Von der Sucht Alfa Romeo zu lieben


Von den Schwierigkeiten seine Sucht zu befriedigen und was macht das Alfa Romeo fahren eigentlich aus.

Viele werden jetzt vollkommen ungläubig ihren Kopf schütteln und sich denken: wie bitte, der schreibt über ein Auto. Das Klump soll funktionieren und fertig.

Was soll ich mir da Gedanken machen über eine spezielle Vorliebe und vielleicht das Ganze noch philosophisch betrachten und überhaupt, sind wir schon fertig – Punkt

Ja die, die fahren halt nicht Alfa Romeo.

Diejenigen, die jetzt weiterlesen, sind entweder schon selbst in dieser lebenslangen Sucht gefangen oder haben zumindest davon gehört, daß Alfisti (so nennt man diese Suchtfetzen, die nie in ein anderes Auto einsteigen würden) irgendwann mit diesem Alfa Virus in Berührung gekommen sind und ein Gegenmittel nicht bekannt ist.

Einmal mit diesem unbestechlichen Motorsound, dieser unbeschreibliche Art der Rückmeldung des Straßenbelags durch das unbestechliche Fahrwerk oder durch das einzigartige Flair des Wageninneren in Berührung gekommen und man(n) ist infiziert.

Der Alfa Virus steckt in jedem kleinen Detail und springt unbarmherzig auf den Besitzer über.

Durch diese hinterlistige Art vermehrt sich der Virus sehr stark und eine Aussicht auf Heilung des Opfers besteht nicht – zumindest sind mir nur vereinzelte Fälle bekannt, die die Sucht hinter sich lassen konnten.

Die Anderen, die Süchtigen, die Alfisti sind verdammt lebenslang diese atemberaubenden Wagen zu fahren, den Kult zu leben, die Philosophie hoch zu halten und jede Ausfahrt zu genießen.

Alfa fahren ist nicht einfach von A nach B kommen, das können andere Autos auch.

Alfa Romeo fahren bedeutet, ein Lebensgefühl zu inhalieren und Italien zu leben und wenn man in den romanischen Süden fährt, auch Italien zu erleben.

Es gibt wohl nur sehr wenige Autos, in denen man Italien richtig erleben kann: Eine automobile Möglichkeit ist sicher ein Alfa Romeo und erst recht, wenn er älteren Baujahres ist.

Kaum ein anderes Volk lebt so mit seinen Autos mit, wie Italien mit Alfa Romeo. Wenn ich mit meinen Alfas irgendwo  hinfahre, so ist es eben nicht gleichgültig für die südlichen Nachbarn, welches wunderschöne Zeichen vorne drohnt.

Man kann also getrost sagen: Alfa Romeo fahren ist eine Lebenseinstellung!

… und diese Lebenseinstellung gehört gepflegt.

Alles wird gesucht, gesammelt, getauscht, teuer erworben – keine Mühen sind zu groß, kein Preis zu hoch, wenn es darum geht seiner Sucht nachzugeben.

Immer wieder werden neue Stücke angeschafft und erfreut sich an besonderen Dingen, die eben mit dieser Lebenseinstellung zu tun haben und irgendwie wird man über die Jahre nicht nur älter, sondern man wird eben auch italienischer.

Doch die Sucht kann auch zum Problem werden: Die Einen vergrößern andauernd die Garagen, um neue Sammlerstücke unterzubringen, die anderen trinken viel zu viele Espressi, weil sie glauben, daß man dann automatisch auch mehr PS unter der Motorhaube hat (oh Gott, ich kann ein Lied davon singen) und manche begehen sogar Einbrüche, um an geliebte Dinge zu kommen, das sind dann schon die schweren Krankheitsfälle.

So passiert in Arese (Mailand) als 4 Deutsche und 2 Österreicher im Museum von Alfa Romeo eingebrochen sind, um die letzten Reste zu ergattern.

Man muß jetzt allerdings auch dazusagen, daß diese wichtige Pilgerstätte von Alfa Romeo nicht gerade sehr gepflegt wird.

Ganz im Gegenteil: Es wurde eigentlich schon ausgeräumt und manche wertvollen Stücke, die das Museum jahrzehntelang gewartet und gepflegt, im Krieg sogar an geheimen Orten versteckt hat, damit sie keine Bombenopfer werden, sind in Sammlerhände verschwunden und somit wurde die Sammlung bereits auseinandergerissen.

Ein Umstand, der vielen Alfisti sehr sauer aufgestoßen ist, auch mir.

Das Alfa Museum war eine Institution und ein wichtiger Treffpunkt für viele schöne, internationale Zusammenkünfte.

Die ganze Atmosphäre, die Ausstrahlung, die von diesem ehemaligen Firmengelände ausgeht, kann wohl nur der echte Fan verstehen. Was für ein Gefühl zu wissen, daß meine alte Alfetta GTV aus diesen Hallen kommt und noch Männer, ich möchte sogar sagen, Liebhaber daran entwickelt, geschraubt und zusammengebaut haben.

Und jetzt soll alles aus  sein?

Ja ist es – und so kamen eben diese 6 Persönlichkeiten auf die vielleicht nicht unbedingt glorreiche, aber dennoch verständliche Idee, man könnte doch wenigstens noch die letzten WC Taferln oder eine alte Glühbirne aus den heiligen Hallen holen, um sie dann in der heimischen Garage auszustellen mit dem Text daneben:

Ich war dort und rettete das Andecken Alfa Romeo.

Weiters ist zu bedenken, daß diese „Einbrecher“ ja keine dummen Jungs waren, sondern ausgewachsene, besonnene Menschen, die einfach nicht einsehen wollen, daß diese Hallen nicht den Alfisti gehören, sondern eben Alfa Romeo, nein stimmt nicht: diese Hallen gehören eben FIAT – purtroppo

Ich kann nur sagen, ich war nicht dabei, aber diese Appassionati (Liebhaber) sind eben ECHTE FANS und verdienen eigentlich einen tiefen Respekt. Obwohl natürlich illegal, waren ihre Gedanken ehrenhaft; wie oft gibt es das heute noch

Marco Fazio, selbst in den Klauen des Alfa Virus seit frühester Kindheit,  ist Chef des Centro Documentazione Alfa Romeo und Ansprechpartner für alle Alfisti, wenn es um die Geschichte geht und versucht im Video  zu erklären,
was eigentlich Alfa Romeo fahren ausmacht und kommt zum Schluß:

„Es ist unmöglich zu erkären. Es ist ein Gefühl, das Du erleben mußt“

Und jetzt gehe ich in meine Garage weinen

Cari Saluti, Giovanni

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11 Gedanken zu “Von der Sucht Alfa Romeo zu lieben

  1. Och, non piangere, Giovanni! Na, du bist wirklich ein Alfa-Verrückter! 😉 Ich bin keine Alfista und kann die Begeisterung für ein Auto nur ansatzweise nachvollziehen, aber eben doch ein ganz kleines bisschen. Wie du weißt, bin ich DS-Fan und verbinde dieses in meinen Augen wunderschöne Auto auf ewig mit Frankreich und Fahrten über Land (obwohl ich nur ein einziges Mal mitgefahren bin in einer Déesse und das war – in Umbrien! – wo ich als Anhalterin unterwegs war und ausgerechnet mein Lieblingsauto stoppte!), Also, soviel und noch viel mehr bedeutet für dich der Alfa! Cari saluti dal mondo rosso

    • Du verstehst mich (uns Alfisti)! Ich hoffe die Richter der „Museumsbesucher“ sind genauso verständnisvoll wie Du.
      Buona Serata Cara Mondo Rosso

      • Hallo Giovanni
        Gratulation zu deinem Beitrag, den ich leider erst jetzt im Web entdeckt habe. Auch ich bin dem Virus verfallen. Mit 15 Jahren den ersten Alfa gesehen, ein schwarzer Bertone mit gelben Scheinwerfern, seither hochgradig infiziert ohne Wunsch auf Heilung.
        Auch zu den Einbrechern kann ich berichten. Die Gruppe der Alfisti war viel größer die nach Arese gepilgert ist. Insgesamt waren es ca. 14 Personen, erwischt wurden die erwähnten 6 Alfisti, der Rest konnte mit der Beute flüchten (Vietato fumare Schilder udgl.) Die Carabinieri waren der Meinung dass sie Kupferdieben auf den Fersen seien und nahmen alle in Gewahrsam. Natürlich wurden auch die Autos der Täter konfisziert, so kam es dass die Carabinieri mit den Alfettas, 75´er, 33´er zum
        Revier fahren mussten. Ob einer dabei infiziert wurde ist nicht bekannt. Das Missverständnis war rasch aufgeklärt und die Bedauernswerten waren bald wieder in Freiheit.
        Die Pilgerfahrer waren Wiederholungstäter, schon das Jahr davor waren sie dort eingedrungen und mit weit größerer Beute heimgekehrt.
        Ich war nicht dabei, habe aber vollstes Verständinis für diese ebenfalls hochgradig und unheilbar infizierten Alfatiere.

        Forza Alfa Romeo – Millenove

  2. Giovanni ich verstehe dich auch, kann ich dich mit einem Espresso und mit einem Grappa trösten?
    Heute habe ich auf einem Kirtag (kennst du das?) eine Bialetti gesehen, ich war schwer!! in Versuchung dieses Stück mitzunehmen.
    Die wird ja auch nicht mehr in Italien erzeugt 😦

    • Ciao Cara Bionda! Ein Grappa in meiner Garage getrunken wäre genau das Richtige 🙂
      Ja Kirtag gibt es in Felix Austria auch. Eine Bialetti kannst immer kaufen, kann man nie genug haben 8D. Bialetti Produktion ist auch aus in Italien – leider! So geht die Kultur hin und sucht sich neue Wege oder vergeht. Cari Saluti, Giovanni

  3. Ich habe selber mal vor rund 30 Jahren eine schöne Alfetta gefahren (und eine gute Werkstatt gehabt, die den Doppelfallstromvergaser perfekt einstellen konnte). Trotzdem hat mich der Virus nicht befallen. Auch finde ich die heutigen Alfas nicht mehr so außergewöhnlich.

  4. Ich finde, dass Autos älteren Jahrgangs generell mehr Charakter haben, als was heute so gebaut wird. Vor allem stört mich, dass die Autos jetzt alle gleich aussehen. Furtchtbar.

    Also ich kann Dich in Deinem Alfafansein verstehen. Die Männer meiner Familie hängen an alten DDR-Mopeds und Motorrädern. Und ich persönlich finde ja diese winzigen uralten Fiats total putzig, wie sie hier manchmal noch durch die Altstadtstraßen kurven. Die haben genau die richtige Größe für Süditalien.

  5. Pingback: Zuwachs! | MotorizeMe

    • Buongiorno a tutti!

      Es freut mich zu lesen, daß es wieder Zuwachs in der Alfa Romeo Familie gibt 🙂

      Ich wünsche Dir und auch allen Lesern viel Spaß

      Mille Grazie per condividere: Giovanni 🙂

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