Das Essen in Italien und wieviel Zeit es benötigt


Ich glaube wir alle hier sind uns einig, daß die Gaumenfreuden ein wichtiger Bestandteil der italienischen Kultur sind.

Ein fixer Bestandteil der Lebensart und vor Allem ein fixer Bestandteil des Genusses neben all den anderen Möglichkeiten sein Leben zu versüßen, als pars pro toto sei genannt sich gut gekleidet mit einem schönen Fahrzeug möglichst sportlicher Ausstrahlung aus seiner architektonisch aufbereiteten Garage zu bewegen.

In welche Richtung das Gesamtkunstwerk Lebensstil geht, entscheidet dann letztendlich jeder für sich: Der Eine mag es klassisch, der Andere modern, der Nächste nimmt den Mittelweg.

Das äußert sich dann nach Außen, in dem der Eine mit dem Oldtimer fährt und in einer Albauwohnung oder Villa wohnt, währenddessen der modern Ausgerichtete sich immer um das neueste Modell seines fahrbaren Untersatzes kümmert und seine Wohnung ein Erstbezug von ihm selbst ist mit den neuesten architektonischen Attributen, die der klassische Typ höchstens belächelt.

Was hat das aber jetzt alles mit der oralen Befriedigung zu tun?

Während man über den Geschmack diskutieren kann, aber nicht über einen gepflegten Stil, so kann man auch nicht über den Stil beim Essen diskutieren.

In einem sind sich die Italiener nämlich einig-in der Essenskultur und wie die auszusehen hat und da paßt die Fast Food Möglichkeit eigentlich so gar nicht zu Italien und die tut sich auch bis heute schwer sich zu etablieren.

Während sich in den meisten europäischen Ländern die schnelle Kost für Zwischendurch als Hauptmöglichkeit der Nahrungsaufnahme entwickelt hat, so bevorzugt der Italiener noch immer die herkömmliche Art der Nahrungsaufnahme mit einem vollständigen Gedeck, gepflegten Gesprächen (oder sollte man Diskussionen sagen?) und eine ansprechende Art der Präsentation der Köstlichkeiten – Krise hin oder her.

Man muß aber auch erwähnen, das es genug italienische Möglichkeiten für Zwischendurch gibt: Von einem gepflegten Espresso und dazu eine kleine, süße Köstlichkeit, über Tramezzini bis hin zu einer kleinen Pizza, die auch ohne weiteres eine Große sein kann, die man mit seiner(m) Liebsten teilt; dazu ein Glas Rotwein (mit Blick aufs Meer?).

Als Gegensatz paßt die Schnelleßkultur halt so gar nicht zum kommunikativen Bestandteil des italienischen Lebens.

Essen ist ein wichtiger Fixpunkt im Leben eines Italieners und das ist positiv gemeint und hat überhaupt nichts mit einer falsch verstandenen Überfüllung des Verdauungstraktes zu tun.

Auch wenn es oft nur am Abend möglich ist, daß man sich stundenlang mit seinen Lieben umgibt und angeregt über den Verlauf des Tages diskutiert und daneben seinen Leibgerichten frönt.

All das, was oftmals außerhalb Italiens belächelt wird, wird innerhalb groß geschrieben:

Ein schön gedeckter Tisch, beleuchtet am Besten mit einem Kerzenschein, eine schöne Speisekarte oder gleich die Empfehlung vom Chef (denn man kennt sich ja), ein respektvoller Umgang zwischen Kunden und dem der eigentlich die Arbeit macht, ein gepflegtes Gespräch mit seinem Gegenüber und dabei bekommt der Ausspruch – ich setze mich nicht mit jedem an einen Tisch – eine völlig neue Bedeutung.

Es paßt einfach nicht zur gesamten Lebenseinstellung, daß man schnell etwas runterwürgt und mit Süßgetränken das Füllen des Magens beschleunigt.

Und ich muß sagen – ich gebe dieser wunderbaren Kultur in allen Punkten recht.

Jeder sollte sich einmal vor Augen führen, was Essen und Trinken bedeutet, was eigentlich das Wort Lebensmittel bedeutet.

Essen und Trinken ist ein wesentlicher Bestandteil um sein Leben zu erhalten oder auch um seiner Seele etwas Gutes zu tun, denn wir nehmen etwas auf: Mittel zum Leben (Lebensmittel) und gleichzeitig auch die positive Schwingung, die uns umgibt (aber auch die negativen Einflüsse, die auf uns bei der Nahrungsaufnahme einwirken).

So kommen halt immer wieder diese Schlagzeilen auf, wie schwer es ist, in Italien mit einer anderen Kultur richtig Umsatz zu machen und so auch die heutige Motivation diesen Artikel zu schreiben.

 

Jeder muß für sich selbst entscheiden, was für ihn gut ist – mir gefällt nach wie vor die altmodische Art mit einem netten Gespräch und Kerzenschein.

 

Buona Giornata,  Giovanni

 

 

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5 Gedanken zu “Das Essen in Italien und wieviel Zeit es benötigt

  1. Hoffen wir, dass die Italiener weiterhin etwas mehr Widerstand leisten als anderswo gegen McDoof & Co – nicht umsonst ist ja in Italien die Slow Food-Bewegung entstanden. Gerade heute Morgen sah ich toskanische Landschaften vor meinem inneren Auge und bald gesellten sich Papardelle al sugo di lepre dazu… Ja, sie verstehen etwas vom Essen und widmen ihm noch die angemessene Zeit. Wobei sie eben diese Zeit sehr ernst nehmen: Mäandert man als Tourist um die Mittagszeit gemächlich über die Straßen, wird man zum Verkehrshindernis der Hungrigen, die schnell und pünktlich heim bei mamma sein wollen, zur cucina casalinga!
    Nur eines verstehe ich nicht: Wie schaffen es die Italiener, als primo piatto einen großen Teller voller nahrhafter Paasta zu essen und dann noch eine Fischplatte/ein Fleischgericht und dann auch noch dolce zu schaffen?!

    • Allora Mondo Rosso: Mehrere Gänge sind kein Problem, denn es ist wieder nur eine Frage der ZEIT und natürlich auch der Menge. Gerade die Pasta als prima piano ist nur eine kleine Portion, so klein, als ob Du nur ein Stück Weißbrot gegessen hättest. Danach ist der Fisch auch wieder nur ein kleiner Teil von einem großen Ganzen ohne großer Beilagenvariationen.
      Somit paßt danach noch gut ein Espresso mit einem kleinen Dolce zum Gesamtgenuß.

      Cari Saluti, Giovanni

      • Ja, wenn es immer so wäre…, doch ich habe schon oft gesehen, dass die Pastaportionen des ersten Gangs so groß sind wie hierzulande als Hauptgericht…, und die Italiener haben es geschafft! Selbst mit viel Zeit würde mir das nicht gelingen. Obwohl es stimmt: Es gibt oft keine oder kaum Beilagen zum Fisch.
        Cari saluti zurück!

  2. Lieber Giovanni, was für eine schöne Beschreibung rund um die italienische Ess- und Tischkultur! Genau das schätze ich an dieser so sehr: sich Zeit nehmen, gut speisen und die Seele entschleunigen lassen… 🙂

    • Zeit nehmen und die Seele entschleunigen: Genau auf das kommt es an und genau das streben wir im Endeffekt alle an. Es gibt da einen Überbegriff – hhmmmm – achja: „Lebensqualität“ 🙂

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