läßt das nötige Flair aufkommen.

Das Kinderdorf (villagio del bambino) sorgt dann endgültig für die Unterhaltung der Kleinen und wurde heuer um einige Attraktionen erweitert.

Eine ganz besondere Messe, die zum Eintrittspreis von €23.- sehr viel zu bieten hat. Die Galavorstellungen und die Turniere kosten zwar extra, sorgen aber dafür auch für eine Extragänsehaut.

Cari Saluti, Giovanni