Sedilo: Ardia di San Costantino


Heute herrscht der Ausnahmezustand in einem kleinen sardischen Dorf:

Ardia in onore di Santu Antinu

Sedilo, ein kleiner Ort in der Mitte von Sardinien, ist heute Mittelpunkt eines großartigen Kulturschauspiels – Die Ardia zu Ehren des heiligen Konstantin (= Santu Antinu).

Diese jahrhunderte alte Tradition ist auch heuer wieder ein Höhepunkt auf Sardinien und sollte jedenfalls einmal von den Liebhabern dieser Insel gesehen worden sein.

Jedes Jahr Anfang Juli findet dieses ursprüngliche Pferderennen statt und soll zur Ehre des Kaisers Konstantin gereichen, der als Wegbereiter des Christentums gilt und in der Schlacht bei der milvischen Brücke (312 n Chr) eine Christuserscheinung gehabt haben soll.

Und genau diese Erscheinung soll der Grund dafür gewesen sein, daß die Schlacht über die Heiden siegreich verlief.

Dieser Sieg über die Ungläubigen wird jedes Jahr nachgespielt, wobei der Austragungsort die Wallfahrtskirche Santuario di San Costantino ist.

Der Priester hat die schwierige Aufgabe den Anführer des Rennens zu ernennen, der einer chronologischen Reihenfolge unterliegt. Schon als Kind werden sie in einer Liste eingetragen, um später die begehrte Standarte im Rennen zu verteidigen.

Denn der Anführer und erster Fahnenträger stellt Kaiser Konstantin dar und dieser bestimmt noch zwei weitere Fahnenträger, die ihn zusammen mit der Eskorte gegenüber den Heiden verteidigen.

Und die Heiden sind die übrigen Reiter, die aus mehreren Duzent bestehen. Zusammen mit einer recht schwierigen Rennstrecke, die teils sehr steil und steinig ist, gleicht es einer echten Mutprobe eine Ardia anzuführen, zumal der Anführer den gesamten Verlauf des Rennens bestimmt.

Er bestimmt, wann das Rennen anfängt, denn er reitet einfach unvermittelt los, dicht gefolgt von den beiden anderen Fahnenträgern und beschützt von einer sehr kleinen Eskorte, die wenigstens versucht kurz den Rest der Meute aufzuhalten. Die ersten Sekunden entscheiden über den Verlauf des Rennens.

Sinn ist es, daß der erste Fahnenträger von niemanden überholt wird und somit das Christentum siegt und dabei wird niemanden etwas geschenkt, denn es geht den Reitern nicht nur um das Spiel, sondern vor Allem auch um die Ehre als guter Reiter zu gelten.

Regeln gibt es keine, außer daß die Teilnehmer aus Sedilo sein müssen; und das bedingt natürlich auch eine gewisse Härte, die auch schon Unfälle bewirkt hat.

Die Tatsache, daß auf sardischen Anglo-Araber (Sardo), ein Warmblut dessen Ursprung im Araber zu suchen ist, geritten wird, die als besonders schnell gelten, macht die Sache nicht ungefährlicher.

Nach dem ersten Abschnitt des Rennens wird die Wallfahrtskirche  Santuario di San Costantino in einer ungeraden Anzahl im Schritt umrundet, also 3,5 oder 7 mal. Der erste Standartenträger entscheidet wiederrum, wann das Rennen fortgesetzt wird, wenn er plötzlich wieder den Galopp aufnimmt.

Während der Umrundung der Kirche haben die Zuseher die Möglichkeit die geweihten Standarten zu berühren.

Beim Rennen selbst werden die Reiter von den Fucilieri (Schützen) begleitet. Diese Schützen stehen am Rand des Rennens und stellen das Heer des heiligen Konstantin dar, wobei es einerseits ein akkustisches, aber vor Allem ein optisches, wegen der schönen Gewehre, Ereignis darstellt.

Die Schrotpatronen (einige 1000) dafür wurden am Vortag im Rahmen eines großen Festes selbst hergestellt und dabei wird die Ardia bereits zur Verkündung „eingeschoßen“.

Das impliziert natürlich auch, daß die Pferde nicht nur sehr geländegängig sein müssen, sondern vor Allem schußfest, denn gerade bei der Umrundung der Wallfahrtskirche können einige Salven abgeschossen werden und dabei darf das Pferd nicht schreckhaft sein, das bei einem Fluchttier natürlich ein Problem darstellt.

Die Ardia, eines der wichtigsten Ereignisse auf Sardinien und eines der wichtigsten Ereignisse im Leben eines Teilnehmers, denn war sein Leben vor der Ardia vielleicht ein einfaches Leben eines Hirten, so ist es nach der Ardia ein Leben eines Helden und die Zeitrechnung scheint neu zu beginnen; Alles wird genau beobachtet und begutachtet und somit ist eine gewisse Vorbildwirkung nicht abzustreiten.

Alles in allem ein Fest, das kein Sardinienliebhaber versäumen sollte, allein schon wegen der angenehmen, familiären Stimmung rund um das Reiterspektakel.

Buon Sabato, Giovanni

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