Lamborghini: Der Bulle wurde heuer 50

Wir wollen diese Gelegenheit nutzen und uns mit dem wichtigsten Testfahrer des Stiers befassen

Valentino Balboni è un pensionato?
Un Pensionato?-Balboni?!!-Nooooo!!!!!!

Valentino Balboni, war seit über 40 Jahren Cheftestfahrer bei Lamborghini, ist seit Anfang 2009 in Ruhestand gegangen und ihm zu Ehren wurde ein Auto kreiert, daß er selbst ohne sein Wissen zusammenstellte, aber dazu später.

Valentino Balboni: Was Enzo Ferrari bei Ferrari, Giuseppe Busso bei Alfa Romeo, ist Valentino Balboni bei Lamborghini: eine Legende! (obwohl er sich selbst niemals so sehen würde)
Aber wie wird man Testfahrer bei Lamborghini?
Wie entstand die Fa Lamborghini?
Ein kurzer Querschnitt

1963 wurde Automobili Ferruccio Lamborghini S.P.A. gegründet, nach einem „kleinen“ Disput zwischen Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari.

Lamborghini nannte nämlich einen Ferrari als sein Eigen und bemängelte als eifriger Ingeneur bei seinem Freund Enzo Ferrari ein paar Dinge, die zu verbessern wären und Enzo Ferrari in seiner Art meinte bloß, daß er von einem Traktorenhersteller (der er auch war) keine Empfehlungen brauche.

Ferruccio Lamborghini erzählt diese Geschichte (Achtung Video stark übersteuert und viel zu laut!!)

Das erste Auto, daß Ferruccio Lamborghini herausbrachte, ein 350 GTV

Der später zu einem 350 GT wurde

1967 kam der Miura heraus und sollte am Beginn das wichtigste Modell für Lamborghini sein-Fans (und mir auch) läßte er noch immer das Herz höher schlagen

1968 wurde Valentino Balboni als Mechaniker Lehrling eingestellt

Seine Aufgabe war es unteranderem Wagen aus der Halle auf den Parkplatz davor herauszufahren.

Aber wie wird man dann Testfahrer?

Aus dem gleichen Grund, wie man heute entlassen werden würde.

Valentino nutzte immer die Möglichkeit einer kleinen Spritztour-die paar Meter aus der Halle auf den Parkplatz waren zu wenig und die Autos heiß und temperamentvoll.

Mehrmaliges urgieren beim Chef, daß Balboni die Autos ums Firmengelände fährt führte zu gar nichts-
bis allerdings Testfahrer gesucht wurden und Balboni sich bewarb und…

1973 natürlich genommen wurde-er machte es ohnehin immer und sein erstes Auto und noch heutiger Privatwagen war (ist) ein Miura.
Niemals vergißt er, wie das Erstemal der Firmenschranken aufging und er mit dem Miura auf die Straße durfte, aber dazu später.

Balboni, der mehrere Sprachen fließend spricht, ist Mechaniker und behauptet auch, daß ein guter Testfahrer auch ein guter Mechaniker sein muß.

Er, der die Bescheidenheit in Person ist,
durfte immer eines der teuersten und schnellsten Autos fahren

hatte einstmal die Lizenz zum Schnellfahren auf öffentlichen Straßen, denn Lamborghini sind für die Straße gebaut und Teststrecke hatte Lamborghini keine.

Valentino Balboni spricht über Oldtimer und seine Liebe zur alten Technik-im

Lamborghini Museum 1

Lamborghini Museum 2

1974 enstand der für den Umsatz wichtigste Wagen, der Countach, der seinen Namen einem Begeisterungssturm der Ingeneure entstand: Countach bedeutet im Dialekt des Piemont so etwas Ähnliches, wie „Wow“-heute würde man „GEIL“ sagen:

Ferruccio Lamborghini und Valentino Balboni im Countach
(Man beachte Valentino Balboni bei ca 250km/h auf der Landstraße und die Aussage, daß er sich wohl fühle)

Den Spieltrieb erhielt er sich bis ins Alter

Impressioni

Impressioni

Impressioni

Plötzlich zog er sich zurück, doch als Botschafter einer Marke wie Lamborghini zieht man sich nicht einfach so zurück und so kam es:

Die Entwicklungsabteilung fragte ihn immer so zwischendurch, was ihm wichtig sei und er antwortete:
Heckantrieb
sportlichere Abstimmung
eigene Lackierung
Handschaltung

und er wollte kein ESP, damit man etwas spürt

und Lamborghini baute IHM SEINEN Lamborghini, so wie er sich das vorstellt, allerdings mit ESP-
OHNE sein Wissen und das erstemal OHNE SEINER Probefahrt (denn dazu hatte er noch genug Gelegenheit),
den Lamborghini Gallardo Edition Valentino Balboni, limitiert auf 250 Stück

Und seine Mutter fragt ihn noch heute: „Fährst Du wieder diese Wagen?“ Balboni: „Si, Si“ „Dann paß bloß auf“

…und je älter er wird desto mehr löst sich Balboni von seiner Mama

Balboni in Pension?-Balboni?-NIEMALS!!!!!!!!!

I Migliori Auguri, Valentino Balboni
Grazie tanto

Ich wünsche ihm viel Spaß mit seinem Firmenwagen, denn eine Legende geht nicht in Pension!

Abschließend möchte ich noch ein Interview (30min) mit Valentino Balboni anhängen

Cari Saluti, Giovanni

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Von der Sucht Alfa Romeo zu lieben

Von den Schwierigkeiten seine Sucht zu befriedigen und was macht das Alfa Romeo fahren eigentlich aus.

Viele werden jetzt vollkommen ungläubig ihren Kopf schütteln und sich denken: wie bitte, der schreibt über ein Auto. Das Klump soll funktionieren und fertig.

Was soll ich mir da Gedanken machen über eine spezielle Vorliebe und vielleicht das Ganze noch philosophisch betrachten und überhaupt, sind wir schon fertig – Punkt

Ja die, die fahren halt nicht Alfa Romeo.

Diejenigen, die jetzt weiterlesen, sind entweder schon selbst in dieser lebenslangen Sucht gefangen oder haben zumindest davon gehört, daß Alfisti (so nennt man diese Suchtfetzen, die nie in ein anderes Auto einsteigen würden) irgendwann mit diesem Alfa Virus in Berührung gekommen sind und ein Gegenmittel nicht bekannt ist.

Einmal mit diesem unbestechlichen Motorsound, dieser unbeschreibliche Art der Rückmeldung des Straßenbelags durch das unbestechliche Fahrwerk oder durch das einzigartige Flair des Wageninneren in Berührung gekommen und man(n) ist infiziert.

Der Alfa Virus steckt in jedem kleinen Detail und springt unbarmherzig auf den Besitzer über.

Durch diese hinterlistige Art vermehrt sich der Virus sehr stark und eine Aussicht auf Heilung des Opfers besteht nicht – zumindest sind mir nur vereinzelte Fälle bekannt, die die Sucht hinter sich lassen konnten.

Die Anderen, die Süchtigen, die Alfisti sind verdammt lebenslang diese atemberaubenden Wagen zu fahren, den Kult zu leben, die Philosophie hoch zu halten und jede Ausfahrt zu genießen.

Alfa fahren ist nicht einfach von A nach B kommen, das können andere Autos auch.

Alfa Romeo fahren bedeutet, ein Lebensgefühl zu inhalieren und Italien zu leben und wenn man in den romanischen Süden fährt, auch Italien zu erleben.

Es gibt wohl nur sehr wenige Autos, in denen man Italien richtig erleben kann: Eine automobile Möglichkeit ist sicher ein Alfa Romeo und erst recht, wenn er älteren Baujahres ist.

Kaum ein anderes Volk lebt so mit seinen Autos mit, wie Italien mit Alfa Romeo. Wenn ich mit meinen Alfas irgendwo  hinfahre, so ist es eben nicht gleichgültig für die südlichen Nachbarn, welches wunderschöne Zeichen vorne drohnt.

Man kann also getrost sagen: Alfa Romeo fahren ist eine Lebenseinstellung!

… und diese Lebenseinstellung gehört gepflegt.

Alles wird gesucht, gesammelt, getauscht, teuer erworben – keine Mühen sind zu groß, kein Preis zu hoch, wenn es darum geht seiner Sucht nachzugeben.

Immer wieder werden neue Stücke angeschafft und erfreut sich an besonderen Dingen, die eben mit dieser Lebenseinstellung zu tun haben und irgendwie wird man über die Jahre nicht nur älter, sondern man wird eben auch italienischer.

Doch die Sucht kann auch zum Problem werden: Die Einen vergrößern andauernd die Garagen, um neue Sammlerstücke unterzubringen, die anderen trinken viel zu viele Espressi, weil sie glauben, daß man dann automatisch auch mehr PS unter der Motorhaube hat (oh Gott, ich kann ein Lied davon singen) und manche begehen sogar Einbrüche, um an geliebte Dinge zu kommen, das sind dann schon die schweren Krankheitsfälle.

So passiert in Arese (Mailand) als 4 Deutsche und 2 Österreicher im Museum von Alfa Romeo eingebrochen sind, um die letzten Reste zu ergattern.

Man muß jetzt allerdings auch dazusagen, daß diese wichtige Pilgerstätte von Alfa Romeo nicht gerade sehr gepflegt wird.

Ganz im Gegenteil: Es wurde eigentlich schon ausgeräumt und manche wertvollen Stücke, die das Museum jahrzehntelang gewartet und gepflegt, im Krieg sogar an geheimen Orten versteckt hat, damit sie keine Bombenopfer werden, sind in Sammlerhände verschwunden und somit wurde die Sammlung bereits auseinandergerissen.

Ein Umstand, der vielen Alfisti sehr sauer aufgestoßen ist, auch mir.

Das Alfa Museum war eine Institution und ein wichtiger Treffpunkt für viele schöne, internationale Zusammenkünfte.

Die ganze Atmosphäre, die Ausstrahlung, die von diesem ehemaligen Firmengelände ausgeht, kann wohl nur der echte Fan verstehen. Was für ein Gefühl zu wissen, daß meine alte Alfetta GTV aus diesen Hallen kommt und noch Männer, ich möchte sogar sagen, Liebhaber daran entwickelt, geschraubt und zusammengebaut haben.

Und jetzt soll alles aus  sein?

Ja ist es – und so kamen eben diese 6 Persönlichkeiten auf die vielleicht nicht unbedingt glorreiche, aber dennoch verständliche Idee, man könnte doch wenigstens noch die letzten WC Taferln oder eine alte Glühbirne aus den heiligen Hallen holen, um sie dann in der heimischen Garage auszustellen mit dem Text daneben:

Ich war dort und rettete das Andecken Alfa Romeo.

Weiters ist zu bedenken, daß diese „Einbrecher“ ja keine dummen Jungs waren, sondern ausgewachsene, besonnene Menschen, die einfach nicht einsehen wollen, daß diese Hallen nicht den Alfisti gehören, sondern eben Alfa Romeo, nein stimmt nicht: diese Hallen gehören eben FIAT – purtroppo

Ich kann nur sagen, ich war nicht dabei, aber diese Appassionati (Liebhaber) sind eben ECHTE FANS und verdienen eigentlich einen tiefen Respekt. Obwohl natürlich illegal, waren ihre Gedanken ehrenhaft; wie oft gibt es das heute noch

Marco Fazio, selbst in den Klauen des Alfa Virus seit frühester Kindheit,  ist Chef des Centro Documentazione Alfa Romeo und Ansprechpartner für alle Alfisti, wenn es um die Geschichte geht und versucht im Video  zu erklären,
was eigentlich Alfa Romeo fahren ausmacht und kommt zum Schluß:

„Es ist unmöglich zu erkären. Es ist ein Gefühl, das Du erleben mußt“

Und jetzt gehe ich in meine Garage weinen

Cari Saluti, Giovanni

Mille Miglia 2013

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Das wahrscheinlich interessanteste Oldtimertreffen der Welt hat begonnen, wünschen wir ihm Alles Gute

Für alle Oldtimerbegeisterten dieser Welt ist dieses Wochenende das jährliche Highlight und alle Liebhaber der alten, automobilen Technik sind schon die ganze Woche sichtlich nervös.

Viele Urlaubsanträge wurden für dieses Wochenende gestellt, um die Mille Miglia wieder hautnah mitzuerleben.

Dabei geht es nicht einmal nur um die Mille Miglia, also um das „Rennen“ selbst, sondern um das Eintauchen in eine andere Welt, in eine Welt voller Enthusiasmus, Liebhaberei und BEGEISTERUNG.

Das ganze Drumherum um die Mille Miglia begeistert und verkörpert das italienische Leben an sich.

Kinder bekommen schulfrei, Erwachsene wollen dabei sein, Geschäfte werden geschlossen, tagelang wurde schon gefiebert und gefeilt, viel diskutiert und spekuliert.

Entlang der historischen Strecke laufen die Uhren nun anders und Italiener leben ihr Kulturgut.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen und man kann alles zerreden, aber das gilt für alle Traditionen und alle Liebhaberein.

Denn sie haben eines gemeinsam:                        Brauchen tut sie keiner! Aber schön ist es!

Ich jedenfalls bin absoluter Oldtimerenthusiast und für mich ist es ein absolutes Muß, solche Veranstaltungen zu erhalten, auch wenn sie manchesmal als eine Zurschaustellung von Reichtum mißverstanden werden;

der Freude rund um das Rennen tut es keinen Abbruch

Es ist auch ein Teil unseres gesellschaftllichen Denkens, oftmals etwas schlecht zu machen, wenn man es sich nicht leisten kann.

Auch ich gehöre nicht zu den Begünstigten im Leben, die sich ein solches Prachtstück als Hobby leisten können, obwohl man ja auch dazusagen muß, daß viele Prachtstücke gar nicht im Eigentum sind, sondern oftmals nur Leihgaben – okay, dann formulieren wir es so:

Auch ich gehöre nicht zu den Begünstigten, die ein solches Prachtstück geliehen bekommen.

Ja bitte, warum rede ich dann überhaupt mit, wozu gehöre ich denn dann überhaupt?

Es ist völlig egal, wozu ich gehöre, denn in Italien ist nur eines Wichtig: Diesen Enthusiasmus mitzuerleben und zu inhalieren, dabei zu sein und sich an schönen Dingen zu erfreuen; an einer längst vergangenen Technik sich zu ergötzen und daran unglaublichen Spaß zu haben.

Auch die Diskussionen in diversen Cafes am Straßenrand und die Begeisterung an chrom- und messingblitzenden Fahrzeugen, die mit einem Tempo vorbeizischen, daß man Angst hat vom Ansaugtrakt dieser Soundmaschinen eingeatmet zu werden und hoffnungslos und glücklich im Vergaser stecken zu bleiben.

Ich gehöre einfach zu den Zusehern, die sich freuen, wenn sich andere freuen und ich gehöre zu denen, die die gesamte Mille Miglia im eigenen Oldtimer (Youngtimer) verfolgen, ohne mich irgendwann einmal zu fragen, ob es schlecht ist, ein solches Ereignis zu organisieren.

Es ist ein wunderschönes Ereignis und ganz Italien (und auch noch ein paar Andere) erfreut sich daran, der Teil der Welt, der sich darüber aufregt, kann sich das Spectaculum ja heimlich im Internet anschauen und sich krämen, daß sie nicht dabei sind – Viel Spaß!

Jetzt habe ich es aber eilig und konsumiere wieder meinen Espresso in angenehmer Atmosphäre, ohne Neid und Mißgunst.

Viel Glück für die Fahrer, möge der Beste gewinnen

… und besonders freue ich mich, wenn wieder Alfa Romeo Sieger wird  😉

Cari Saluti, Giovanni

Wieviel Auto braucht man eigentlich

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Oder warum ich lieber alte Autos fahre

Was gibt es nicht für tolle Möglichkeiten seine Mobilitätswünsche auszuleben.

Zugegeben es wird einem ja auch wirklich leicht gemacht. Wie man in meinem vorigen Artikel über die Beschaffung eines neuen Firmenautos steht, taucht man gerne in die Welt des Neuen, des manchmal Unereichbaren.

Irgendwie hat das Neue immer etwas Sauberes, etwas Erhabenes, etwas, das es zu erreichen gilt.

Aber ist es auch erstrebenswert?

Genau dieser Frage möchte ich heute nachgehen und soll auch denjenigen eine mögliche Antwort geben, die schon einmal darüber nachgedacht haben, sich mit einem „alten Auto“ fortzubewegen.

Zu Aller Erst muß ich sagen, daß ich kein neues Fahrzeug schlecht machen möchte, denn sie haben genauso ihre Berechtigung, wie man auch alte Autos fahren lassen soll, denn das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man sich diverse Einfahrbeschränkungen der Großstädte ansieht.

Und da sind wir schon beim ersten Punkt, warum ein neues Auto ein wichtiger Bestandteil unseres Verkehrsbildes ist:

Die Politik verbietet die Einfahrt in den Innenstadtbereich.

Und was ist, wenn die Wohnung in der Innenstadt ist oder die Arbeitsstätte?

Dann kommen schnell Überlegungen auf, ob man sich nicht ein neues Fahrzeug kaufen sollte

Ich bin ja Gott sei Dank in der glücklichen Lage, daß ich privat nie in die Innenstadt fahren muß oder sollte ich das Anders formulieren:

Ich fahre nie und nimmer mit dem Auto in die Innenstadt.

Mir ist es einfach zuwider, mir einen Parkplatz zu suchen (unendliche Umkreisungen des geliebten Objektes „Parkplatz“ sind von Nöten, damit er erbeutet werden kann) und dann noch dafür zu zahlen, daß ich mich dann endlich gestreßt (man zahlt ja für die Dauer des Parkens) in das Treiben des geschäftigen Umfeldes stürzen kann.

Nein, Danke. Gerne bezahle ich ein Ticket bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, damit mein Liebhaberstück sich zuhause ausruhen kann.

Wohlgemerkt, wir sprechen hier von privaten Fahrten.

Derjenige, der beruflich in die Innenstadt muß, derjenige ist leider nicht zu beneiden und derjenige bekommt hoffentlich auch einen Ersatz in Form von täglich hart erkämpften Brötchen zum Leben.

Aber hier – in diesem privaten Umfeld – wollen wir uns auch nicht mit dem täglichen Kampf der Essenbeschaffung und Beschaffung der Rückzahlungsmodalitäten der Kreditgeber befassen, sondern uns nur mit den Sonnenseiten des Lebens befassen.

Und dann kommt auch schon dieses Urgefühl bei einem Automobilisten:

Was macht denn dieses Fahren aus, was ist denn so toll am Fahren:

In einem Kühlschrank zu sitzen, die Klimaanlage auf unterster Stufe laufen zu lassen und elektronisch geregelt im Stau zu stehen oder war da noch etwas Anderes; …

Das, was die Älteren unter uns noch verspürt haben, wie sie noch jung waren, diesen Hauch des Besonderen, dieses Eigenleben der Mechanik und diese Einfachheit …

eine Einfachheit, die schon ausreicht, um uns fortzubewegen und aus der die pure Freude entsteht.

Ist es nicht herrlich, wenn man einen „normalen Schlüssel“ ins Schloß steckt und ganz normale Glühbirnen erglimmen und vermelden:

„Buon Giorno, Dottore, ich bin bereit, wo darf ich sie hinbringen?“

Man zieht den Choke und startet:

Jijijjijijijijjij – brbrbrbr- ….  blubblub  …  brummbrummmmmbrumbrumbrum – m mmm mmmmmm

Da ist es wieder, dieses Eigenleben, Mechanik, die schlürft und schluckt, spuckt und hustet und atmet und…

                                                          R Ö Ö Ö H H H R T

Ich muß ja zugeben, ich war schon immer sehr oldtimerfixiert, aber ich muß auch immerwieder feststellen, daß niemanden diese Faszination unberührt läßt, die einfache Mechanik auf die Kreatur MENSCH auslöst.

Zugegeben, es gibt Situationen, die meine Liebhaberei bei manchen Menschen grenzwertig erscheinen läßt:

Denn wenn das geliebte Automobil für ein paar Stündchen in der Mittagshitze verharren mußte und sich der Innenraum schön langsam, aber doch sicher in eine Filiale der unterirdischen Kochtopfabteilung (manche sagen Hölle dazu) verwandelt und ich danach ganz lässig einsteige und einfach nur die Fenster runterkurble und nur losfahre –

oftmals kommt dann: Booaahh – da ist es heiß – no na, es ist Sommer, es ist heiß, ganz normal

Ich sitze halt lieber im Schatten und mache mir ein leichtes Lüfterl im Inneraum mit der richtigen Regelung der Fensteröffnungen, als…

die Kühlschranktür auf

Ich habe lieber dieses   R R Ö Ö Ö H H H R E N  als ein leichtes Zwitschern, das da vorne (oder hinten, nein heute kommt nichts mehr von hinten, alles nur von vorne) zu vernehmen ist.

Ich will es noch erleben, das eine geniale Erfindung, wahrscheinlich eine, der Genialsten, die es je gegeben hat, von A nach B bringt.

Ich brauche auch keine elektronischen Hilfsmittel, die mich ständig bevormunden oder sich ständig akkustisch aufdringlich in meinem Ohr fixieren – nein, ich will nur fahren und genießen.

Ich will den warmen Sommerwind spüren und ich will den Duft des Benzinparfums aus dem Vergaser um meine Nase haben.

In diesem Sinn: Ich wünsche Euch einen schönen, heißen Sommerbeginn und mögen alle Eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Cari Saluti, Giovanni

Wenn ein Alfisto ein Firmenauto benötigt

Nachdem jetzt wieder ein neues Firmenauto ansteht, bei einer Jahreskilometerleistung von ca 50 000 km kommt das ja öfter vor, stellt sich die Frage, welches es doch werden soll.

Die Frage der Marke stellt sich bei mir nicht: Nach gut 20 Jahren und ca 1 Mio km sind der Alfa und ich eine Einheit geworden.

Immerwieder habe ich zwischendurch andere Marken probiert, bin allerdings auch immer wieder zu meiner maschinellen Liebe zurückgekehrt.

Allerdings muß ich gestehen, daß ich nur kurze Strecken mit einer anderen Marke gefahren bin, einmal einen Trip auf der Autobahn oder einmal zwischendurch auf einer Landstraße.

Alle Fahrzeuge haben dabei auf mich eine Faszination ausgeübt, egal wie langweilig oder besser, wenig emotional dieses Vehikel auf mich gewirkt hat.

Aber eines stach halt immer besonders hervor: Meine Alfa Romeo

Auch bei Anderen, nicht Alfa Liebhabern, kam (fast) immer:  „Schön sind sie schon“ oder „Boah-der geht gut“

Und genauso ergeht es mir heute noch, nach all den Kilometern, die ich in diesem Fahrzeug zurückgelegt habe.

Es ist noch immer dieser ganz besondere Reiz, der für den kleinen Unterschied ausmacht, der dieses angenehme Gefühl in der Magengrube auslöst und ein Lächeln über die Lippen zaubert.

Ganz abgesehen davon, daß ich als Italienreisender und Liebhaber schöner Dinge immer mit diesem Fahrzeug bestens angezogen bin.

Jedenfalls auf der Suche nach einem neuen Kilometerfresser bemühte ich wiedereinmal den Konfigurator von Alfa Romeo.

Solche Konfiguratoren sind eine „gemeine“ Angelegenheit: Kaum beginnt man sein Fahrzeug sich zusammenzustellen, beginnt der „Haben Wollen“ Reflex. Vielleicht sollte man unter den Konfigurator einen Warntext, wie auf den Zigarettenschachteln daraufschreiben: „Achtung, wenn sie diesen Konfigurator verwenden, können sie Gefahr laufen, dieses Fahrzeug kaufen zu müssen“

Jedenfalls sitzt man vor dieser Suchtsoftware und man bekommt dieses nervöse Kribbeln, wenn man sich ein Auto zusammenstellt und das Objekt der Lust erscheint nur virtuell, doch man möchte schon drinnne sitzen und losstarten.

Die Fülle der Möglichkeiten stellt dann den Automobilisten in Spe vor gravierende Probleme:

Welchen Motor nimmst, welche Ausstattung und welche…   oh Gott, wer hat die Fülle erfunden.

In dem Fall gehe ich immer wie folgt vor: Nimmst das billige Teil, soll ja nur zum Arbeiten sein, einmal schaun wie günstig es sein könnte, mit dem Hintergedanken (der sich immer stärker hervortut): den nimmst eh nicht

Kennt Ihr das Gefühl:

Das Engerl sitzt links und sagt, ganz brav und zärtlich: Gell, wir nehmen nur den kleinen, günstigen, weil da kann man dann sparsamer fahren und das Service ist günstiger und so schnell fahren ist ohnehin gefährlich.

Auf der rechten Schulter sitzt dann     …

ER, der Teufel und DER, der Teufel grunzt in dein Ohrwaschl: Was willst denn mit dem Schüsserl, wir wollen etwas für Männer, was Handfestes, was zum Herzeigen, eben etwas BÖSES!

Dann kommt dieses Fatale, dieses Böse und Unmenschliche: Du klickst DIE Maschine an, die ER will und schaust was möglich ist.

Und jetzt kommt es – das vor dem uns der Beipackzettel warnen sollte, die Wurzel allen Übels und der Teufel sticht dich immer weiter mit seinem Gaberl: Der Grinser wird immer breiter und das Kribbeln wird stärker – das Suchtmoment greift!

Also stellt man sich SEINE Maschine zusammen und denkt sich: „So solltest es sein, so will ich ihn, ich muß ihn haben!“

Jedoch

Liegt es am zunehmenden Alter oder an den Midlife Crises: Ich wollte dieses Mal etwas Kleineres:

Da ich sonst nur Old- und Youngtimer fahre und die um EINIGES kleiner sind, als diese neuzeitlichen Monster, dachte ich mir, nimmst von der Größe etwas Gleichwertiges; ich bin wendiger und schneller und diese Riesengeräte braucht man nicht, wenn man so wie ich gewohnt ist, in einem Mittelklassewagen von vor 30 Jahren zu fahren

Also schaute ich mir den Alfa Romeo Mito und Giulietta im Vergleich an

Ein Mito mit 170 aufgeblasenen Turbo PS und Sportsitzen!

Außen schwarz und innen rotes Leder, mit roten Armaturenfeuer, da hätte mein Engerl dann viel Bekehrungsarbeit vor sich, wenn es nicht vorher noch vom Teuferl gefressen wird

Jöööhhh oder eine  Giulietta quadrifoglio verde mit 235 TurboFeuer (also PS), dann ginge das Engerl endgültig Baba (manche sagen auch Tschüß)

Naja was soll ich sagen, wahrscheinlich gewinnt wieder das Gute über das Böse und die Wahrheit liegt in der Mitte, obwohl optisch wird es sicher wieder etwas Teuflisches

In diesem Sinn

Cari Saluti, Giovanni