un caffè sospeso!


Gedenktag des Caffè Sospeso: 10. Dezember

Am Tag der Menschrechte, am 10. Dezember jeden Jahres, gibt es noch einen anderen Gedenktag, der sich passender Weise auch auf das soziale Miteinander konzentriert: der Tag des Caffè Sospeso.

Wenn jemand in einer traditionellen Bar zwei oder mehr Kaffee auf einmal bestellt, aber nur einen genießt, so sollte es niemanden wundern, denn die übrigen Espressi wurden für Menschen mitbezahlt, die sich keinen Espresso leisten können.

Eine Institution, die ursprünglich in Neapel entstand, erfreut sich in letzter Zeit wieder einer größeren Beliebheit.

Lange schien diese alte Tradition schon in Vergessenheit geraten zu sein, wurde aber in letzter Zeit nicht nur in Italien wieder beliebter, sondern wird auch schon in ausgewählten Lokalen anderer europäischer Länder, wie zum Beispiel in der Schweiz, Spanien und auch in Österreich, praktiziert.

Wenn jemand einen guten Tag oder ein erfolgreiches Geschäft abgeschlossen hatte, bestellte er aus Dankbarkeit einen caffè sospeso, daß heißt er bekam einen Espresso für sich und bezahlte einen weiteren für jemanden, der sich keinen leisten konnte. Dieser wird extra vermerkt und wenn dann jemand, der wirtschaftlich schlechter gestellt war, danach fragte: c’è un caffè sospeso? (gibt es einen „schwebenden“ Kaffee), dann bekam er diesen – gratis!

Eine nette , soziale Einrichtung, die eigentlich nur aus Neapel stammen kann. Die Bevölkerung in dieser nach außen hin prächtigen Stadt war in der Geschichte immer wieder gezwungen sich gegenseitig zu helfen und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sich ein soziales Gefüge entwickelte, das man sich oft anderorts wünschen würde und wer auf sich hält, bestellt auch nicht nur einen sospeso, sondern es können auch durchaus 10 sospesi sein. Gerade zu Weihnachten werden diese Traditionen hoch gehalten – zur Freude der Schlechtergestellten und davon gibt es in Zeiten der Krise mehr als genug.

So fällt es in Italien auch nicht weiter auf, wenn in prächtigen Kaffeehäusern oder in Bars um die Ecke, Menschen bei der Tür hereinkommen, die man sich so nicht weiter erwarten würde, stattdessen freut man sich für sie, wenn sie ein Stück Wärme und weihnachtliche Stimmung in die Herzen bringen können.

Das Wesentliche ist, niemand soll vom sozialen Miteinander ausgeschlossen sein und man achtet darauf, daß wirklich jeder daran teilnehmen kann.

Es ist eine Tradition, die ich sehr schätze und jedesmal, wenn ich nach Italien fahre, wahrnehme, aus Dankbarkeit in Italien zu sein, aus Dankbarkeit ein Teil dieser Wertschätzung des Mitmenschen zu sein.

Ein sozialer Beitrag, der besonderen Art, der aus Italien kommt, zu Italien gehört und einfach nicht sterben darf. Er gehört gepflegt und gehegt, denn es ist mehr als nur ein Kaffee auf Kosten des Anderen, es ist ein Ausdruck einer Lebenseinstellung, die eine ganze Nation auszeichnet und weiter in die Welt hinausgetragen werden muß.

Vielleicht sollte man diesen Gedanken aufgreifen und dem eigenen Genuß, einen weiteren Genuß für jemanden anderen, der es sich nicht leisten kann, hinzufügen. Schöner kann man Weihnachten nicht feiern…

Buon Natale, Giovanni

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5 Gedanken zu “un caffè sospeso!

  1. Eine schöne Idee – meine „Stamm-Rösterin“ macht mit: http://die-kaffee.de/

    Caffè Sospeso bei Die Kaffee – 30. Oktober 2013

    Ab November gibt es bei Die Kaffee den „Caffè sospeso“, zu deutsch etwa „aufgeschobener“ Kaffee.

    Eigentlich bedeutet das nur, dass man als Kunde neben dem eigenen Getränk auch noch ein weiteres bezahlen kann, dass dann sozusagen aufgeschoben wird. Der Kassenbon für den bezahlten, aber noch nicht getrunkenen, Kaffee wird dann einem Brett aufgehängt.

    Menschen, die sich vielleicht keinen Kaffee leisten können, können dann ganz einfach einen Bon vom Brett nehmen und bekommen dann ihr Getränk ohne dafür zu bezahlen.

    Dieser Brauch stammt, soweit ich weiß, aus Neapel. Mir gefällt die Idee wirklich sehr gut und deshalb würde ich gerne versuchen, das auch bei Die Kaffee zu etablieren – gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit vor der Tür steht.

    Ich hoffe, es machen viele mit!

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