Die Hexe Befana


Weihnachten in Italien

Dieser Artikel ist dem Adventkalender der lieben und gar nicht giftigen Blonden gewidmet und ich möchte ihn als wissenswerte Weinachtsgeschichte schreiben, vielleicht ist sie ja auch einmal als Gute Nacht-Geschichte für Kinder geeignet, um Weihnachten einmal anders zu erzählen.

Die Geschichte ist einzigartig und könnte nicht besser erfunden werden und deswegen versuche ich sie so gut wie möglich zu erzählen, denn die Befana war einmal wichtiger als das Christkind.

Einst bekamen nämlich die Kinder erst in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner die Geschenke und zwar von der alten Hexe Befana (der Name kommt von Epiphanie) – heute bekommen sie zweimal Geschenke: Einmal vom Christkind und einmal von der Befana, der freundlichen Hexe und das ist die Geschichte dazu:

Es war einmal eine alte Dame, die hatte ein nettes Häuschen, das sie immer hegte und fegte.

Tag ein, Tag aus kehrte sie mit ihrem Besen das Haus und fegte und fegte. Es war ein tägliches Ritual, das sie keinesfalls aufgeben wollte, zu wichtig war die Pflege ihres kleinen Häuschens.

Sie stand in der Früh auf und putzte und putzte, akribisch ging sie dieser Arbeit nach, jeder Tag begann gleich und sie ließ kein Eckerl ungefegt, kein Eckerl unbegutachtet.

Sie fegte und fegte bis sie Abends totmüde ins Bett fiel.

Jeder Tag begann gleich und endete mit einem gut gefegten Häuschen in einem kleinen Ort, der auf dem Weg nach Bethlehem lag und so kam es, daß

eines Tages drei Männer an ihre Tür klopften:

Die alte Dame, wiederrum mit der Pflege ihres kleinen Häuschen beschäftigt, richtete ihre Haare zurecht, band ihre Schürze neu, legte den Besen weg und öffnete die Tür und schaute vollkommen entnervt raus, denn sie mußte die Arbeit unterbrechen, die ihr alles bedeutete.

Vor der Tür standen Männer mit edlen Gewändern, Stoffen aus Gold-  und Silberfäden, die Mäntel waren von solcher Schönheit, daß man sofort erkannte, daß sie nicht aus der Gegend entstammten, sondern von weit her gereist waren. Sie mußten aus einem Land kommen, in dem es Gold, Silber und Edelsteine gab.

In der Hand hielten sie ihre wertvollen Geschenke, die für ein Kind bestimmt waren.

Die alte Dame allerdings ließ sich von diesem Schein nicht beeindrucken und fragte sich nur: Was ist so wichtig, daß mich jemand bei meiner Arbeit stört.

Die drei Edelmänner erzählten die frohe Botschaft, daß der Stern von Bethlehem sie zur Krippe führe, in der Jesus Christus geboren worden ist und sie müßten unbedingt dorthin gelangen, denn sie hätten Geschenke für dieses Kind mitgebracht.

Die alte Dame, die sich in ihrer Lieblingsbeschäftigung gestört fühlte, hörte sich die Geschichte an und schüttelte den Kopf und dachte sich dabei, wie man sich bloß mit solchen Dingen beschäftigen könne.

Die drei Männer fragten sie, ob sie denn mitkommen wolle, und sie verneinte, schloß die Tür und nahm ihre Arbeit wieder auf.

Doch nach einiger Zeit bereute sie es, daß sie nicht mitging um sich dieses Spektakel anzusehen. Sie beendete ihre Arbeit mit der gewohnten Gründlichkeit, packte ein paar Süßigkeiten als Geschenke ein und marschierte los.

Sie mußte ja nur diesem Stern folgen, um zu dieser Stelle zu kommen.

Aber es war schon viel zu spät und der Stern erloschen und so irrte sie herum und verteilte die Geschenke an alle Kinder, die sie traf, in der Hoffnung dem Jesuskind zu begegnen.

Und so kommt es, daß die Hexe Befana heute noch sucht und von Schornstein zu Schornstein fliegt um die Socken und Stiefel der Kinder mit Süßigkeiten und Geschenken zu füllen, denn sie könnte ja einmal das Christkind finden.

Die weniger braven Kinder allerdings bekommen keine Süßigkeiten, sondern Kohle!

Aber die „schlimmen“ Kinder wissen, daß diese Kohle (carbone dolce) genausogut ist, denn sie ist heute aus einer schwarze Zuckermasse, die zwar aussieht wie Kohle, aber herrlich schmeckt.

Aus der ursprünglichen Hexe, die alt und hässlich ist und sogar als Schimpfwort in der italienische Sprache einen Platz gefunden hat (una befana=hässliche Alte), entwickelte sich eine gute Hexe, die den Kindern immer die Geschenke bringt und heute noch immer die Grundlage für ein Fest für Kinder und Familie bildet.

Auch in der Politik fand die Befana ihren Platz: So wurde im Faschismus die Befana fascista erfunden, die Geschenke an arme Kinder verteilte und so den gutmütigen Charakter weiter unterstrich.

Ein schöner Brauch, der einen krönenden Abschluß der Weihnachtsfeiertage bildet und das Christkind lange Zeit in den Schatten stellte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch

Buon natale, Giovanni

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8 Gedanken zu “Die Hexe Befana

  1. Ich kenne nur das Neujahrskonzert in Wien und das ist immer wieder aufs neue Grandios und atemberaubend! Danke für die tollen Einblicke in andere Länder und Kulturen!
    LG, Michaela

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